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Samstag, 10. Dezember
© ORF/Cosmos Factory/Tomas Hulik Video
Miloš und die Luchse
Die "Universum"-Dokumentation "Miloš und die Luchse" von Tomas Hulík und Harald Pokieser präsentiert die ebenso faszinierende wie unterhaltsame Geschichte einer hart erkämpften Freundschaft. Die Hauptdarsteller sind sehr unterschiedlich: auf der einen Seite Miloš Majda, ein ruhiger Naturbursche und Wildhüter des slowakischen Malá-Fatra-Nationalparks, auf der anderen zwei lebhafte junge Luchse namens Muro und Lisa.
Die beiden Jungen sind Bruder und Schwester und stammen aus dem Zoo der tschechischen Stadt Ostrava. Miloš Majda nimmt die kleinen Katzen in seine Obhut. Er hat eine Idee und ein Ziel: Muro und Lisa sollen mit Miloš' Hilfe eines Tages in die Heimat ihrer Vorfahren zurückkehren - in die Wälder der Malá Fatra im Norden der Slowakei. Zwei Jahre lang haben Miloš Majda und der Biologe und Tierfilmer Tomas Hulík den Weg der beiden Luchse zurück in die Wildnis verfolgt.

Alles andere als zahme Katzen
© ORF/Cosmos Factory/Tomas Hulik Lupe
Schon vor den winzigen Luchsbabys war die Inneneinrichtung nicht sicher - so friedlich sieht man sie selten
Der Luchs - Europas einzige große Raubkatze ist vom Aussterben bedroht. Zahlreiche Versuche, den scheuen Einzelgänger wieder anzusiedeln, sind gescheitert. In den weiten Wäldern der Hohen Tatra und der Karpaten sieht ihre Zukunft jedoch gut aus: Hier finden Luchse noch große, unberührte Jagdreviere und reichlich Verstecke. Schauplatz des Abenteuers von Miloš und den Luchsen ist ein urtümliches Naturparadies: Wölfe und Braunbären, Steinadler und Luchse haben in der Malá Fatra ihre Heimat.

Inmitten der schroffen Berge und dichten Wälder steht eine einsame Blockhütte das neue Zuhause für die kleinen Luchse. Dass diese alles andere als zahme Katzen sind, zeigt sich gleich zu Beginn des Projekts die kleinen Rabauken zerstören mit Hingabe die Einrichtung der Hütte. Direkt vor dem Fenster hat ihr Ziehvater Miloš ein Gehege gebaut, damit Muro und Lisa zwar an die frische Luft gelangen, aber nicht in den Wald entwischen können. Neugierig betrachten und wittern die jungen Raubkatzen ihre Umgebung. Die Wochen vergehen, die Luchse werden größer.

Immer auf Distanz zu seinen Schützlingen
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Auch andere Tierbabys müssen vor den halbwüchsigen Luchsen in Schutz genommen werden
Miloš achtet darauf, seine Schützlinge nicht zu sehr an seine Person zu gewöhnen immerhin sollen die jungen Raubkatzen ausgewildert werden. Die Distanzierung hat Erfolg: Wenn Miloš "seine" Luchse füttern will, muss er Muro und Lisa vorher in einem Nebenraum einsperren, damit er das Fleisch deponieren und sich in Sicherheit bringen kann. Bei der Gier und Wildheit, mit der sich die halbstarken Luchse auf das Futter stürzen, könnte er nur allzu leicht verletzt werden. Nach einigen Monaten sind Muro und Lisa bereit für den nächsten Schritt: Miloš öffnet das Gehege. Doch er lässt immer nur einen von beiden ins Freie. Die Bindung zwischen den Luchsgeschwistern sorgt dafür, dass keiner von beiden flüchtet, solange der andere im Gehege oder in der Hütte zurückbleibt.

Langsame Auswilderung
© ORF/Cosmos Factory/Tomas Hulik Lupe
Immer öfter und länger verschwinden die Luchse im Wald
Bald beginnen Muro und Lisa die unmittelbare Umgebung der Hütte zu erkunden. Sie versuchen vorerst mit mäßigem Erfolg, Mäuse und Vögel zu fangen und auf Bäume zu klettern. Eine wichtige Rolle in dieser Lebensphase spielt die Hündin Lila, ein Schäfermischling, den Miloš aus dem Tierheim geholt hat. Nun hilft Lila den unerfahrenen Luchsen, ihre Umwelt zu erkunden und jene Fähigkeiten zu entwickeln und zu trainieren, die diese für ihr künftiges Leben in der Wildnis brauchen werden. "Wir hatten mit der Zeit immer größere Probleme, sie vom Wald wieder zur Hütte zurück zu locken", erinnert sich Miloš Majda. "Ohne unsere Hündin Lila wären die Luchse wahrscheinlich gleich zu Beginn abgehauen. Es waren eben einfach Wildtiere, sie waren praktisch schon nach einem halben Jahr selbstständig." Miloš unternimmt ausgedehnte Spaziergänge mit Muro und Lisa und lehrt seine beiden Schützlinge, fremde Menschen zu meiden. "Wir spazierten mit den Luchsen nun immer tiefer in den Wald", erzählt der Wildhüter. "Sie sollten ihre neue Heimat kennenlernen, das Gelände, das Licht, die Gerüche." Die Ausflüge der Luchse werden immer länger und eines Tages folgen Muro und Lisa dem Ruf der Wildnis und verschwinden im Wald.

Überlebensfähig in der Natur
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Auch das Fische fangen will gelernt sein
"An dem Tag, an dem die Luchse von ihrem Ausflug nicht mehr zurückkamen, war uns klar, dass sie es ernst meinten", erinnert sich ihr Ziehvater Miloš. "Wir hatten zwar die geringe Hoffnung, dass sie wieder auftauchen würden, aber als sie nach einer Woche immer noch spurlos verschwunden waren, ahnten wir, dass sie wohl bereits gelernt hatten, sich selbst zu versorgen."
All diese Geschehnisse ereigneten sich im Lauf von zwei Jahren. Während dieser Zeit dokumentiert Kameramann Tomas Hulík nahezu jeden Schritt der Raubkatzen und wird so praktisch selbst zu einem Mitglied dieser ungewöhnlichen Lebensgemeinschaft. Ob Jagdszenen, Revierkämpfe oder Geschwisterbindung erstmals konnten diese Verhaltensweisen bei Luchsen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Miloš Majdas Experiment liefert jedoch nicht nur wertvolle neue Einblicke in Verhalten und Lebensweise dieser markanten Katzen. "Es ist uns tatsächlich gelungen, die Luchse auszuwildern und sie überlebensfähig in der Natur zu machen." Miloš Majda ist sichtlich stolz auf sein Projekt. Und das zu Recht, denn je mehr man über ihr Verhalten und die richtige Aufzuchtmethode weiß, desto leichter wird es künftig sein, Luchse in Schutzgebieten wieder anzusiedeln. Ein Erfolg ist jedenfalls gewiss: Mit Lisa und Muro gibt es jetzt in Europas Wäldern zwei wilde Luchse mehr.

Sendedaten
Dienstag, 29. Dezember 2015
um 7.50 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Tomaš Hulik und Harald Pokieser, Österreich 2010
Thementag
© ZDF ORF Cosmos Factory Tomas HulikEcht tierisch
Dienstag, 29. Dezember 2015
ab 5.35 Uhr
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