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Bei der Eheschließung vereinigen sich in Indien traditioneller Weise zwei Familien. Die Ehe wird unter gläubigen Hindus als gesellschaftliche Pflicht angesehen.
Indiens Heirats-Business
90 Prozent der Ehen in Indien sind arrangiert. Doch immer mehr Junge wollen selbst entscheiden, wen sie lieben. Patrick Hafner porträtiert heiratswillige Inder zwischen Tradition und Moderne.
Dating findet natürlich auch in Indien statt, nur wissen darf es die Familie in der Regel nicht. Indische Eltern vertrauen immer noch auf professionelle Kuppler, Astrologen oder Privatdetektive, die sie bei der Suche nach dem perfekten Partner für ihr Kind unterstützen.

© ORF Ein Liebespaar am Chowpatty-Strand in Mumbai.
Ein Liebespaar am Chowpatty-Strand in Mumbai.
Den unberechenbaren Liebesgefühlen junger Menschen zu vertrauen, wenn es um solch entscheidende Dinge wie die Eheschließung geht, ist den meisten indischen Eltern nicht geheuer.

90 Prozent der Eheschließungen werden durch die Familie arrangiert. Damit belegt Indien bei den arrangierten Ehen weltweit Platz 1. Eine Scheidungsrate von nur zwei Prozent scheint dieser Tradition auf den ersten Blick Recht zu geben.

© ORF Der Vater und Verwandte der Braut bringen diese zu ihrem Bräutigam, der von der Familie ausgesucht worden ist.
Der Vater und Verwandte der Braut bringen diese zu ihrem Bräutigam, der von der Familie ausgesucht worden ist.
Traditionell ist die Ehe nach dem hinduistischen Glauben ein heiliges Sakrament. Doch vor allem ist die Eheschließung in Indien ein großes Geschäft und ein einzigartiger Wirtschaftszweig. Eine ganze Armee von professionellen Kupplern, Astrologen, und Privatdetektiven steht bereit, damit die Suche nach "Mister Right" und "Miss Perfect" von Erfolg gekrönt ist. Während die sogenannten "Matchmaker" versuchen, geeignete Bewerber zusammenzubringen, durchleuchten Heirats-Detektive vor allem den finanziellen Hintergrund der Kandidaten, damit bei Einkommens- und Vermögensverhältnissen schon im Voraus klare Fronten herrschen. Zeit, um sich richtig Kennenzulernen, haben die meisten Paare erst, nachdem die Ehe geschlossen ist.

 Die junge Generation der Inder hat viele Möglichkeiten, sich über das Internet oder mobile Nachrichtendienste zu vernetzen. Liebebeziehungen sind möglich, doch 90 Prozent der Eheschließungen sind laut UNICEF nach wie vor von der Familie arrangiert. © ORF Auch hier: das Internet als Kommunikationsmittel
Sanjoy Sachdev von der Organisation "Love Commando" versteckt Liebespaare, die gemeinsam von zuhause weggelaufen sind, in einem sicheren Haus in Neu-Delhi. © ORF Sicheres Versteck für heimliche Liebespaare

Die gesellschaftliche Pflicht und der Respekt gegenüber ihren Familien lässt vielen jungen Indern keine andere Wahl, als sich verheiraten zu lassen. Ob es ihnen gefällt oder nicht, eine standesgemäße und möglichst frühe Familiengründung wird von ihnen erwartet. Die Hochzeit selbst wird dann als Fest der Liebe à la Bollywood mit viel Musik, farbenprächtigen Roben und einer goldbehängten Braut über mehrere Tage gefeiert. Patrick Hafner geht in seiner Reportage der Frage nach, wie lange die jungen Inder - vor allem in den Städten - da noch mit machen…

Sendedaten
Mittwoch, 9. August 2017
um 21.00 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Eine Dokumentation von Patrick A. Hafner, Österreich 2016
Glossar
Indien
Indien ist nach China der bevölkerungsreichste Staat der Erde. Der Anteil an der Weltbevölkerung der Inder bei 1,15 Milliarden Einwohnern (2008) beträgt 16 Prozent.
Dokumentation
Retortenstädte - Wie Indien den Fortschritt plant
Indien hat einen ehrgeizigen Plan für wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung: 100 neue Millionenstädte sollen Wohnraum und Arbeitsplatz für eine aufstrebende Mittelschicht bieten.

Mittwoch, 9. August 2017, 20.15 Uhr