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Mai 2013
Wir fahren nach Berlin!
Rückblick
50 Jahre Theatertreffen
Wir blicken auf die Geschichte des Festivals zurück, zeigen markante Inszenierungen und prägende Theatermacher und blicken auf die Zeitgeschichte. Das Theatertreffen im Spiegel der Zeit.
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© ZDF/Bodo Witzke Lupe
Gabriele pflegt ihren dementen Mann Wilfried seit Jahren.
Du bist mein Ein und Alles
Pflege zwischen Liebe und Bankrott
Wilfried kann schon lange nicht mehr sprechen und auch nicht mehr gehen - er ist schwer dement. Seine Frau Gabriele kämpft um möglichst viele Momente des Glücks mit ihrem Mann, die letztlich zählen, und für die sie alles tun will, egal welche Widerstände es gibt.
Es gibt seltene Momente des vollkommenen Glücks, wenn der demente Wilfried B. mit seiner Frau Gabriele "tanzt" zum Beispiel. Dann spürt jeder, wie die beiden sich verstehen, welche Nähe zwischen dem schwer dementen Mann und seiner Frau immer noch da ist. Dabei kann Wilfried schon lange nicht mehr sprechen und auch nicht mehr gehen, geschweige denn richtig tanzen. Aber wenn sich die Hände von Wilfried und Gabriele berühren, während die Musik spielt, dann nimmt er ihre Hand, und führt sie im Rhythmus der Musik und sie lässt sich führen, wie früher.

Diese Momente des Glücks, des gegenseitigen Verstehens, sucht Gabriele B. immer wieder, während sie ihren Mann über Jahre unermüdlich zu Hause pflegt, zusammen mit der Nachbarin Elli. Ohne Humor und Lachen könnten die beiden das nicht machen, da sind sie sich einig, wenn sie abends ihr "Damen-Bier" zusammen trinken, nachdem sie mit ihren jeweils zarten 60 Kilo den unbeweglichen 90-Kilo-Mann ins Bett gehoben haben.

Die beiden Frauen sind hart im Nehmen und müssen es auch sein, weil der große Mann auf Grund seiner besonderen Demenzform manchmal um sich schlägt. Davon lassen sie sich nicht abschrecken. In den Jahren der Pflege spitzt sich die Situation immer wieder zu, aber Gabriele B. findet Lösungen. Das Konto ist dicht, weil sie die laufenden Kosten für Haus und Pflege nicht bezahlen kann, sie hat Angst vor der Zwangsversteigerung des Hauses.

Sie findet eine Geldquelle, aber nur für circa ein Jahr, und danach geht alles wieder von vorne los. Schwer ist die Entscheidung, ob es den Zeitpunkt gibt, an dem sie ihren Mann "natürlich" sterben lässt, weil er aufgehört hat, zu schlucken, oder ob sie sich für eine künstliche Ernährung entscheiden soll. "Er will noch leben, er war ein Kämpfertyp", sagt sie. Sie zeigt das Video, wie er große Werbepartys mit hunderten von Leuten geschmissen hat. In ein Heim will sie ihn nicht geben, denn sie hat schlechte Erfahrung mit Institutionen gemacht. Sie ist sich sicher: "In einem Heim wäre mein Mann schon lange tot. Kein Pflegedienst in Deutschland kann den aktivierenden Pflegeaufwand treiben, den ich treibe."

Drei Jahre lang beobachtete der Filmemacher Bodo Witzke eine ungewöhnliche Frau und ihren dementen Mann. 37 Grad schildert an einem markanten Fall den enormen psychischen und finanziellen Druck auf pflegende Angehörige und zeigt die große Kraft mit der sie sich um Angehörige kümmern. Es ist eine Arbeit und ein Engagement, das die Gesellschaft noch immer unterschätzt, denn sonst gäbe es eine stärkere Unterstützung und Anerkennung von pflegenden Angehörigen.

Sendedaten
In der Nacht zum 9. Januar 2013,
um 0.20 Uhr
Information zur Sendung
Länge: 30 Minuten
Dokumentationsreihe, Deutschland
Info zum Film
Langzeitbeobachtung von Bodo Witzke (Erstsendung: 20.11.2012)