© ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod.
Video online ab 15.9.2018, 6.00 UhrVideo online ab 15.9.2018, 6.00 Uhr
Der Wiener Stephansdom in der Abendstimmung
Der steinerne Zeuge
Der Stephansdom erzählt Geschichte
Der Wiener Stephansdom ist in vielerlei Hinsicht anders als andere Kathedralen in Europa. Erst 1136 wurde das Bauwerk urkundlich erwähnt, also viel später als vergleichbare Dome. Es war die Zeit der Kreuzzüge, Wien war damals ein Fischerdorf an der Donau, und genau dort wurde eine - für die damalige Zeit - mächtige Kirche gebaut. Warum eigentlich?
Ausgehend von dieser Gründungszeit beleuchtet Regisseur und Kameramann Ronald P. Vaughan in einer neuen 3sat-Dokumentation den Stephansdom. Erstmals wird die bewegte Geschichte mit vielen Bauphasen in einem Film aufgerollt - mit atemberaubenden Kranperspektiven aus 100 Metern Höhe, Originalplänen, animierten Laserscans, alten Wochenschaubildern, kurzen Spielszenen und faszinierenden Lichtstimmungen im Dom. "Dazu hat uns das strahlend schöne Herbstwetter buchstäblich der Himmel geschickt", meint Ronald P. Vaughan.

Der steinerne Zeuge selbst bleibt stumm, ist aber dennoch beredt: der Geschichtenerzähler mit der Stimme von Peter Simonischek denkt sich in die Erinnerungen des Wiener Wahrzeichens hinein und vermittelt seine Bedeutung in der Kaiserstadt und Donaumetropole für das Land und für die Kirche.

Bischof von Passau erster Hausherr
Ausgangspunkt ist der sogenannte Tauschvertrag von Mautern aus dem Jahr 1137: Der Babenberger Markgraf Leopold IV. tauschte mit dem Bischof von Passau den Baugrund, auf dem heute der Dom steht, gegen Weingärten und Jagdgebiete in der Umgebung ein. Somit war der Bischof von Passau der "Hausherr" in der größten Kirche der östlichen Grenzregion des deutschen Reiches, aus der dann Österreich entstand.

Wiener Stephansdom (Luftaufnahme) mit Blick auf das bunte Dach. Es ist mit rund 230.000 Dachziegeln in insgesamt zehn Farbtönen bedeckt, die in einem Zickzackmuster angeordnet wurden © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Bunte Dachziegel
Der Wetterhahn ("Wächter gegen den Teufel") auf dem Chordach © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Wetterhahn
Dach-Nordseite mit den Wappen der Stadt Wien und der Republik Österreich, darunter die Jahreszahl 1950 © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Dach mit Wappen

Rund 330 Jahre wurde an Sankt Stephan in Wien gebaut, immer wieder wurde erweitert. Es ist eine kirchenhistorische Einzigartigkeit, dass Wien erst zum Bischofssitz erhoben wurde, als der Dom in der heutigen Form schon nahezu vollendet war. Der heutige Dom wurde also ursprünglich als gewaltige, aber doch nur einfache Kirche erbaut. Und doch war sie von Anfang an Ausdruck von Macht und politischem Gestaltungswillen.

Grabsteine - der Grabstein vom Hofdiener Fähnrich Leo Notthaft von Weissenstein (gestorben 1566) , rechts daneben Joseph Othmar Kardinal  © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Grabplatten
Altäre: Der Katharinenaltar (vorne) und Der Alte Frauenaltar - Maria in der Sonne (im Hintergrund)  © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Altäre

Die weltlichen Herrscher, die den Kirchenbau prägten, waren zunächst schlichte Markgrafen, später dann Herzöge. Erst mit dem Habsburger Friedrich III wurde schließlich ein Kaiser zum Bauherren über den repräsentativen Sakralbau. Ihnen allen gemeinsam war das Exklusivrecht, den Dom durch das Riesentor betreten zu dürfen.

Das Riesentor stammt noch aus romanischer Zeit, in der Mitte ist Christus Pantokrator (Christus als Weltenherrscher) dargestellt  © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Riesentor
Seitenschiff rechts  © ORF/Ronald P. Vaughan Filmprod. Seitenschiff rechts

Heute betreten jährlich rund sieben Millionen Menschen den Stephansdom durch dieses Portal, Wiener, aber vor allem auch Touristen aus aller Welt. Sie bewundern seine einzigartige Ausstrahlung - ob sie nun gläubige Katholiken sind oder nicht.

Diese Dokumentation analysiert auch die ursprüngliche Farbenpracht des Riesentors und verfolgt die Arbeit einer Österreichischen Firma, die das Wahrzeichen mittels Lasertechnik ganz exakt vermisst. Diese Vermessung erfolgt zugleich als Grundlage für eine dauerhafte Absicherung des Baubestandes. Denn permanent wird an den steinernen Details des Domes restauriert. Ohne ein Baugerüst an irgendeiner Stelle kennen ihn die Wiener gar nicht, den "Steffl".

Buchtipps:
  • Reinhard H. Gruber, Christoph Böhler
    Der Wiener Stephansdom: Porträt eines Wahrzeichens
    Tyrolia-Verlag, September 2011
  • Gabriele Hasmann
    Die geheime Geschichte von Österreichs Kulturdenkmälern: Band 1: Der Stephansdom
    Pichler-Verlag, Mai 2011
  • Karin Domany und Johann Hisch
    Der Stephansdom: Orientierung und Symbolik
    Wiener Dom-Verlag, Oktober 2010
  • Der Dombau von St. Stephan: Die Originalpläne aus dem Mittelalter
    Katalog anlässlich der gleichnamigen Ausstellung
    im Wien Museum Karlsplatz, Wien, 11. März - 21. Aug. 2011
    Metro-Verlag Wien, März 2011

Sendedaten
Samstag, 15. September 2018
um 9.55 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Roswitha und Ronald Vaughan, Österreich 2011
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