© ORF/Science Vision/Rita Schlamberger
Video online ab 6.9.2017, 6.00 UhrVideo online ab 6.9.2017, 6.00 Uhr
Skrcko Lake im Durmitorgebirge
Wilder Balkan
Es gibt nur noch wenige Orte auf der Erde, die uns verborgen geblieben sind. Diese Dokumentation präsentiert eine Region der extremen Gegensätze: tiefe, unberührte Schluchten, die sich mit weiten offenen Sanddünen abwechseln, dichte Wälder und große Seen, bizarre Karstgebirge und ein riesiges Flussdelta. Hier findet man noch ein Europa, das anderswo bereits verschwunden ist.
Tiefe Schluchten, weite Sümpfe, dichte Wälder - wild und ursprünglich ist der Südosten der Alten Welt. Ein Land wie aus Tolkiens "Herr der Ringe". Orks und Elben gibt es hier nicht, aber Wölfe und Bären. Der Balkan ist Europas Mittelerde. Jahrtausende hindurch prägte die Fratze des Krieges den Balkan. Erst seit kurzem kommt das Pulverfass Europas zur Ruhe. Die gewalttätige Geschichte des Balkans verstellt den Blick auf den Schatz dieses Landes. Kein verfluchter Ring der Macht wie im mythischen Mittelerde, sondern funkelnde Naturjuwele, versteckt von den Wirren der Geschichte.

Touristisches Niemandsland
© ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger Sandsteinpyramiden bei Melnik
Sandsteinpyramiden bei Melnik
Gemeinsam mit seinem bewährten Team erforscht Regisseur und Kameramann Michael Schlamberger für diese Universum-Produktion die Balkanhalbinsel. Es wurde ein ungewöhnliche Reise zu den sechs Schätzen des wilden Balkans, durch kaum bekannte Landschaften und einer schwer zugänglichen Wildnis, die man in Europa nicht mehr vermuten würde: "Die oft belächelte wirtschaftliche Rückständigkeit und politische Isolation mancher Regionen ließ hier einen ökologischen Schatz entstehen, der einmalig in Europa ist", erzählt Michael Schlamberger und zeigt sich besonders beeindruckt von der unberührten Wildnis und landschaftlichen Vielfalt Montenegros: "Nördlich von Podgorica beginnt das touristische Niemandsland. Atemberaubend schön, wild und menschenleer. Für mich waren die meisten Gebiete, die wir bereist haben, "terra incognita". Ich konnte mir kaum vorstellen, dass es solch unentdeckte Naturschönheiten in Europa noch gibt."

Die Universum Dokumentation "Wilder Balkan" führt zu den sechs Schätzen des Balkans - sechs eindrucksvolle Porträts einzigartiger Naturlandschaften, die ein bisher unbekanntes Gesicht dieser Halbinsel zeigen.

Die tiefe Schlucht
© ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger Tara Canyon
Tara Canyon
Die Reise beginnt in Montenegro. Hier in der steinernen Wildnis der "Schwarzen Berge" finden sich einige der letzten Urwälder Europas. Bären, Wölfe und Luchse konnten hier in den unzugänglichen Wäldern überleben und Fischotter jagen durch glasklare türkisblaue Gebirgsflüsse. Die Tara oder "Träne Europas", wie Einheimische den längsten Fluss Montenegros nennen, hat eine 1300 Meter tiefe Schlucht ins Durmitor-Gebirge gegraben und den längsten und tiefsten Canyon Europas geschaffen. Er ist nach dem Grand Canyon des Colorado Rivers die zweitgrößte Schlucht der Welt. Die wilde Schlucht stellte eine besondere Herausforderung für das Filmteam dar, denn sie ist kaum zugänglich. "Der Großteil der Tara-Schlucht mit ihren steil abfallenden bewaldeten Hängen ist nur mit dem Raftingboot erreichbar. Wir sind einen ganzen Tag im Wildwasser flussabwärts gefahren, ohne auch nur den Ansatz von Zivilisation zu sehen", erinnert sich Schlamberger, "es war ein überwältigendes Erlebnis, derart unberührte Natur mitten auf unserem Kontinent zu durchqueren, so als wäre man der erste Entdecker hier."

