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Mai 2013
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Rückblick
50 Jahre Theatertreffen
Wir blicken auf die Geschichte des Festivals zurück, zeigen markante Inszenierungen und prägende Theatermacher und blicken auf die Zeitgeschichte. Das Theatertreffen im Spiegel der Zeit.
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© ORF/Historisches Archiv Lupe
Gefangennahme Russischer Soldaten 1941
Verschleppt und ausgebeutet
Teil 1/4 der Dokumentationsreihe "Kriegsgefangenschaft"
Bis Dezember 1941 wurden fast zwei Millionen Rotarmisten gefangen genommen und als Arbeitssklaven in KZs, Rüstungsfabriken und landwirtschaftlichen Betrieben eingesetzt. Dort trafen sie auf Leidensgenossen aus Polen und Westeuropa. In den folgenden Jahren des "totalen Krieges" wurden Hunderttausende Zivilisten aus der ehemaligen Sowjetunion zur Zwangsarbeit in das Dritte Reich verschleppt, um die Arbeitskraft der zur Wehrmacht eingezogenen Deutschen und Österreicher zu ersetzen. Während der Kriegsjahre war auf dem Gebiet des heutigen Österreich jede dritte Arbeitskraft ein/e Zwangsarbeiter/in. 1944/45 schuftete etwa eine Million Menschen, um das auf Ausbeutung und Versklavung gebaute System nationalsozialistischer Kriegsökonomie bis zum Ende am Leben zu erhalten. Doch das rassenhierarchisch gebaute System der Zwangsarbeit mitsamt Demütigung und Freiheitsentzug setzte nicht erst mit Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion ein, sondern begann bereits viel früher.
"Stellen sie sich vor, Ihre dreizehnjährige Tochter verschwindet spurlos, weder Radio, Fernsehen Zeitungen noch Internet existieren als Suchhilfen. Die Polizei gibt keine Auskunft und droht Ihnen mit demselben Schicksal." Mit diesem Vergleich skizziert Andreas Novak die Deportationsmethoden des NS-Regimes während des Russlandfeldzuges. Schwer traumatisiert und entwurzelt landeten Hunderttausende sowjetische Jugendliche als Zwangsarbeiter in einer völlig fremden Umgebung. "Hier wurde eine ganze Generation um Lebensperspektiven und Zukunftschancen gebracht", so Novak, der mit Wolfgang Stickler den ersten Teil der neuen Serie gestaltet hat.

© ORF/Historisches Archiv Lupe
Polnische Zwangsarbeiterinnen unter Aufsicht der Wehrmacht
"Ich Herr, du Magd". An diese Begrüßung ihres neuen österreichischen Dienstherrn im Jahr 1942 erinnert sich Hanna Trimbutsch noch heute. Damals war sie 16 Jahre alt. "Verschleppt und ausgebeutet" beschäftigt sich mit einem Aspekt nationalsozialistischer Verbrechen, der trotz seiner gewaltigen Dimensionen nur unzureichend im öffentlichen Bewusstsein verankert ist. Während der Kriegsjahre war auf dem Gebiet des heutigen Österreich jede dritte Arbeitskraft ein/e Zwangsarbeiter/in. Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge oder deportierte Zivilisten hatten die durch Masseneinberufungen verloren gegangene Arbeitskraft zu ersetzen. 1944/45 schuftete etwa eine Million Menschen, um das auf Ausbeutung und Versklavung gebaute System nationalsozialistischer Kriegsökonomie bis zum Ende am Leben zu erhalten.

Das rassenhierarchisch gebaute System der Zwangsarbeit mitsamt Demütigung und Freiheitsentzug setzt nicht erst mit Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion ein, der sich 2011 zum siebzigsten Mal jährte, sondern bereits viel früher.

© ORF/Historisches Archiv Lupe
Polnische Juden beim Zwangsarbeitseinsatz
"Geht's auf die Knie und reibt's es ab." Lotte Boneh erinnert sich noch genau an den "Charme" der Wiener im Frühjahr 1938, an den Herrenmenschenrausch unter dem Hakenkreuz. Mit dem "Anschluss" beginnt die Zwangsarbeit in Österreich. Mit den Expansionskriegen entwickelt sich ein System konzentrischer Kreise, das sich unter anderem Richtung Polen, Westeuropa und die Sowjetunion ausdehnt. Jeder Feldzug bringt neben der Eroberung industrieller und agrarischer Ressourcen auch beachtliche menschliche Beute für die deutsche Kriegswirtschaft: insgesamt bis zu zwölf Millionen Kriegsgefangene und Zivilisten. Damit zögert ein ökonomisch längst bankrottes Regime sein Ende höchst opferreich hinaus.

Bau der Staatsbrücke in Salzburg durch Zwangsarbeiter © ORF/Historisches ArchivLupeBau der Staatsbrücke in Salzburg durch Zwangsarbeiter
Hermann Göring, beim Spatenstich Kraftwerk Kaprun Mai 1938 © ORF/ÖNBLupeHermann Göring, beim Spatenstich Kraftwerk Kaprun Mai 1938

Die Dokumentation geht auch der Frage nach, warum Zwangsarbeitern die Rolle der Stimmungs-Aufheller für deutsche und österreichische Kriegsskeptiker aufgezwungen wird. Außerdem berichtet der Film über das auf 2.300 Metern errichtete höchstgelegene Zwangsarbeitslager in Österreich. Die Dreharbeiten sollten zum Spiegelbild einer historischen Realität geraten: Nicht selten war das ORF-Zeitgeschichte-Team mit der verwunderten Frage konfrontiert: "Mein Schicksal interessiert sie wirklich? Bisher hat noch keiner gefragt." So wurden manche Interviews zu einer Art symbolischen Akt für einen stark verspätet bekundeten Respekt vor erlittenem Leid und oft irreparabler Entwurzelung. Nach dem Kriegsende war das Schicksal der Zwangsarbeiter in der öffentlichen Erinnerung recht schnell ausgelöscht. Wie sagte einer von ihnen im TV-Interview: "Wie kann ich verzeihen, wenn mich noch niemals wer um Verzeihung gebeten hat?"

Sendedaten
Samstag, 13./14. April 2013
um 3.30 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Andreas Novak, Österreich 2012
Dokumentationsreihe
© ORF/Privat/Bernadine CummingsDer goldene Westen?
Teil 2/4 der Dokureihe "Kriegsgefangenschaft"
Dokumentationsreihe
© ORF/Robert GoklEndstation Sibirien?
Teil 3/4 der Dokureihe "Kriegsgefangenschaft"
Dokumentationsreihe
© ORF/Brüder BaschHeimkehr
Teil 4/4 der Dokureihe "Kriegsgefangenschaft"
Interview
Ein vergessener Ort des Verbrechens
Das Zwangsarbeiterlager in Graz-Liebenau
(ORF ON Science, Jänner 2012)