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Mai 2013
3sat thema
Rückblick
Konfliktquelle Wasser
"Wer es hat, wird reich sein, wer es vergeudet ein Dummkopf - und wer es verschmutzt ein Verbrecher", sagte schon der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry über das Wasser. Aber wem gehört das Wasser eigentlich?
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© SRF Lupe
Nicole Dill
In der Gewalt des Mörders
Elf Stunden lang quälte der 41jährige Roland A. seine Freundin aufs Schlimmste. Nicole Dill überlebte den Horror wie durch ein Wunder. Später erfuhr sie von der Kantonspolizei Luzern, dass ihr Freund ein verurteilter Vergewaltiger und Mörder war.
Warum wurde sie von niemandem über seine Vergangenheit informiert, auch dann nicht, als er ihr unheimlich wurde und sie Rat suchte? Nicole Dill schildert, wie sie ihre eigene Ermordung überlebte und zurück ins Leben fand.

"Freundin mit Armbrust verletzt" - Die Schlagzeile in der Neuen Luzerner Zeitung vom 21. September 2007 mutet geradezu harmlos an im Vergleich zu dem, was tags zuvor im luzernischen Rickenbach tatsächlich geschah. Roland A. vergewaltigte seine Freundin, streckte sie mit einer Armbrust nieder, bevor er sie gefesselt und geknebelt in den Kofferraum warf und in einer stundenlangen Irrfahrt durch die Nacht raste.

2010 schrieb Nicole Dill das Buch "Leben!: Wie ich ermordet wurde", das ihr beim Verarbeitungsprozess sehr geholfen hat. Doch die Angst ist auch heute noch ihre tägliche Begleiterin. Monatelang war sie 2007 mit einem Mann zusammen gewesen, von dem sie glaubte, er sei ein offener, charmanter und liebenswerter Mensch. Als sie dessen überschwängliche Zuneigung zu erdrücken begann und sich Nicole Dill mehr Freiraum suchte, begann die Fassade zu bröckeln.

Roland A. stellte ihr nach, folgte ihr an ihren Arbeitsplatz, belästigte sie mit Telefonanrufen und SMS und drohte schliesslich, sich umzubringen, sollte sie ihn verlassen. Beunruhigt wandte sich Nicole Dill an den Hausarzt ihres Freundes. Dieser schaltete - im Wissen über die mörderische Vergangenheit von Roland A. - die Polizei ein, welche Kontakt mit Nicole Dill aufnahm. Der Rat: Sie solle die Nummer 117 anrufen, falls es Probleme gebe. Als Nicole Dill sich schließlich von ihrem Freund trennte, löste sie die schlimmsten Stunden ihres Lebens aus.

Weshalb hatte niemand Nicole Dill über die Gefährlichkeit ihres Freundes informiert? Warum war Roland A. überhaupt auf freiem Fuß? Man habe die Gefährlichkeit von Roland A. 1993 bei der ersten Vergewaltigung und dem Mord nicht richtig erkannt, sagt Strafrechtsprofessor Christian Schwarzenegger im Film. Roland A. wurde 2001 vorzeitig aus dem Strafvollzug entlassen.

Während seiner vierjährigen Probezeit wurde er erneut straffällig und wegen Drohung gegenüber einer ehemaligen Vorgesetzten zu einer Buße von 500 Franken verurteilt. Die Behörden verzichteten jedoch auf eine Rückversetzung in den Strafvollzug. "Man hat ihn behandelt, wie jemanden, der auf gutem Weg ist", fasst Schwarzenegger zusammen.

Doch das war Roland A. bei weitem nicht. Im Herbst 2006 - nach Ablauf der Probezeit - wurde er erneut straffällig. Eine Frau zeigte ihn wegen Drohung und Nötigung an. Roland A. kam für sechs Wochen in Untersuchungshaft. Der zuständige Amtstatthalter gab ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Diesmal an Gerichtspsychiater Andreas Frei. Dieser kam zu einem ganz anderen Schluss als seine Kollegen in den 1990er-Jahren: Frei erachtete Roland A. als hochgefährlich und riet der Justiz, den Mann weiterhin engmaschig zu überwachen. Mitte Oktober 2006 wurde Roland A. unter strengen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen. Zwei Wochen später lernte er Nicole Dill kennen.

Neben Nicole Dill kommt im Film unter anderem jener Kriminalpolizist zu Wort, der es bereits beim Verbrechen von 1993 mit Roland A. zu tun hatte. Am 20. September 2007 musste er abermals wegen Roland A. ausrücken. Und zum ersten Mal äussern sich der verantwortliche Oberstaatsanwalt des Kantons Luzern, Daniel Burri, sowie der Gerichtspsychiater Andreas Frei zum Fall. Der Täter musste für sein Verbrechen an Nicole Dill nicht büßen. Roland A. nahm sich am Tag nach seiner Verhaftung das Leben.

Sendedaten
17. September 2012, 23.10 Uhr
Kriminalfälle
Schweizer Verbrechen 2012 im Visier
Info
Film von Fiona Strebel
(Erstsendung: 25.07.2012)
Über die Sendereihe
"DOK" beschränkt sich nicht auf einen Themenkreis, sondern erzählt Geschichten, vielseitig wie das Leben.