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Dienstag, 27. September
Lupe
Bernhard (57) bei einem Wochenendausflug ans Meer mit seinem Sugarbabe Elena, 26. Das Paar hat sich auf einer Dating-Website kennengelernt.
Sugardaddy
Suche Jugend, biete Geld
Ältere, gutsituierte Männer bieten mittellosen Frauen Geld für ein wenig Zuneigung und Sex. Vor allem wollen sie Jugend. Das ist das Prinzip und das erste Kennenlernen findet auf einem Internetportal statt. Online-Prostitution oder der Versuch, sich eine Beziehung zu kaufen? "37 Grad" fragt nach, was Sugardaddys und junge Frauen zusammenbringt.
"Sugardaddy" war für die Filmemacher ein unerwartet schwieriges Projekt. Geprägt von Neugier, aber auch Vorurteilen gegenüber den Menschen, "die so etwas machen" beziehungsweise "so etwas nötig haben". Und dann begegneten sie viel Scham sowohl aufseiten von Männern, die diese Wünsche und Bedürfnisse lieber im Verborgenen leben. Ebenso oder sogar noch mehr bei den jungen Frauen, den sogenannten Sugarbabes. Die meisten von ihnen hatten Angst vor der Reaktion ihres eigenen Umfelds, ganz gleich, ob Freunde und Familie es wissen oder sie eine Art Doppelleben führen.

Suche nach jungen Sugarbabes
Insofern danken die Filmemacher den Protagonisten, die sich am Ende doch dazu entschlossen haben, offen, ehrlich, sogar ziemlich schonungslos von sich zu erzählen. Der zweimal geschiedene Mitfünziger, der monatlich 2.000 Euro beiseitelegt, um die Wochenenden mit einer jungen, hübschen Frau verbringen zu können, denn Sex mit einer Gleichaltrigen käme für ihn nicht in Frage. „Eine Frau ist wie ein schönes Accessoire. Eine schöne Uhr, ein schönes Auto...,“ sagt er.

Lupe
Harry (Anfang 60) beim ersten Date mit Sugarbabe Sarah, 23. Harry sucht nach einer festen Beziehung mit einer jungen Frau.
Der andere, Anfang 60, findet nur Frauen attraktiv und begehrenswert, die mindestens halb so alt sind wie er selbst. Lieber noch etwas jünger. Beide, der eine selbstständiger Unternehmer, der andere Arzt, können sich ein Sugarbabe leisten. Und die Frauen selbst? Sie haben ein Kind und Geldsorgen, träumen von Luxus, wollen sich so eine Ausbildung oder das Studium finanzieren, hoffen vielleicht insgeheim auf eine Aschenputtel-Karriere.

Reich trifft auf schön
Das Prinzip ist einfach, das Phänomen alt und alltäglich. Unzählige Promis machen es vor: Er, Mitte 60, erfolgreich und vermögend. Sie, Mitte 20, bringt nichts als ihre Jugend und Schönheit in die Beziehung. Und was machen die Menschen? Sie verfolgen interessiert ihre Geschichten. Nicht nur in Boulevard-Blättern. Auch renommierte Zeitungen greifen die Storys begierig auf. Schön ausgeschmückt und ohne Vorurteile. Der Gedanke an Prostitution drängt sich hier nicht auf, auch beim geneigten Leser nicht.

Jugend gilt als Schönheit. Viele Männer, in ein gewisses Alter gekommen, beginnen ein zweites, neues Leben mit einer jungen Frau – weil sie "es sich leisten können". Schmerzlich für all die Frauen, die jahrzehntelang durch dick und dünn mit ihrem Mann gegangen sind. Jedoch nicht besonders erstaunlich für das restliche Umfeld. Vorurteile gelten in diesen Fällen nicht selten den jungen Frauen, denen unterstellt wird, es auf Geld und Status der Männer abgesehen zu haben. Welche junge Frau verliebt sich schließlich in einen älteren Mann?

Wie funktionieren solche Beziehungen?
Was aber unterscheidet die Geschichten von alternden Promis und wohlhabenden Männern von den Sugardaddys aus den Online-Portalen? All diese Gedanken führten durch die Produktion von "Sugardaddy". Natürlich kann man sich entrüsten. Kann den Kopf schütteln über die "Sugardaddys", sie belächeln oder verdammen, weil sie sich an junge Frauen ranmachen. Kann die jungen Frauen kritisieren oder vor ihrem Schicksal retten wollen. Das Phänomen wird man deshalb nicht aus der Welt schaffen. Doch die Filmemacher konnten besser verstehen, wie diese Beziehungen funktionieren.

Sendedaten
In der Nacht auf den 19. April 2016, 1.20 Uhr
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
Themenwoche
Sex & Liebe
17. bis 23. April 2016
ZDFmediathek
Film von Daniel Harrich-Zandberg
(Erstsendung: 9.2.2016)