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Mai 2013
Alltag eines schwindenden Volkes
Rückblick
In der Mitte ein Feuer
"Mein Volk geht ja zu Ende, doch wir wollen wenigstens die Gehspuren eines Volkes hinterlassen", sagt der tuwinische Schriftsteller Galsan Tschinag. Über das Leben der Nomaden in der Westmongolei.
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© ORF/PRE-TV/Peter Beringer Lupe
Sagenumwobener Bergstock: Der Wilde Kaiser
Wilde Kaiser und wilde Kaiserinnen
aus der Reihe "Geschichten aus Österreich"
In der unmittelbaren Nachkriegszeit, noch bevor jeder auf der Fahrt in den Italienurlaub die ganze Vielfalt der Tirol Bergwelt miterleben konnte, galt der Wilde Kaiser, ein massiver, zerklüfteter Bergstock bei Kufstein, als DAS Sinnbild alpiner Weite und Höhe, von Freiheit und Abenteuer. Postkarten aus dieser Zeit zeigen immer wieder dieses eine Motiv: den Kaiser und seine schroffen Gipfel mit schauerlichen Namen wie "Fleischbank", "Predigtstuhl" oder "Totenkirchl".
Auch heute noch fasziniert der wilde Kaiser: wie eh und je ist der massive Kalkstock eines der Kletterparadiese der nördlichen Alpen. Oben am Stripsenjochhaus auf 1500 m Höhe verfolgen Touristen am Fernglas stundenlang die Bewegungen der Kletterer in den riesigen Wänden wie sonst in den Alpen nur noch am Fuß der Eiger Nordwand und der Grandes Jorasses.

Das Kaisertal - bis 2008 ohne Straßenanbindung
Unterhalb des Stripsenjochhauses in Richtung Kufstein nach Westen erstreckt sich das Kaisertal, ein verkehrstechnisch einzigartiger Anachronismus. Das Kaisertal war bis 2008 vom öffentlichen Straßennetz abgeschnitten. Die Bewohner der insgesamt 14 Höfe, Berggasthäuser, Forst- und Schutzhütten transportierten ihre Autos in Einzelteilen mit der Materialseilbahn hoch und bauten sie an Ort und Stelle wieder zusammen. Wer hinab ins Inntal nach Kufstein wollte, ging zu Fuß. Jetzt, endlich, gibt es für die Kaisertaler eine eigene Straße mit Tunnel, und Schranke. Nur sie selbst dürfen sie benutzen. Gäste marschieren weiterhin zu Fuß.

Klettern für Frauen
© ORF/PRE-TV/Peter Beringer Lupe
Festung Kufstein - der westliche Beginn des Kaisertales
Sylvia Huber betreibt - zweieinhalb Wegstunden von Kufstein entfernt, am östlichen Ende des Kaisertals - das Hans-Berger-Haus, eine Schutzhütte der Naturfreunde. Für sie ist die Straße ein Gottesgeschenk. Endlich konnte sie das Haus renovieren, es strahlt in neuem Glanz. Die ausgewiesene Bergexpertin und Wirtin mit Herz bietet hier Kletter- und Alpinkurse speziell für Frauen an, es gibt, so sagt sie, eine spezifisch "weibliche" Art, den Berg und seine Schätze zu erobern: "Frauen wollen etwas erleben, auch einmal stehen bleiben, einen Bach und eine Blume genießen. Männer wollen auf den Gipfel." Sie muss es wissen: schließlich war ihr Vater ein bekannter Himalayabergsteiger und sie hat "mit den Burschen" in ihrer Kindheit und Jugend jeden einzelnen der Kaisergipfel erobert.

Paradies für Freikletterer
Dass der Kaiser auch klettertechnisch immer noch Neues bietet, zeigt Guido Unterwurzacher, auf der Südseite des Kaisermassivs, bei Going. Der "Schleierwasserfall" ist ein Paradies für Freikletterer, die legendären Huber Brüder haben hier einige besonders schwierige Routen erschlossen.

In der zerklüfteten Wand finden die Finger und Füße winzige Haltepunkte. © ORF/PRE-TV/Peter BeringerLupeIn der zerklüfteten Wand finden die Finger und Füße winzige Haltepunkte.
Nur wenn die Wand neben dem Schleiderwasserfall trocken ist, kann sie bewältigt werden. © ORF/PRE-TV/Peter Beringer LupeNur wenn die Wand neben dem Schleiderwasserfall trocken ist, kann sie bewältigt werden.

