© ORF/BBC/Bob Pitman
Video online ab 4.9.2017, 23.20 UhrVideo online ab 4.9.2017, 23.20 Uhr
Weddellrobbe und Orca - Nachbarn im ewigen Eis
Orcas - Räuber mit Familiensinn
Seit vor 50 Jahren erstmals ein Orca lebend gefangen werden konnte, hat sich unser Bild von diesem Meeressäuger kontinuierlich und rasant verändert. Schnell wurde klar, dass Orcas nicht jene blutrünstigen Monster sind, die Bezeichnungen wie "Killerwal" oder "Mörderwal" vermuten lassen.
Tatsächlich sind Orcas oder Schwertwale hochintelligente soziale Wesen. Eine der jüngsten Erkenntnisse hat auch erfahrene Meeresbiologen überrascht: Die riesigen Wale aus der Familie der Delfine kümmern sich liebevoll um verletzte und verwaiste Tiere. Die "Universum"-Dokumentation "Orcas - Räuber mit Familiensinn" von Bill Markham (deutsche Bearbeitung: Margarita Pribyl) zeigt die komplexe Sozialstruktur der Orcas und beleuchtet die wahre Natur der Meeresriesen: ihre höchst erfolgreiche Team- und Kommunikationsfähigkeit.

Hohe soziale Intelligenz
© ORF/BBC/Bill Markham Eine sich nähernde Orcaflosse kann schon bedrohlich wirken!
Eine sich nähernde Orcaflosse kann schon bedrohlich wirken!
Der Orca ist das größte Raubtier der Welt. "Killerwal" wird der größte Vertreter aus der Familie der Delfine wegen seiner oft brutalen Jagdmethoden genannt. Doch Orcas sind ausgesprochen soziale Tiere, die vorzugsweise im Team arbeiten - und das äußerst effizient! Ihre soziale Intelligenz zeigt sich allerdings nicht nur bei der gemeinsamen Jagd. Eine Besonderheit der Orcas ist ihre Kommunikation; wie beim Menschen unterscheiden sich die Sprachen und Dialekte der Tiere. Selbst in ein und demselben Gewässer kommunizieren die verschiedenen Familien in unterschiedlichen Sprachen - und jagen zum Teil andere Beutetiere. Welche Jagdstrategien die riesigen Raubtiere verfolgen, hängt ganz von der Umgebung und dem Futterangebot ab. In Neuseeland etwa haben sich die Orcas auf Stechrochen als Beutetiere spezialisiert, an der amerikanischen Westküste kann ein Grauwal zur Beute werden und in der Antarktis sind Seehunde bevorzugte Happen der Orcas. Da jede Gruppe eine andere Jagdstrategie verfolgt, konkurrieren sie nicht untereinander. Als Team sind die Schwertwale jedenfalls unschlagbar.

Schnellstes Säugetier im Wasser
© ORF/BBC/Kathryn Jeffs In der Antarktis lebt die größte Orca-Population
In der Antarktis lebt die größte Orca-Population
Orcas sind weltweit verbreitet, bevorzugen jedoch küstennahe Gewässer. Fast die Hälfte aller Orcas - 25.000 Stück - lebt in der Antarktis, der Rest verteilt sich auf alle Ozeane der Erde. Orcas oder "große Schwertwale" leben zumeist in Gruppenverbänden, sogenannten "Walschulen" oder "Pods". Ein Orca kann bis zu zehn Meter lang werden und drei bis zehn Tonnen wiegen. Er ist zudem das schnellste Säugetier im Wasser: Bis zu 56 km/h kann der Orca erreichen.

© ORF/BBC/Brandon Cole Auch unter Wasser ein beeindruckender Anblick!
Auch unter Wasser ein beeindruckender Anblick!
Killerwale waren als Monster der Meere verschrien, bis im Mai 1964 erstmals ein Orca lebend gefangen werden konnte: Moby Doll. Damit begann die Erforschung der Orcas und Wissenschafter und Wissenschafterinnen in aller Welt widmeten sich der Beobachtung der faszinierenden Tiere: von Vancouver Island in Kanada bis zu den Lofoten in Norwegen, von Neuseeland bis zu den Falklandinseln und an vielen weiteren Schauplätzen. Doch dann kam der Spielfilm "Orca - Der Killerwal" (1977) des US-amerikanischen Regisseurs Michael Anderson, zwei Jahre nach dem Kassenschlager "Der weiße Hai" brachte dieser Tierhorrorfilm nun auch die Orcas in Verruf.

Die BBC-Dokumentation lässt Wissenschafter zu Wort kommen, die in jüngster Zeit wichtige Erkenntnisse über die faszinierenden Schwertwale erlangen konnten: John Durban etwa beobachtet die Orca-Population im Nordwestpazifik, Sam Wasser lässt Spürhund "Tucker" die Standorte der Orcas finden, John Ford setzt sich in Vancouver mit ihrem Sozialverhalten und akustischen Signalen auseinander und in Norwegen beobachtet Heike Vester das Zusammenleben der Orcas mit dem gehandicapten Wal "Stumpy", dessen Überleben nur durch die Hilfe der Orca-Gruppe möglich ist. Das führt zu einer sensationellen Erkenntnis: Orcas besitzen viel Familiensinn und kümmern sich auch um die schwächeren Tiere in der Gruppe.

© ORF/BBC/Bill Markham Orca Trainingsstunde im Loro Parque (Teneriffa).
Orca Trainingsstunde im Loro Parque (Teneriffa).
Das Bild, das man sich früher von Orcas machte, hat sich jedenfalls im Lauf der vergangenen 50 Jahre stark gewandelt: In Archivbildern aus dem Jahr 1964 ist Moby Doll zu sehen, der erste Orca, der in einem Aquarium gezeigt wurde. Moby Doll verendete allerdings nach nur einem Monat in Gefangenschaft - selbst Meeresbiologen hatten damals nur geringes Wissen über diese faszinierenden Meerestiere. Die "Universum"-Dokumentation zeigt, wie sich im Lauf von nur 50 Jahren unser Blick auf diese beeindruckenden Meeresbewohner geändert hat.

Sendedaten
Montag, 4. September 2017
um 23.20 UhrWiederholung:
Dienstag, 5. September 2017
um 14.35 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Bill Markham
(Deutsche Bearbeitung: Margarita Pribyl)
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