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Dienstag, 24. Mai
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Schlucht am Traunfall
Traun - Ein Fluss wie ein Kristall
Die Traun ist die zentrale Achse eines vielfältigen Gewässersystems: Tosende Gletscherbäche, Wasserfälle, sechsundsiebzig Seen, zahllose Quellen aller Art, Höhlengewässer, stille Tieflandauen, Tausende Kilometer von Bach- und Flussläufen - all das speist am Ende einen einzigen Fluss.
Diese Vielfalt ist kaum fassbar - und dennoch überschaubar, und zwar buchstäblich: Von einer Anhöhe nördlich der Donau erfasst der Blick an einem klaren Tag die ganze Länge des Flusses, von den wilden, streng geschützten Traunauen im Linzer Stadtgebiet bis zum Dachstein. So wurde der wilde Weg des Wassers vom Dachstein zur Donau zum Erzählstrang. Dieser wurde mit einem zweiten verflochten - dem Weg des Flusses durch die Jahreszeiten. Und dann mit einem dritten - dem Weg der Traun durch ein Jahrtausend ihrer bewegten Geschichte.
Als "Universum" den Auftrag zu dieser Dokumentation gab, ging es zunächst nur um das Thema "Fluss und Wald". Aber schon während der ersten Recherchen wurde den Regisseuren Erich Pröll und Klaus Feichtenberger klar, dass die Traun nicht ein Fluss wie jeder andere ist. Die Traun ist die zentrale Achse eines vielfältigen Gewässersystems: Tosende Gletscherbäche, Wasserfälle, 76 Seen, zahllose Quellen aller Art, Höhlengewässer, stille Tieflandauen, Tausende Kilometer von Bach- und Flussläufen - alles das speist am Ende einen einzigen Fluss.

Erich Pröll, einer der letzten Entdecker Österreichs, hat in so gut wie allen Weltmeeren gefilmt. Die ersten Aufnahmen der riesigen Walhaie, die er im Pazifik gedreht hat, sind längst Legende, ebenso sein Film über das Riff gewordene Wrack der Umbria vor Port Sudan. Für diesen Film, der als Koproduktion von ORF, WDR, NDR-Naturfilm und PRÖLL-Film mit Unterstützung von Land Oberösterreich, CINE STYRIA und dem Landesfischereiverband Oberösterreich realisiert wurde, durfte sich der Linzer wieder einmal im eigenen Vorgarten umtun. Die Hochgebirgserfahrung, die er während seiner Produktion "Alpenseen" erlangt hatte, kam ihm dabei zugute.

Sonnenuntergang am Grundlsee © ORF/Erich Pröll/Jutta WirthLupeSonnenuntergang am Grundlsee
Winter am Offensee © ORF/Erich Pröll/Jutta WirthLupeWinter am Offensee

"Es ist schon eine besondere Herausforderung, am Ufer des Grundlsees, den die Traun durchfließt, bei minus zwölf Grad mit Flossen und Tauchanzug durch den Tiefschnee zu waten, um dann in die Tiefe zu den Seesaiblingen zu tauchen und die Netzfischer von unten zu beobachten oder mit der Unterwasserkamera durch die reißenden Schluchten zu gleiten. Gebiete und Orte zu zeigen, die dem Naturliebhaber üblicherweise verborgen bleiben, das ist die wahre Herausforderung", berichtet Erich Pröll von den Dreharbeiten.

© ORF/Erich Pröll/Jutta Wirth Lupe
Erich Pröll im Unterwassereinsatz beim Traunfall
Wer kennt schon die gewaltigen Flussbauten, die seit dem 17. Jahrhundert für die Schifffahrt auf der Traun errichtet wurden. Sie sind im Rückstau der Kraftwerke sehr gut erhalten; und nur Taucher können sie erleben. Ebenso wie die kapitalen Hechte, die sich in diesen strömungsarmen Bereichen prächtig entwickelt haben. Erich Pröll, der mit seiner 70 Kilogramm schweren Digital Betacam im Unterwassergehäuse auf der Pirsch nach diesen Hechten getaucht ist, hat seine eigene Technik, um an die scheuen Fische auf wenige Zentimeter heranzukommen: "Es sind immer mehrere Tauchgänge notwendig. Zuerst müssen sich die Fische an den Taucher gewöhnen, dann an die Scheinwerfer, die die Fische am Anfang ein wenig irritieren. Erst wenn nach vier oder fünf Tauchtagen für die Hechte keine Bedrohung mehr erkennbar ist, dann schwimmen sie auch neugierig auf die Kamera zu und lassen sich wenige Zentimeter vor der Linse aufnehmen."

Um eine große Schule von Jung-Äschen im klaren Wasser eines Seitenarmes der Traun vor die Optik zu bekommen war es notwendig, die Unterwasserkamera auf einen Kran zu montieren, um in größerer Entfernung agieren zu können. Der schlammige Grund würde vom Taucher sofort aufgewirbelt werden, daher wurde die Kamera unter Wasser aus einiger Entfernung bedient und mit dem Kran auch unter Wasser bewegt.

