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Montag, 23. Oktober
Video ansehen: Johannesburg- Wiedergeburt einer Metropole © mauritius Video
Video ansehen: Johannesburg- Wiedergeburt einer Metropole
Johannesburg 2.0
Südafrikas Metropole erfindet sich neu
Seit einiger Zeit tut sich etwas in Johannesburg - die Stadt verändert sich rasant und will weg von ihrem Image, die gefährlichste Stadt Südafrikas zu sein.
Ein sehr gelungenes Beispiel für diesen Wandel ist der Ponte City Tower. Wo auch immer man unterwegs ist in Johannesburg, immer taucht irgendwann das markante Gebäude auf. Einst galt er als das gefährlichste Hochhaus der Welt, heute soll der Turm das neue Südafrika symbolisieren.

Luxus-Wolkenkratzer für reiche Weiße
Der Ponte City war mal die Top-Adresse von Johannesburg. Das 1976 fertiggestellte Hochhaus wurde konzipiert wie eine kleine Stadt. In den 54 Stockwerken befand sich alles, was man so zum täglichen Leben braucht. Direkt vor seiner Haustür konnte man einkaufen, zum Friseur gehen, den Masseur besuchen, sich in ein gemütliches Café zurück ziehen oder mit Freunden eine Runde Kegeln gehen. Selbst ein Tennisplatz und eine Konzerthalle fanden Platz in dem Gebäude.

Der Ponte Tower ist der erste runde Wolkenkratzer der Welt und das höchste bewohnbare Hochhaus Afrikas. © dpaLupe
Für lange Zeit hatte das organisierte Verbrechen den Betonzylinder fest im Griff. Lupe
In den 90er Jahren dachte man mal kurz darüber nach aus dem Turm ein Gefängnis zu machen. Doch das hätte dem Image der Stadt und des Landes geschadet.Lupe

Das Architektenteam Mannie Feldman, Manfred Hermer und Rodney Grosskopff wollten etwas ganz Besonderes bauen. Sechs der 470 Wohnungen wurden ganz exclusiv gestaltet: Über drei Stockwerke zogen sich die Penthouses, mit Sauna, Weinkeller und Terrassen. Angehörige der weißen Oberschicht waren die ersten Mieter, denn in den 70ern galt das Viertel Hillbrow als eine der schicksten Gegenden von Johannesburg, mit teuren Geschäften, noblen Staßencafes und Nachtclubs - alles nur für Weiße.

Epizentrum der Kriminalität
Der Niedergang begann in den 1980er-Jahren, damals war Hillbrow die kosmopolitischste Gegend überhaupt. Schwarze, Weiße, Indischstämmige und Farbige bevölkerten den weltoffenen Stadtteil. Das passte nicht zur Apartheidsphilosophie und so drehte das Regime einfach den Geldhahn zu. Es gab keine Abwasserentsorgung mehr, keine Müllabfuhr, keine Straßenreinigung, die Leute zogen weg.

Als die Apartheid dann Anfang der 1990er-Jahre zu Ende ging und Präsident Nelson Mandela 1994 anordnete, die Grenzen für Immigranten zu öffnen, zogen Einwanderer in das Hochhaus. Mit ihnen kam die organisierte Kriminalität. Es herrschte Anarchie. Weil die Müllentsorgung nicht funktionierte, warfen die Bewohner den Abfall in den Innenhof, bis er sich fünf Stockwerke hoch stapelte

Ein ganz normales Wohnhaus
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Sicherheitspersonal sorgt rund um die Uhr dafür, dass nicht jeder herein kann.
So wie sich die Kriminalitätsrate in ganz Südafrika verbesserte, ging es auch in Hillbrow wieder bergauf. Heute ist Ponte City fast wieder ein gewöhnliches Wohnhaus. 2011 erstrahlte das Gebäude im neuen Glanz, nachdem es vom Besitzer, der Kempston Group, aufwendig saniert wurde. Die Mieten sind bezahlbar: vom Studio für umgerechnet 130 Euro bis zum Appartement mit drei Schlafzimmern und drei Bädern im 53. Stock für umgerechnet 390 Euro. Und auch die Müllentsorgung klappt wieder.

Sendedaten
Donnerstag, 05. Oktober 2017,
6.00 Uhr

Erstausstrahlung: 14. Juli 2014
Info
Johannesburg erfindet sich neu: zwischen 2007 und 2012 investierte die Stadt rund 130 Millionen Euro in die Infrastruktur, in bessere Straßen und Wege. Auch die hohe Kriminalitätsrate der 4,5-Millionen-Einwohner-Stadt ist deutlich gesunken. So hat sich nach Polizeiangaben in Hillbrow, einem der früher verrufensten Viertel in der Innenstadt, die Zahl schwerer Straftaten von 23 000 Fällen im Jahr 2003 auf rund 12 500 im Jahr 2011 nahezu halbiert.
Video
VideoSeit 2005 hat Mrs. Breedt im Ponte Tower das Sagen. Sie ist die unerbittliche Managerin des Turms.
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