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Sonntag, 29. Mai
© ORF/Power of Earth Lupe
Rieseneidechse von Gran Canaria
Die Drachen der Kanaren
Auf der Suche nach der größten Eidechse der Welt
Die Galápagos-Inseln vor der Küste Ecuadors gelten seit den legendären Forschungsreisen Charles Darwins weltweit als "Labor der Evolution", in dem sich durch jahrmillionenlange Isolation endemische Arten und Unterarten entwickelt haben. Noch heute werden in entlegenen Inselregionen und Regenwäldern neue Arten entdeckt, stößt man jedoch außerhalb der Tropen auf eine neue Tierart, gilt alleine meist schon diese Tatsache als Sensation.
Umso mehr, wenn es sich um eine stattliche Echsenart handelt, von der nur wenige Exemplare existieren, und deren Lebensraum eine touristische Hochburg ist - die Kanarischen Inseln. Kurt Mündl portraitiert die "Drachen der Kanaren" und rollt für diesen Film die gesamte Historie dieser einzigartigen "Drachen der Alten Welt" auf - von der Entdeckung im 19. Jahrhundert und der Ausrottung bis zur Wiederentdeckung in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Neu entdeckte Tierart
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Die erst 1999 mit nur 7 Exemplaren (heute 20) entdeckte Rieseneidechse von La Gomera, eines der bedrohtesten Wirbeltiere und seltenste Eidechse der Welt.
Wenn man im 21. Jahrhundert von völlig neu entdeckten Tierarten spricht, lässt das aufhorchen. "Nessi" und "Yeti" waren bis dato ein Flop, und kehrt eine Expedition aus unzugänglichen Regenwäldern zurück, um ihre Neuentdeckungen zu präsentieren, passen diese oft in eine Zündholzschachtel: Meist Spinnen und Insekten, kaum größer als einige Zentimeter. Aber stattliche Wirbeltiere neu zu entdecken, das gilt auch noch heute als Sensation. Noch dazu, wenn der Ort der Entdeckung nicht im Dschungel Amazoniens liegt, sondern in einem Touristenparadies - auf den Kanarischen Inseln. Kurt Mündl, dem vielfach ausgezeichneten österreichischen Universum"-Filmer, ist dieses Kunststück gelungen. In seiner neuesten Produktion "Die Drachen der Kanaren" zeigt er sensationelle Erstfilmungen von jüngst entdeckten Rieseneidechsen in freier Wildbahn. Darunter eine Art, die der Wissenschaft bis 1999 noch völlig unbekannt war.

Abenteuerliche Entdeckungsreisen
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Die, von Oskar Simony am 29. März 1889 auf den kleinen Felsinseln (Roques de Salmor) vor Hierro entdeckte und nach ihn benannte Hierro-Rieseneidechsen.
Für Mündl war es, wie er sagt, "eine verpflichtende Herausforderung, diesen Film zu machen". Denn in gewisser Weise schließt sich bei diesem Thema der Kreis in Österreich: Die erste Rieseneidechse der Welt wurde 1889 von dem österreichischen Forschungspionier Oskar Simony auf der kleinen Kanareninsel El Hierro entdeckt. 114 Jahre später wird abermals eine völlig neu entdeckte Rieseneidechse von einem österreichischen "Universum"-Team auf Film gebannt. "Die Tiere werden auf den Kanaren wie Nationalheiligtümer behandelt. Dementsprechend schwer war es, eine Drehgenehmigung von den spanischen Behörden zu bekommen. Doch wir haben es geschafft - vor BBC oder National Geographic Television", freut sich Kurt Mündl.

Der Bogen seiner Aufsehen erregenden Dokumentation spannt sich von den Mythen und Legenden der Seefahrer, die schon vor 2.000 Jahren über die "Drachen der Kanaren" berichteten, bis hin zum aktuellen Forschungsstand über diese einmaligen Reptilien. In spektakulären Bildern werden auch die beschwerlichen Reisen des Oskar Simony Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt. Noch heute besitzt das Naturhistorische Museum in Wien das erste Exemplar jener Rieseneidechsenart, die Simony 1889 für die Wissenschaft fing. Mündls Film zeigt aber auch, dass die Entdeckung einer Tierart nicht immer zu ihrem Vorteil sein muss: Bereits wenige Jahrzehnte nach dem Sensationsfund durch Simony galt die Rieseneidechse von El Hierro als verschollen oder ausgestorben. Zu viele Wissenschafter und Sammler hatten sich an der kleinen Population bedient.

"Galapagos des Atlantik"
Doch damit ist die Geschichte nicht zu Ende, sondern nimmt einen neuen Anfang: Durch einen unglaublichen Zufall wurde 1974 diese als ausgestorben klassifizierte Art von einem Ziegenhirten wiederentdeckt. Durch diesen Vorfall angeregt, forschte man auf den Kanarischen Inseln intensiver als zuvor. Und tatsächlich kam es im Jahr 1999 zu einer Weltsensation, die durch die internationale Presse ging: Auf der Insel La Gomera wurde eine völlig unbekannte Rieseneidechse entdeckt. Allerdings wurden die Exemplare geheim gehalten. Heute weiß man, dass es nicht mehr als 20 Tiere gibt. Damit gilt diese Art als eines der seltensten Wirbeltiere der Welt und als die bedrohteste Eidechse überhaupt. Mündl zeigt erstmals Freilandaufnahmen von diesen überaus scheuen und bedrohten Tieren.

Männchen der Kanaren-Eidechse von Lanzarote © ORF/Power of EarthLupeSo fremd anmutend wie die Fauna...
Blüten des "Teide-Natternkop" in der großen Caldera "Las Canadas" zu Füßen des 3718m hohen Vulkankegels des "Teide" auf Teneriffa. © ORF/Power of EarthLupe... ist auch die Flora der Kanarischen Inseln

Die Kanarischen Inseln gelten als das Galapagos des Atlantiks, wo man der Evolution beim Erfinden neuer Arten fast zusehen kann. Es gibt auf so gut wie jeder Insel eine eigene Art dieser Rieseneidechsen. So auch auf der größten des Archipels: Auf der Urlauberinsel Gran Canaria hat trotz des Massentourismus eine Rieseneidechse überlebt. Sie wurde ebenfalls erst 1901 für die Wissenschaft entdeckt und gilt heute als größte Eidechse der Welt. Sie kann über einen Meter messen.

Zu den Erstfilmungen, die Kurt Mündl und seinem Team gelangen, zählt auch der gesamte und noch nie gesehene Ablauf des Schlüpfens einer Rieseneidechse aus dem Ei. Neben der Biologie dieser Tiere bietet Mündls Film spannende Spielszenen von den Forschungsreisen Oskar Simonys und von den Ureinwohnern der Kanaren, den so genannten Guanchen, die Eidechsen jagten, da sie ihnen als Nahrung dienten.

Sendedaten
Mittwoch, 10. Februar 2016
um 16.15 Uhr
Wiederholung:
10./11. Februar 2016, 1.35 Uhr
Stereo, 16:9., Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Kurt Mündl, Österreich 2003
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