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Video online ab 5.10.2018, 6.00 UhrVideo online ab 5.10.2018, 6.00 Uhr
Der Kamp - mal ganz ruhig, dann wieder über Felsen schießend
Kamp - Ein Fluss für alle Sinne
Wo einst hohe Gebirge aus den Urmeeren emporragten und heute eine sanfte, hügelige Landschaft das nördliche Waldviertel prägen entspringt ein Fluss, der bis zu seiner Mündung in die Donau eine faszinierende Vielfalt an geologischen Gegebenheiten durchfließt: der Kamp. Er bietet die Lebensader für eine breite Palette an Flora und Fauna, aber auch für die Menschen, die hier im Laufe der Zeit eine spezifische Lebenskultur entwickelt haben. Der Film verfolgt den Fluss im Wandel der Jahreszeiten - eine spannende Reise durch ein faszinierendes Tal und seine Geschichte.
Eine Reise von der Quelle bis zur Mündung, durch ungestüme Stromschnellen und stille Seen, durch Hunderte Millionen Jahre Naturgeschichte und Jahrtausende menschlicher Kultur, das ist Alfred Vendls "Universum: Der Kamp - Ein Fluss für alle Sinne".

© ORF/AV Dokumenta Im Unterlauf des Kamp: Weinberge, soweit man blickt
Im Unterlauf des Kamp: Weinberge, soweit man blickt
Der Kamp verläuft durch eines der ältesten durchgehend besiedelten Gebiete Österreichs und besitzt eine dramatische erdkundliche Vergangenheit - sie sind das Geheimnis hinter den landschaftlichen und kulinarischen Reizen zu beiden Seiten dieses "Flusses für alle Sinne". Sich diesem Thema mit allen Schikanen der modernen Naturdokumentation zu nähern, dieses Vorhaben stand am Anfang des Projekts.

Hochklassige Flugaufnahmen im Stil der BBC-Serie "Planet Erde" zeigen mittels Kreiselkompass stabilisiertem "Wescam"-Kamerasystem den gesamten Verlauf des Kamp und dessen einmalige landschaftliche Umrahmung in bisher ungesehener Qualität. Opulente 3-D-Animationen ermöglichen Zeitreisen durch die Jahrmillionen, machen jene dramatischen Vorgänge erlebbar, die das Land rund um den Kamp geformt haben: Gebirgsbildungen, Tsunamis, das Werden und Vergehen der Urmeere und ihrer exotischen Tierwelt. Regisseur Alfred Vendl postierte außerdem Kameras mit avancierter Zeitraffertechnik an den eindrucksvollsten Stellen entlang des Kamps.

Die Auswahl fiel nicht leicht, durchfließt der Kamp doch auf seinen 140 Kilometern Länge Landschaften von betörender Schönheit: Zunächst mäandert der Fluss durch die sanfte Landschaft der abgetragenen Urgesteinsgebirge, durchbricht dann eine beeindruckende Serie verschiedener Gesteinszonen, wird dann auf seinem Weg von Meeresablagerungen begleitet, um schließlich vor der endgültigen Vereinigung mit der Donau Landschaften zu durchfließen, die alle eines gemeinsam haben: Sie bieten bestmögliche Böden für den Weinbau.

© ORF/AV Dokumenta Auf einem Felsen hoch über dem Kamp thront das Renaissanceschloss Rosenburg
Auf einem Felsen hoch über dem Kamp thront das Renaissanceschloss Rosenburg
Alfred Vendl und sein Team experimentierten auch für diesen Film mit völlig neuen visuellen Techniken, um dem Anspruch des Flussporträts "für alle Sinne" gerecht zu werden. Um einen hautnahen Eindruck vom Training der Falkner auf der Rosenburg zu vermitteln, wurde für den Film eine Spezialkamera aus England eingeflogen, die einem Steinadler huckepack aufgeschnallt wurde. So sollte dem Adler gewissermaßen über die Schulter geschaut werden. Die Idee entpuppte sich allerdings als reichlich zeit- und nervenstrapazierend, berichtet Regisseur Vendl: "Der Adler war den "Rucksack" nicht gewohnt. Also verschwand er meistens im nahe gelegenen Wald und musste nach stundenlanger Suche erst wieder überredet werden, doch weiterzufliegen. So entstanden in dreitägiger Arbeit immerhin etwa 30 Sekunden außergewöhnliche Aufnahmen." Der beträchtliche Aufwand lohnte sich dennoch: Aus der subjektiven Sicht eines Adlers war die Rosenburg noch nie zu sehen: Die fliegende Adler-Kamera zeigt das inoffizielle Wahrzeichen des Kamptals aus einer völlig neuen Perspektive.

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Ähnliches gelang auch bei jenen Flussabschnitten, die schwer zugänglich und daher kaum bekannt sind: Wie beim Höllenfall unweit der Quelle, wo sich die Stromschnellen des Kamp ihren Weg durch die Granitblöcke bahnen. Um die Dynamik dieses Naturschauspiels besonders eindringlich zu veranschaulichen, wurde eigens eine spezielle Krankonstruktion errichtet, die es ermöglichte, die Kamera bis knapp über den in die Tiefe stürzenden Fluss zu bewegen und so einen hautnahen Eindruck der tosenden Wassermassen zu vermitteln.

© ORF/AV Dokumenta Die Teiche in der Umgebung werden im Herbst "abgefischt" - vor allem Karpfen gehen hier in die Netze
Die Teiche in der Umgebung werden im Herbst "abgefischt" - vor allem Karpfen gehen hier in die Netze
Der Film folgt dem Verlauf des Kamp von seinem unscheinbaren Ursprung über seine kaum berührten und idyllischen ersten 50 Kilometer, an Stiften und Schlössern, Sommerfrischen und archäologischen Sensationen vorbei - bis zu dem Punkt, wo die Täler von Kamp und Donau aufeinander treffen und die weltbesten Lagen für Riesling und Veltliner geschaffen haben. Als zweiter Handlungsstrang sind die Jahreszeiten und ihre für das Kamptal spezifischen Ausprägungen durch diese sinnliche Filmreise gewoben: Von der eindrucksvollen Atmosphäre beim herbstlichen "Abfischen" in den Teichen rund um Rappottenstein über die Ankunft der Störche auf den Türmen von Stift Zwettl im Frühjahr - bis zu den sommerlichen Vergnügungen auf den Kellerstraßen.

Sendedaten
Freitag, 5. Oktober 2018
um 13.15 Uhr
Wiederholung:
7./8. Oktober 2018, 2.30 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Alfred Vendl, Österreich 2006
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