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Samstag, 25. Juni
© ORF/Gert Baldauf Video
Leben mit vermischten Sinnen
Die Welt der Synästhetiker
Wer Farben "hört" oder Klänge "sieht", galt früher als "krank". Heute sind synästhetische Fähigkeiten interessant für die Hirnforschung und für Künstlerinnen und Künstler Inspirationsquelle.
"Synästhetiker" fühlen sich dadurch ernstgenommen und wagen zunehmend den Schritt in die Öffentlichkeit. Im Film berichten sie u.a. von farbig wahrgenommenen Buchstaben oder von Geruchs- und Tasterlebnissen.

 "Ich sehe den Rhythmus" © ORF/Gert BaldaufLupeAlejandra Pineda de Àvila, Tänzerin
"Wenn zwei Gedanken aufeinander treffen, machen sie eine Farbe." © ORF/Gert BaldaufLupeAlejandro del Valle-Lattanzio, Komponist
"Nektarinen riechen aprikosenfarben" © ORF/Gert BaldaufLupeStefanie Dernedde

Zu Wort kommen u.a. Marc Jaques Mächler, Pflanzenökologe aus Zürich und Autor des Kinderbuches "Wenn die Vögel violett singen" (Zitat: "Ich habe ein Kinderbuch geschrieben, damit Eltern und Kinder Zugang zur Synästhesie finden."); der Psychiater Markus Zedler von der Medizinischen Hochschule Hannover; der Synästhetiker Eckhard Freuwört. Er schildert, dass es für manche Menschen sogar lebensgefährlich werden konnte, sich zu ihrer besonderen Fähigkeit zu bekennen: eine seiner Verwandten wurde nach ihrem Bekenntnis von den Nationalsozialisten ermordet.

 "Manchmal möchte ich 'rosa' sagen und sage 'fis'!" © ORF/Gert BaldaufLupeNobuko Akiyama, Pianistin
"Verknüpfungen verpflanzen das Denken in den ganzen Leib, wie beim Kind vorhanden." © ORF/Gert BaldaufLupeFerdinand Schmatz, Hochschule für Angewandte Kunst Wien
"Ich merke mir Zahlencodes durch Farbenreihen." © ORF/Gert BaldaufLupeJulia Mihaly, Komponistin

Ewald Moser vom Exzellenzzentrum für Hochfeld-Magnetresonanz in Wien und Jürgen Sandkühler vom Zentrum für Hirnforschung, ebenfalls in Wien, schildern die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit.
Christian Meyer vom "Arnold Schönberg Center" erzählt vom Briefwechsel zwischen dem Musiker Schönberg und dem Maler Wassily Kandinsky, in dem Synästhesie ein wiederkehrendes Thema war.
Pit Noack arbeitet an einer eigenen Programmiersprache, in der algorithmische Zahlenfolgen musikalisch interpretiert werden sollen. Vom selben Ansatz geht auch die Medienwissenschafterin Katharina Gsöllpointner bei ihrem Projekt "Digital Synesthesia" aus.
Auf großes Interesse stößt auch die interaktive Installation "EEG-Kiss" von Karen Lancel und Hermen Maat, bei der die Gehirnaktivitäten zweier Küssender gemessen und für ein Publikum anschaulich gemacht werden.

© ORF/Gert Baldauf Lupe
Markus Zedler, Psychiater
Schließlich "übersetzt" der österreichische Haubenkoch Heinz Hanner einen Sauvignon Blanc in ein Dessert, indem er die verschiedenen Geruchselemente des Weines herauslöst und zu neuen Texturen verarbeitet.
So vielfältig und einzigartig Synästhetiker auch empfinden, ein Ergebnis der Synästhesieforschung fasst Markus Zedler zusammen: "Was jetzt zunehmend in den Fokus gerät, sind die zusätzlichen Eigenschaften, die Synästhetiker mit sich bringen: die sozialen Funktionen, wie sie miteinander interagieren; was haben sie, das dazu beiträgt, dass sie z.B. weniger psychisch krank werden als andere? Bei der Synästhesie im Kopf, so stellen wir uns das vor, hat jemand ganz andere Möglichkeiten, auch einmal über die üblichen Gedankenschleifen hinauszudenken."

Sendedaten
Montag, 16. November 2015
um 23.10 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Eine Dokumentation von Gerald Teufel, Österreich 2015
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