© ORF/Erich Pröll/Jutta Wirth Lupe
Erich Pröll mit Flößern auf der Traun
Der Toplitzsee ist strengstes Naturschutzgebiet und es besteht absolutes Tauchverbot. Erich Pröll war bereits in den 1980er Jahren mit dem deutschen Wissenschaftler Hans Fricke und seinem Tauchboot am Grund des Toplitzsees. Die bestehenden guten Kontakte zu den Verantwortlichen machten es daher auch möglich, eine Ausnahmegenehmigung für Tauchabstiege zu bekommen. Unmittelbar hinter dem Toplitzsee liegt der kleine Kammersee, und hier ist auch der wichtigste Ursprung der Traun. Hier entstanden besondere Kameraeinstellungen im kristallklaren Wasser der Ursprungsseen der Traun.

"Sehr schwierig erwiesen sich die Iltis-Aufnahmen am zugefrorenen Toplitzsee. Zunächst war es einfach, als sich das Tier durch den Schnee gegraben und nach Beute Ausschau gehalten hat. Doch den Iltis durch die Eisdecke von unten zu filmen, bedurfte besonderer Einstellungen. Viel Geduld, viel frieren und viel Glück - das sind die Zutaten, und dann gelang es, den jagenden Iltis auch durch die Eisdecke zu erwischen", schildert Erich Pröll seine Dreherlebnisse beim Eistauchen.

Das Eistauchen hat seinen besonderen Reiz, es birgt aber auch besondere Gefahren. Man muss das Einstiegsloch wieder finden! Das klingt zwar einfach, ist es aber nicht. Daher wird mit Sicherheitsleine getaucht. Doch für schöne Aufnahmen und Fahrten unter dem Eis ist die Leine hinderlich. Schließlich gelangen dennoch Bilder, die man selten sieht.

© ORF/Erich Pröll/Jutta Wirth Lupe
Eine Lawine ist bis in die Koppentraun abgegangen
Glück ist ein wichtiger Partner für seltene Aufnahmen. Nur ein, zweimal im Jahr "gehen die Liaga". Das sind die Wasser speienden Felslöcher am hinteren Ende des Ausseer Sees. Nur wenn über dem Felsmassiv des Toten Gebirges gewaltige Regenmengen niedergehen, füllt sich der Gebirgsstock wie ein Schwamm mit Wasser und entlässt seine Fracht in gewaltigen Fontänen an der Felswand. Nur wenige Stunden dauert dieses Schauspiel. Tosende Sturzbäche entspringen plötzlich dem Fels und donnern zu Tal. Unvorstellbar, wie es in dieser Zeit im Inneren des Berges aussehen muss. Mit seiner Kamera begleitete Erich Pröll Höhlenforscher, die nach dem Rückgang des Wassers bis tief ins Innere des Berges vordrangen, bis sie durch die glatt geschliffenen Gänge aus dem Bauch des Berges wieder ans Tageslicht gelangten - genau dort, wo vorher das Wasser mit ungeheurer Wucht aus dem Felsen geschossen war.

© ORF/Erich Pröll/Jutta Wirth Lupe
Flößer leiten hängengebliebene Stämme den Fluss hinunter
Auch für Klaus Feichtenberger, der sich in den letzten Jahren beruflich in allen Weltgegenden herumgetrieben hatte, nur nicht in Österreich, war diese Produktion ein willkommener Heimaturlaub. Feichtenberger hat an den schönsten Plätzen der Welt gearbeitet, dennoch sagt er mit Überzeugung: "Dieses Wasserreich, diese elementare Landschaft von Wasser und Fels, bietet Naturschauplätze von Weltrang. Was aber das Salzkammergut einzigartig macht, ist die intime Mischung von ungebändigter Natur und gediegener Kultur. Für die kaiserliche Sommerfrische etwa stand das gesamte Gebiet der Monarchie zur Auswahl. Man entschied sich aber mit gutem Grund für das Salzkammergut, und so kam zur Naturschönheit ein nachhaltiger kultureller Mehrwert."

Sommers und winters wurde nicht nur in den Tiefen kristallklarer Flüsse und Seen gedreht, um das Salzkammergut so zu zeigen, wie es noch keiner gesehen hat. Von den Szenen, die über Wasser entstanden, erzählen viele von der Beziehung der Menschen zu den Gewässern - von Fliegenfischern bis zu historischen Flößern. Der Film selbst wird dabei zum historischen Dokument: Von den alten Wasserbauten, die einst errichtet wurden, um Massen an Holz aus dem Gebirge ins Tal zu transportieren, steht nur noch die Chorinsky-Klause. Für diesen Film wurde sie ein allerletztes Mal in Betrieb genommen: Ein gewaltiger Wasserschwall schwemmte vor laufenden Kameras wie vor hundert Jahren Baumstämme durch die Schluchten.

Sendedaten
Dienstag, 20. Oktober 2015
um 12.10 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Erich Pröll und Klaus Feichtenberger, Österreich 2008
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