Übersicht
TV-Programm
Mittwoch, 29. Juni
© ap
Noch schweigt sie. Die Aussage von Beate Zschäpe könnte maßgeblich zur Wahrheitsfindung im NSU-Prozeß beitragen.
Kampf um die Wahrheit
Der NSU und zu viele Fragen
Zwei Jahre sind seit dem Beginn des NSU-Prozesses vergangen. Auf entscheidende Fragen, wie tief die Verstrickung des Staates und seiner Organe ging oder ob tatsächlich nur drei Menschen den sogenannten NSU gebildet haben, kann das Gericht bis dato keine Antworten geben. Doch es gibt viele Menschen, die sich nicht entmutigen lassen: Menschen, denen die Morde des "NSU" keine Ruhe lassen.
Gerade hat Beate Zschäpes Versuch, ihre Anwältin auszutauschen, das Augenmerk wieder verstärkt auf den "NSU"-Prozess gelenkt. Einen Prozess, auf den sich anfangs viele Hoffnungen stützten. Jetzt - nach über zwei Jahren - mehren sich die Befürchtungen, dass er die Verbrechen des "NSU" nicht wird aufklären können. Mehr noch: Selbst im Bundestag wird mittlerweile die These der Bundesanwaltschaft offen in Frage gestellt, dass lediglich drei Menschen sämtliche dem "NSU" zugeschriebenen Morde, Bombenanschläge und Banküberfälle begangen haben sollen. Zu viele Fragen bleiben offen.

©  Alex Foster Lupe
Journalist Thomas Moser ermittelt zum Mord an der Polizistin Michele Kiesewetter.
In dieser Phase des Stillstands ist eine intensive Gegenbewegung zu spüren: Menschen setzen ihre gesamte Energie daran, die Umstände der Morde weiter aufzuklären. Es sind ganz unterschiedliche Personen: Abgeordnete, Journalisten, Angehörige und Blogger. Der Film "Kampf um die Wahrheit - der NSU und zu viele Fragen" begleitet diese Menschen dokumentarisch, ist dabei, wenn sie ihrer investigativen Arbeit nachgehen, fragt, was sie antreibt und zeigt, wie die Auseinandersetzung mit den Verbrechen sie verändert.

Florian H. wollte aussagen
Als erster Film erzählt "Kampf um die Wahrheit" auch die Geschichte eines Aussteigers aus der rechten Szene, der 2013 unter ungeklärten Umständen in seinem Auto verbrannt ist: Florian H. hatte den "NSU" gegenüber seiner Familie erwähnt, lange bevor dessen Existenz öffentlich wurde. Er hatte seiner Familie von Kontakten zu Beate Zschäpe berichtet und mehreren Menschen gesagt, er wisse, wer die Polizistin Michele Kiesewetter getötet habe. In der Nacht vor seiner Aussage bei der Polizei ist er lebendig in seinem Auto verbrannt. Die unzulänglich durchgeführte Untersuchung ist Gegenstand des baden-württembergischen "NSU"-Untersuchungsausschusses. Im Film erzählen Vater, Mutter und Schwester erstmals von Florian H., von ihren Zweifel an der Polizeiarbeit und von ihrer Trauer.

Zweifel haben sich manifestiert
© Alex Foster Lupe
Waffen vom Bautyp der Waffen mit denen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen wurden
Ein zweiter Schwerpunkt des Filmes liegt auf den Todesumständen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhadt: Hier stimmen Augenzeugenberichte von Feuerwehr und Fotografen nicht mit den offiziellen Ermittlungsakten überein. Die anfänglichen Zweifel einiger Journalisten sind inzwischen auch auf der politischen Ebene handfest geworden. Der Film zeigt die intensive Zusammenarbeit von Mitgliedern des Thüringer Untersuchungsausschusses mit Journalisten und Bloggern, die eines deutlich macht: es gibt in Deutschland eine gar nicht so kleine Basis an Menschen, die intensiv an der Aufklärung der ungelösten Fragen zum "NSU" arbeiten.

Sendedaten
Montag, 6. Juli 2015, 22.25 Uhr

Film von Katja & Clemens Riha
Schwerpunkt
Der NSU-Prozess
Im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht (OLG) sind Beate Zschäpe sowie vier mutmaßliche Unterstützer und Gehilfen der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) angeklagt. Der Hauptangeklagten Zschäpe wirft die Bundesanwaltschaft eine Serie schwerster Verbrechen vor - bei einer Verurteilung gemäß der Anklage würde sie eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten.
Webspecial
Die Kollegen vom BR lassen Vertreter aller am Prozess beteiligten Parteien einzeln und ausführlich zu Wort kommen, fragen nach Einordnung durch fachkundige Beobachter und stellen Meinungen gegenüber.
"NSU"- Opfer
KEINVATERLAND
Semiya Şimşek ist die Tochter des ersten NSU-Mordopfers Enver Simsek. 2013 hat sie den NSU-Prozessauftakt erlebt. Seitdem hat sie ihr Vertrauen in Deutschland verloren.