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Video online ab 4.5.2017, 6.00 UhrVideo online ab 4.5.2017, 6.00 Uhr
Lavendel-Labyrinth von Christa Wendling im Hunsrück
Der Weg zur Mitte - Das Labyrinth im Alltag
Labyrinthe sind ein Mythos der Kulturgeschichte. Der Ursprung dieses Menschheitssymbol reicht weit zurück in die Geschichte der Erde, wann und wo es geschaffen wurden, kann bis heute aber niemand mit Gewissheit sagen.Auch nicht, welchem Zweck sie ursprünglich dienten und was das Wort Labyrinth wirklich bedeutet.
In der Dokumentation "Der Weg zur Mitte - das Labyrinth im Alltag" besucht der Dokumentarfilmer Helge Reindl Labyrinthe in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich und fragt nach ihrer heutigen Verwendung und ihrem Stellenwert im Alltag der Menschen. Auf seiner Reise trifft er auf unterschiedlichste Menschen, die vom Labyrinth auf die eine oder andere Weise fasziniert sind und dessen Kraft nützen.

Wegsymbolik von zentraler Bedeutung
© ORF Baumstamm-Labyrinth von Gernot Candolini in Grafenast/Tirol
Baumstamm-Labyrinth von Gernot Candolini in Grafenast/Tirol
Der Tiroler Photograph und Autor Gernot Candolini verfügt über ein umfangreiches Wissen über Labyrinthe und baut sie in allen gewünschten Größen und aus den unterschiedlichsten Materialien in ganz Europa:"Die Wegsymbolik, das Labyrinth als Metapher für den menschlichen Lebensweg, ist die zentrale Bedeutung des Labyrinths. Von Anfang an ist die Mitte sichtbar. Kurz scheint die Distanz, eindeutig der Weg. Doch sobald man drinnen ist, erkennt man auch schon, dass es nicht so einfach ist, wie es aussieht. Das Gehen im Labyrinth weckt Gefühle, die einem auch im Leben vertraut sind: ist alles vergeblich? Bringt es überhaupt etwas, weiterzugehen?"

Labyrinthe mit Bedeutung für das Sozialleben
© ORF Labyrinth in einem Bachbett - wer weiß, wer es angelegt hat?
Labyrinth in einem Bachbett - wer weiß, wer es angelegt hat?
In Zürich trifft Helge Reindl die 'Schweizer Labyrinthfrauen'. Auf Initiative der Künstlerin Agnes Barmettler gelang es ihnen in Zusammenarbeit mit dem Züricher Sozial- und Stadtgartenamt, das ehemalige Kasernenhofgelände durch die Errichtung eines Labyrinths zu einem Ort der Ruhe und Konzentration für die Bevölkerung zu machen. Und zwar als soziales Projekt unter Mithilfe von Obdachlosen und BewohnerInnen des Bezirkes: gemeinsam mit Agnes Barmettler säuberten sie das Gelände, errichteten ein großes Labyrinth und bekamen die weitere Pflege der Anlage als sinnhafte Tätigkeit im eigenen Verantwortungsbereich überantwortet.
Agnes Barmettler sieht ein Labyrinth als eine großartige Möglichkeit, Menschen über Weltanschauungen und Konfessionen hinweg zusammenzubringen.

Klassischer Irrgarten © ORF Klassischer Irrgarten
Steinlabyrinth in Hofkirchen/OÖ © ORF Steinlabyrinth in Hofkirchen/OÖ

In Prien am Chiemsee (Bayern) ließ die Pfarrerin Christine Wackerbarth direkt vor ihrer Kirche ein Labyrinth angelegt, das von der Gemeinde gut angenommen wird und den GottesdienstbesucherInnen allwöchentlich die Möglichkeit gibt, spirituelle Momente der Stille zu erleben.
Die katholische Ordensfrau Klara Franziska Schiestl, Barmherzige Schwester vom Hl. Kreuz, benutzt das Klosterlabyrinth inmitten von Obstbäumen in Hall/Tirol zur persönlichen Kontemplation, wenn sie Sorgen, Ängste oder Unruhe plagen.

Labyrinthe umgesetzt in Noten
© ORF Kerzenlabyrinth im Salzburger Dom
Kerzenlabyrinth im Salzburger Dom
Der Komponist Helge Burggrabe aus Hamburg beschäftigt sich seit Jahren mit Labyrinthen und setzt deren Bauweise in Noten um. Sein Interesse gilt vor allem den gotischen Kathedralen Frankreichs, von denen sehr viele - wie z.B. die Kathedrale von Chartres - historisch bedeutende Labyrinthe besitzen. Das musikalische Ergebnis dieser Transformation von Struktur in Noten klingt nicht nur interessant, sondern hilft auch, das Wesen des Labyrinthes sinnlich zu begreifen.

© ORF Labyrinth von Anstaltsseelsorger Bernhard Haschka in der Jugendstrafvollzugsanstalt Gerasdorf
Labyrinth von Anstaltsseelsorger Bernhard Haschka in der Jugendstrafvollzugsanstalt Gerasdorf
Dass Labyrinthe auch bei konkreter politischer Friedensarbeit nützlich sind, beweist die palästinensische Friedensaktivistin und Professorin an der Bir-Zeit Universität Sumaya Farhat-Naser: unter freiem Himmel schuf sie - angeregt von einer deutschen Freundin - ein Labyrinth, das Begegnung und Kommunikation auf ganz neue Weise ermöglicht.

Labyrinthe werden auch in der Medizin eingesetzt. Der Primar für Psychiatrie und Psychotherapie des Salzburger Landeskrankenhauses, Dr. Manfred Stelzig, weiß um die heilende und unterstützende Wirkung des Labyrinths, das erst vor kurzem im Park des Salzburger Klinikums errichtet wurde.

Auch der Tourismus kommt der zunehmenden Nachfrage nach Labyrinthen nach: Hofkirchen in Oberösterreich bietet den Gästen bereits drei an und bezeichnet sich deshalb seit 2010 als größte Labyrinthgemeinde der Welt.

Sendedaten
Donnerstag, 4. Mai 2017
um 11.45 Uhr
Wiederholung:
6./7. Mai 2017, 4.50 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Helge Reindl, Österreich 2011
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