Übersicht
Archiv & Vorschau
Oktober 2014
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
© ORF/Gernot Gleiss Lupe
Ringer versammeln sich vor dem Kampf bei Naadam-Fest
In der Mitte ein Feuer
"Mein Volk geht ja zu Ende, doch wir wollen wenigstens die Gehspuren eines Volkes hinterlassen", sagt Galsan Tschinag am Beginn des Filmes "In der Mitte ein Feuer", der das Leben der tuwinischen Nomaden in der Westmongolei und die Entstehung des gleichnamigen Buches des Fotografen Gernot Gleiss und des tuwinischen Schriftstellers Galsan Tschinag dokumentiert.
Galsan Tschinag, der große Schamane und Anführer der Tuwiner (oder Tuwa), hat seinem Volk, das bis vor wenigen Jahrzehnten keine Schrift hatte und dessen Geschichte nie aufgezeichnet wurde, eine Stimme gegeben. In seinen über dreißig Büchern erzählt er vom Überlebenskampf und den Traditionen seines Volkes.

Unbeschwerte Kindheit im Hohen Altai © ORF/Gernot GleissLupeUnbeschwerte Kindheit im Hohen Altai
Pferderennen beim Naadam-Fest © ORF/Gernot GleissLupePferderennen beim Naadam-Fest
Tuwinischer Ringkampf © ORF/Gernot GleissLupeTuwinischer Ringkampf

Etwa 5000 Tuwiner leben heute noch im äußersten Westen der Mongolei, nahe der Grenze zu China und Russland. Doch seit vor etwa 100 Jahren Kasachen aus dem Westen in das Siedlungsgebiet der Tuwiner eingewandert sind, schwindet ihr Lebensraum zusehends.

Führer und Chronist seines Volkes
© ORF/Gernot Gleiss Lupe
Kamelherde am Weißen Fluss
Galsan Tschinag, der seine Werke hauptsächlich in deutscher Sprache verfasst und als deutschsprachiger Autor schon mit zahlreichen Preisen geehrt worden ist, ist ein längst anerkannter Führer seines kleinen Volkes. Die große Karawane, die er im Sommer 1995 mit - wie der Häuptling einmal vor einem Publikum augenzwinkernd erzählt hat - 140 Kamelen, 300 Pferden, 30 Hunden, 16 Hühnern, einer Katze, einer Limousine, fünf Lastwagen und 150 Menschen durchgeführt hat, stellte den Gipfel seiner jahrelangen Aktivitäten im Dienste Erniedrigter und Benachteiligter dar. Die Karawane, innerhalb eines Sommers über 2000 km gezogen, brachte die in der Fremde Darbenden in ihre angestammte Heimat im Hohen Altai zurück, und damit kam ein auseinandergesprengtes Volk nach vielen Jahren der Trennung endlich wieder zusammen.

Einblick in Alltag eines schwindenden Volkes
Für das Buch "In der Mitte ein Feuer" hat Galsan Tschinag erstmals die Geschichte der Tuwiner, dieses kleinen Turkvolkes zusammengefasst. Gemeinsam mit dem Fotografen Gernot Gleiss, der drei Wochen bei Galsan Tschinag und den Tuwinern im Hohen Altai verbracht hat, gibt er Einblicke in den Alltag, die Sitten und Gebräuche der Nomaden, deren althergebrachte Lebensweise zu schwinden droht. Denn die Tuwiner können, sagt Galsan Tschinag, dem Druck der modernen Zeit nicht mehr standhalten.

Motive aus dem gleichnamigen Buch:
Bogenschütze beim Naadam-Fest © ORF/Gernot GleissLupeBogenschütze beim Naadam-Fest
Tuwiner am Naadam-Fest © ORF/Gernot GleissLupeTuwiner am Naadam-Fest
Ringer vor dem Kampf © ORF/Gernot GleissLupeRinger vor dem Kampf

Gernot Gleiss wird auf seiner Reise in den Hohen Altai begleitet, der Film zeigt, wie der Fotograf behutsam das Leben der Tuwiner mit seiner Kamera festhält: Kinder, die große Ziegenherden zusammentreiben, die Arbeiten in der Jurte - wie zum Beispiel die Herstellung vergorener Stutenmilch - die Schlachtung und Zubereitung eines Hammels nach alter Tradition, die Einweihung eines neuen Owoo oder, als Höhepunkt, das Naadam Fest mit den drei Disziplinen Ringkampf, Bogenschießen und Pferderennen.

© ORF/Gernot Gleiss Lupe
Der alte Dondok ist berühmt für seine Lederwaren - sein Wissen gibt er an die nächste Generation weiter
Der Film lässt den Betrachter für kurze Zeit in die Lebenswelt der Nomaden eintauchen. Eine Lebenswelt, die sich schon bald nachhaltig verändern wird. "In der Mitte ein Feuer" ist somit auch eine einzigartige Momentaufnahme eines Volkes, das an einem Wendepunkt in seiner Geschichte angelangt ist. Oder, wie Galsan Tschinag schreibt: "Das krummbeinige, milchsäurige und wundergläubige Nomadentum in der kahl-kargen asiatischen Steppe ist deine unwiederfindbare im Zeitenstaub versunkene Kindheit, greises Europa! Deine Altersbeschwerden stehen dem Nomadentum noch bevor."

Sendedaten
Mittwoch, 23. April 2014
um 14.45 Uhr
Wiederholung:
Mittwoch, 23./24. April 2014, 2.10 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Gernot Stadler,Österreich 2012
Buch- und DVD-Tipp
© ORF/Verlag G2LupeIn der Mitte ein Feuer
Herausgeber und Fotos: Gernot Gleiss
Texte: Galsan Tschinag
Beiliegende DVD: Gernot Stadler

Verlag G2, Klagenfurt 2012
ISBN: 978-3-200-02558-5
Kulturzeit
Mongolisches Feuer
Kulturzeitbeitrag über die Entstehung von Buch und Film "In der Mitte ein Feuer"
Links