Unterwurzacher klettert eine dieser Routen nach: die "Wassermusik", einen überhängenden Wandabschnitt, der unter den Sprühnebel des Wasserfalls führt. Die Route bewegt sich "im oberen zehnten Schwierigkeitsgrad", wie Unterwurzacher sagt. Zur Zeit der ersten Meister, die die Wände des Kaisers eroberten, eine unvorstellbare Leistung, und auch heute gibt es nur ganz wenige, die hier nicht scheitern.

Naturerfahrung mit Luxusverbot
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Conny Miedler - Berg und Naturexpertin
Eine ganz andere Art der Naturerschließung betreibt Conny Miedler. Sie hat sich jahrzehntelang als Gehilfin eines Schamanen im Urwald Venezuelas aufgehalten. Im heimischen Wald kennt sie jede Nutzpflanze, jedes Kraut, jeden Baum und jede Blume, und ihre besonderen Heilkräfte. Sie versucht einen sanften Tourismus zu fördern, lädt zu Naturerfahrungswochenenden ein, bei denen Luxusverbot herrscht. Nahrung kommt von Wald und Wiese, Abendunterhaltung ist die Schwitzhütte, geschlafen wird im Freien: Meditation und Reinigung für Körper und Geist.

Conny Miedler weiß: Massentourismustauglich ist ihr Angebot nicht. Doch die Menschen um den Kaiser brauchen den Tourismus. Deswegen hat sie gerne am Projekt der Bergbahnen mitgewirkt, in Söll am Fuß des Kaisers eine Sommererlebniswelt einzurichten. Der Berg wird hier zur sanften Spielwiese für die ganze Familie, komplett mit Badebach, Windharfe, Kräuterpfad, Holzbackofen und vielen Erinnerungen an die Zeit, als die Menschen hier auf den Almen noch ausschließlich von der Landwirtschaft lebten.

Ziel für Wanderer und Bergsteiger
© ORF/PRE-TV/Peter Beringer Lupe
Auch das untere Inntal hat seinen Reiz
Von dieser Zeit berichtet auch Anna Foidl, die ihre alte Sennhütte hoch über Going jüngst für Wanderer und Bergsteiger erweitert hat. Früher hatten hier gerade ihr Senner Adolf und das Vieh Platz. Jetzt locken Bio-Käse und Schinken vom eigenen Hof im Tal und die Aussicht auf die Kaisergipfel ganze Scharen an. Für Senner Adolf ist das Leben immer noch hart: Lawinen und Schnee sogar im Sommer sind möglich, dann ist das Vieh in Gefahr. Doch Stall und Schlafplatz genügen jetzt modernen Ansprüchen.

Heimat der Haflinger
Im Westen des Kaisers, im Inntal in Ebbs, liegt die Heimat des Tiroler Bergpferdes schlechthin: Die Haflingerzucht in Ebbs ist Sache von Johannes Schweisgut, der im Hochsommer und Herbst durchs Land fährt. Er bewertet bei seinen Reisen Fohlen, die Ende September auf seinem Hof in Ebbs auktioniert werden. Bis zu 40.000 Euro werden dabei für ein Tier bezahlt.

Ein junger Pferdebesitzer bringt seinen ganzen Stolz zur Bewertung. © ORF/PRE-TV/Peter Beringer LupeEin junger Pferdebesitzer bringt seinen ganzen Stolz zur Bewertung.
Hier kommen auch die Tiroler Bergpferde, die Haflinger auf die Alm © ORF/PRE-TV/Peter BeringerLupeHier kommen auch die Tiroler Bergpferde, die Haflinger auf die Alm

Laienspielwesen und Wagner-Festival
Auch die Kultur kommt in der Region Wilder Kaiser nicht zu kurz: um Kufstein blüht das Laienspielwesen. Gleich zwei Orte, Erl und Thiersee, sind Passionsspielorte, die den Tod Jesu in regelmäßigen Abständen auf die große Bühne ihrer eigens errichteten Festspielhäuser bringen. Dann ist das ganze Dorf auf den Beinen, vom Kind bis zum Alten sind alle zum Spielen oder organisieren eingeteilt. In Thiersee erklärt Veteran Konrad Sieberer diese uralte Tradition.

In Erl hat der weltbekannte Dirigent Gustav Kuhn die phänomenale Akustik des Passionsspielhauses für die Gründung eines Wagner-Festivals benutzt. Der Film klingt zur Musik des Bayreuther Meisters aus, dessen Klänge so wunderbar in die alpine Landschaft des Kaisers passen, ein Umstand, von dem sich auch Kuhn immer wieder inspirieren lässt.

Sendedaten
Samstag, 22. September 2012
um 10.15 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Peter Beringer, Österreich 2009
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