© ORF/Cosmos Factory/Harald Pokieser
Video online ab 12.9.2017, 6.00 UhrVideo online ab 12.9.2017, 6.00 Uhr
Tüpfelhyänen - die klugen Bestien
Hyänen - Die Königinnen der Masai Mara
Mit der Dokumentation "Hyänen - Die Königinnen der Masai Mara" des mehrfach ausgezeichneten "Universum"-Filmers Harald Pokieser folgte ein weiteres "Universum"-Highlight zum 25-Jahr-Jubiläum der erfolgreichen ORF-Naturfilmreihe im Jahr 2012. Pokieser zeichnet in seinem Film ein anderes, völlig neues Bild der Hyänen: Sie sind clever, fürsorglich und haben eine ausgeprägte soziale Intelligenz, kluge Bestien sozusagen. Das macht sie so erfolgreich, dass sie sich auch inmitten der großen Raubkatzen der Savanne behaupten können.
Jeder kennt die großen Jäger der afrikanischen Savanne Löwen und Geparden. Doch einer wird gerne vergessen, die Hyäne. Die königlichen Katzen werden geliebt, die Hyänen hingegen verachtet. Sie gelten als Aasfresser und Gelegenheitsdiebe, hässlich, übelriechend und zu jeder Schandtat bereit. Sie sind nicht so stark wie Löwen und nicht so schnell wie Geparden. Und dennoch: In den Weiten des berühmten Graslandes in Kenia gibt es keine besser organisierte Gemeinschaft als jene der Fleckenhyänen - das zeigen die neuesten Forschungen, die ein jahrzehntelang überliefertes Bild auf den Kopf stellen.

Keine "hinterhältigen Räuber"
© ORF/Cosmos Factory/Harald Pokieser Junge Hyänen - sie bleiben fast vier Jahre lang von der Mutter abhängig
Junge Hyänen - sie bleiben fast vier Jahre lang von der Mutter abhängig
Kay Holekamp, Biologin auf der Michigan State University, studiert das Sozialverhalten von Hyänen seit mehr als 20 Jahren. In ihrem Freiluftlabor, dem Masai-Mara-Nationalpark in Kenia, widerlegten sie und ihre Studenten Schritt für Schritt das alte Klischee vom hinterhältigen Räuber. Die Kamerateams von "Universum"-Filmer Harald Pokieser begleiteten Kay und ihre Hyänen über zwei Monate lang, um zu entdecken, wie schlau, vorsichtig und verblüffend intelligent diese Tiere sind.
Das neue Bild beruht auf zwei grundlegende Erkenntnissen: Hyänen leben in einem komplexen sozialen System, in einem Clan angeführt von einem dominanten Weibchen, und sie sind, gemessen an der vierbeinigen Konkurrenz im Grasland, hochintelligent.

Eigene Sprache der Hyänen innerhalb eines Clans
© ORF/Cosmos Factory/Harald Pokieser Der schnellste Jäger im Grasland: Gepard und Hyäne sind erbitterte Nahrungskonkurrenten
Der schnellste Jäger im Grasland: Gepard und Hyäne sind erbitterte Nahrungskonkurrenten
Die Wissenschafter beobachteten, wie Hyänen innerhalb einer strengen Hierarchie Koalitionen bilden, scheinbar selbstlos handeln und die Gunst der Stunde nutzen, um an Futter oder einen Partner zu kommen. Und: Hyänen haben eine eigene Sprache, ein Arsenal an mitunter unheimlichen Lauten. Damit verständigen sich Mitglieder eines Clans und rufen sich zusammen, wenn es gilt, Konkurrenz aus dem Revier zu vertreiben. Zeitlupenaufnahmen zeigen, wie sich die Hyänen blitzschnell koordinieren, wie selbst eine ausgewachsene Löwin vor den mutigen Kämpfern Reißaus nimmt und wie Geparden ihre Beute ohne Gegenwehr fallenlassen, um ihre Haut zu retten.

Extrem anpassungsfähige Jäger
© ORF/Cosmos Factory/Harald Pokieser Nach den ersten Regenfällen im April wird jede Fahrt der Hyänenforscher zur Expedition.
Nach den ersten Regenfällen im April wird jede Fahrt der Hyänenforscher zur Expedition.
Die Größe des Clans, Jagdverhalten und sogar die Art und Weise, wie Junge aufgezogen werden, hängt vom jeweiligen Lebensraum ab, Hyänen sind extrem flexibel. Einzigartige Aufnahmen zeigen, wie gut sie sich bei der Jagd an ihre Umwelt anpassen. In der Regel jagen Hyänen nachts und in Gruppen, am Nakurusee in Kenia hingegen haben sie sich auf Flamingos spezialisiert und jagen auch tagsüber.
In der Serengeti und Masai Mara wird das Nahrungsangebot durch die legendäre Wanderung der Gnus, Zebras und Antilopen bestimmt. Es gibt praktisch immer Beute, denn diese Wanderung erfolgt in Wellen, einmal strömen Zehntausende Gnus in die weiten Ebenen, dann wieder dominieren Zebras oder Leierantilopen. Für Letztere haben die Hyänen eine besondere Jagdstrategie entwickelt. In der Regel sind die rund 130 Kilogramm schweren Antilopen wachsam und in der Gruppe auch äußerst wehrhaft, aber sie haben einen Schwachpunkt. Mittags liegen sie im Gras und dösen, den Kopf am Boden aufgestützt. Solange das Gras kurz ist, registrieren sie selbst im Schlaf jede Bewegung. Doch wenn der Regen kommt, schießt das Gras in die Höhe, die Sicht ist versperrt und dann kommen die Hyänen. Erstmals wurde gefilmt, wie es die Hyänen schaffen, unbemerkt an die Antilopen heranzukommen und wie diese Jagd abläuft.

© ORF/Cosmos Factory/Harald Pokieser Eine Hyäne namens Gumbie nähert sich dem verschlossenen Käfig, in dem ein Stück Ziegenfleisch liegt.
Eine Hyäne namens Gumbie nähert sich dem verschlossenen Käfig, in dem ein Stück Ziegenfleisch liegt.
Nicht ganz so dramatisch, aber umso verblüffender ist ein Intelligenztest, den Kay Holekamp für ihre Hyänen entwickelt hat. Im Revier des Klans wird ein Eisenkäfig mit einem Stück Ziegenfleisch deponiert, das Tor des Käfigs ist mit einem schweren Riegel verschlossen. Dann nimmt ein Hyänen-Weibchen die Witterung auf. Wie sie an das Problem mit dem Riegel herangeht, beweist, dass Hyänen zu Recht die Königinnen der Masai Mara sind.

Sendedaten
Dienstag, 12. September 2017
um 13.15 Uhr
Wiederholung:
12./13. September 2017, 5.20 Uhr
Dolby Digital 5.1, 16:9, Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Harald Pokieser, Österreich 2012
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