Braunbär  © ORF/Science Vision/Rita Schlamberger Braunbär
Wolfsrudel  © ORF/Science Vision/Rita Schlamberger Wolfsrudel

Weit über 1000 Meter oberhalb des Tara-Flusses liegt ein Hochplateau - scheinbar das Ende der Welt. Unwirtlich, öde, abgeschieden und menschenleer. Hier traf das Filmteam auf eine ganz besondere Frau. Stana Cerovic ist eine der letzten "Virginas". Virginas nennen die Einheimischen jene Frauen, die die Rolle der Männer übernehmen müssen, weil die Männer ihre Heimat auf Suche nach Lohnarbeit längst verlassen haben. Stana ist geblieben. Und mit ihr Haus und Tiere. Und der tägliche Kampf ums Überleben. Stana lebte und wohnte nie woanders. Das Hochplateau war immer ihre Heimat. Die karge Vegetation reicht gerade einmal für fünf Kühe. Stana ist mit einem uralten Karabiner bewaffnet und lebt in ständiger Angst vor Wölfen, die in ihrer Welt eine stete Bedrohung für das Vieh sind.

Der verwunschene Sumpf
© ORF/ScienceVision/Rita Schlamberger Seefrösche
Seefrösche
Manche Landschaften des wilden Balkans sehen zwar nicht wild aus, haben dafür aber eine wilde Vergangenheit. An der Mündung der Drau in die Donau liegt ein einmaliges Naturjuwel: das Kopacki Rit. Es ist eines der größten Sumpfgebiete in Europa. Aber die heile Welt vom Kopacki Rit war nicht immer so unberührt. Während des Kroatienkrieges 1991 waren weite Teile des Gebietes vermint. Da genaue Aufzeichnungen über die verlegten Minen fehlen, weiß heute niemand, wie viele Sprengkörper in den Auen verborgen sind. Der Mensch hat sich so den Zutritt zu dem Naturparadies selbst verwehrt. Durch diesen unerwarteten Schutz können sich die Natur und ihre Tierwelt heute ungehindert entfalten.

Die kargen Höhen
© ORF/Science Vision/Rita Schlamberger Ein Wespenbussard füttert Junges
Ein Wespenbussard füttert Junges
Im Grenzgebiet zwischen Mazedonien und Griechenland liegt Tikves, eine gebirgige Hochebene, abweisend, karg, von Menschen kaum bewohnt. Kaum vorstellbar, dass doch jemand in dieser Gegend ideale Lebensbedingungen vorfindet. Tikves ist die letzte Bastion der Gänsegeier. Bis vor hundert Jahren am Balkan stark verbreitet, gibt es heute nur noch wenige Brutpaare. Giftköder und der Rückgang der Weidetierhaltung haben den Aasfressern beinahe den Garaus gemacht. Um die Geier hier filmen zu können, wurden schon im Winter mit Hilfe einheimischer Hirten Tarnverstecke aufgebaut, aus denen im Frühjahr die Geier beobachtet und gefilmt werden sollten. Die Dreharbeiten verlangten dem Filmteam alle Geduld ab, denn es musste mehrere Wochen lang jeden Tag 16 Stunden bewegungslos in einem engen Unterstand verbringen, um die Aufnahmen dieser scheuen Tiere schließlich in den Kasten zu bekommen.

Der große See
© ORF/Science Vision/Rita Schlamberger Skuteri See
Skuteri See
Der Skuteri See liegt im Grenzgebiet zwischen Montenegro und Albanien. Es ist einer der letzten Süßwassersümpfe im Mittelmeerraum und der größte See auf dem Balkan. Auf den unzähligen Inseln, die im See verstreut sind, stehen Klosteranlagen, Festungen und Gefängnisse. Sie geben heute noch Zeugnis von der einstigen kulturellen und strategischen Bedeutung dieses Wasserlabyrinths. Der Skuteri-See ist aber auch ein großes Vogelreservat in Europa und hat alles, was ein Brutgebiet so braucht: ausgedehnte Pflanzenteppiche und dichte Ufervegetation. Endlose Flächen von Seerosen dienen riesigen Seeschwalbenkolonien als Unterlage für den Nestbau, denn auf den schwimmenden Inseln sind sie vor Feinden optimal geschützt. Wenn im Frühsommer Tausende dieser rastlosen Langstreckenflieger mit ihrem Nachwuchs beschäftigt sind, ist es kaum zu glauben, dass man bei so viel lärmender Betriebsamkeit auch Ruhe und Einsamkeit finden kann. Versteckt auf einer winzig kleinen Insel liegt ein gut erhaltenes Kloster aus den Jahren um 1420. Hier lebt ein Mönch, allein mit sich und seinem Gott. Eine einsame Bastion zur Verteidigung des Glaubens an eine bessere Welt.

Sendedaten
Mittwoch, 6. September 2017
um 17.00 Uhr
DDS 5.1, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Michael Schlamberger, Österreich 2009
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