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Donnerstag, 28. Juli
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Armenien - Ein Land zwischen Resignation und Hoffnung
Armenien, die Kaukasusrepublik an der Grenze zwischen Europa und Asien ist knapp 30.000 km groß, also etwa zwei Drittel so groß wie die Schweiz oder das deutsche Bundesland Brandenburg. Armenien kämpft mit gewaltigen wirtschaftlichen Problemen und viele der drei Millionen Einwohner ums tägliche Überleben.
Über die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze. Viele können nur überleben, weil sie von den mehr als 10 Millionen Auslands-Armeniern unterstützt werden. Der Völkermord von 1915, das Erdbeben von 1988 und zuletzt der immer wieder aufflammende kriegerische Konflikt um Berg-Karabach sind für viele wahrscheinlich die einzigen Begriffe, wenn in den Tagesnachrichten die Rede von Armenien ist.

    Hajastan, wie wir Armenier unser Land nennen – Land der kahlen, rauen Gebirge, über die dunkle Wolkenschatten gleich Herden still dahingleiten, im steten Wechsel begriffene Natur.

    Armenien nirgends lieblich, oft bedrückend, in seinem gleißendsten Licht noch düster wie die skeptisch gerunzelten schwarzen Brauen seiner Einwohner.

    Fast immer dramatisch und meist gewaltig, in der Schönheit wie im Entsetzen über die Ausmaße seines Leids.
So beschreibt Jeghische Tscharenz, einer der größten Dichter Armeniens, seine Heimat.

Ein Land beinahe in Isolation
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Armenien - ein karges Land!
In der Tat ist das christliche Armenien - das Christentum wurde im Jahre 301 zur Staatsreligion - ein Land, dessen Geschichte von brutalen Verfolgungen und von jahrhundertelanger Fremdherrschaft geprägt ist.
Der Völkermord von 1915, bei dem eineinhalb Millionen Armenier von den Türken systematisch verschleppt und getötet wurden, ist zum nationalen Trauma geworden.

Der Weg in die Unabhängigkeit im Jahre 1991 begann mit einem wirtschaftlichen Kollaps. Die einstmals kleinste, aber wirtschaftlich starke Teilrepublik der UdSSR ist heute ein Sanierungsfall.
Die vergangenen 25 Jahre sind auch geprägt von der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Bergregion Berg Karabach.
Der vor Jahren vereinbarte Waffenstillstand wird regelmäßig gebrochen und es kommt beinahe regelmäßig zu schweren Gefechten, die das Land und die Menschen immer wieder aufs Neue stark belasten und prägen.
Die Türkei und Aserbaidschan haben schon längst ihre Grenzen dicht gemacht, auf dem Landweg ist Armenien nur über Georgien oder den Iran erreichbar. Das Land befindet sich also fast in Isolation.

Hilfe zur Selbsthilfe
Armenien wird seit vielen Jahren von Österreich unterstützt. Dabei entstand neben der Migrationsarbeit, der Betreuung alter Menschen auch das erste Förderzentrum für Menschen mit Behinderung in Armenien, das völlig neue Wege in diesem Land aufzeigt - eine Zusammenarbeit der österreichischen mit der armenischen Caritas.

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Emils Aregak am Rande von Armeniens zweitgrößter Stadt Gyumri
In Gyumri, der zweitgrößten Stadt des Landes, entstand auf einer Fläche von fast 30.000 Quadratkilometern ein in Armenien einzigartiges Projekt für Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigung. Möglich gemacht haben es Spenden aus Österreich, Deutschland und der Schweiz und zehntausende Arbeitsstunden von fast hundert Freiwilligen.

'Emils Aregak', was so viel heißt wie 'Emils kleine Sonne', gilt in der Zwischenzeit über Armenien hinaus als Leuchtturmprojekt, für das Emil Nachbaur - Reisebürounternehmer - und seit über vierzig Jahren im Rollstuhl, mit einer großzügigen Spende zum Grundsteinleger und Namensgeber wurde.

Emils kleine Sonne
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Geglückte Symbiose
Zum ersten Mal werden Menschen mit Beeinträchtigung als Menschen angenommen und als Teil der Gesellschaft akzeptiert. Behindert zu sein galt und gilt zum Teil heute noch in Armenien als Schande für die Familie und als Strafe Gottes.

Das neue Tageszentrum ist auch ein Beispiel für eine geglückte Symbiose von Archiktektur und Technik aus Europa und Materialen aus Armenien. So wurde unter anderem eine Photovoltaikanlage installiert - der größten dieser Art in Armenien - eine Anlage, die schon einem Sonnenkraftwerk gleichkommt.

© ORF/Harald HornikLupe
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'Emils kleine Sonne' ist ein Signal für die Menschen in dieser Region, aber auch über die Grenzen hinaus geworden.

Orient oder Okzident?
Regisseur Harald Hornik: "Armenien - das Land verwirrt. Orient oder Okzident. Noch Europa oder schon Asien?

Es ist in der Tat ein rätselhaftes Land - wir haben oft auf unserer Reise Trauer und Resignation erlebt, aber wir haben auch die Hoffnung von Menschen verspürt, die tiefe Not haben und dennoch nicht aufgeben - die oft große Träume von kleinen Dingen haben. Wir haben wie selten zuvor Gastfreundschaft erlebt. Die Menschen haben nichts und geben alles.

Unsere Reise durch Armenien - am ehesten vergleichbar mit einer Achterbahn der Gefühle.

Armenien - ein Land, das sich langsam aus seiner Isolation löst - ein Volk, das sich aber auch seiner Opfermentalität entledigen und versuchen muss, der Hoffnung wieder ein Gesicht zu geben.
"

Der Film "Armenien - Ein Land zwischen Resignation und Hoffnung" von Harald Hornik ist ein Streifzug durch ein Land, das von jahrhundertelanger Fremdherrschaft, Völkermord, Erdbeben und einem wirtschaftlichen Zusammenbruch nach der Auflösung der Sowjetunion geprägt ist. Die Dokumentation ist auch der Versuch, über die Nöte und die Hoffnungen der Menschen in diesem Land zu berichten.

Sendedaten
Sonntag, 14. Februar 2016
um 18.30 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Eine Dokumentation von Harald Hornik, Österreich 2016
Zahlen und Fakten
November 2011 - Grundstückskauf
Grundfläche ca. 30.000 Quadratmeter
Verbaute Fläche: 1.400 Quadratmeter
Baubeginn: Juni 2013
55 Sattelzüge Material aus Vorarlberg nach Armenien (je 4.000 km) innerhalb 2 Jahren
Holzkonstruktion aus Vorarlberger Fichtenholz mit Leimbindern und KLH-Wänden - sehr hohe Erdbebensicherheit
Grundwasserbrunnen mit 100 m Tiefe
Photovoltaikanlage mit bis zu 140.000 KWh pro 30 (= 30 Einfamilienhäuser)Stromüberschuß wird ins öffentliche Netz geliefert
Firstfeier Juni 2014
Offizielle Eröffnung: 26. September 2015
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