Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
1213
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
Navigationselement
China hat (noch) die größten Währungsreserven der Welt - überwiegend als US-Dollar. © reuters Lupe
China hat (noch) die größten Währungsreserven der Welt - überwiegend als US-Dollar.
China auf Reserve
Notenbank verfeuert Währungsreserven
Im Zentrum der Turbulenzen um China steht das Ringen der Märkte mit der People's Bank of China um den Wert des chinesischen Yuan. Am Ende könnte die Notenbank gezwungen sein, die weiße Fahne zu schwenken.
Seit die Führung in Peking, behutsam zwar, aber doch bestimmt, ihr Land den internationalen Märkten öffnet, entfaltet sich zwischen dem Reich der Mitte und den Finanzmärkten ein schwerfälliger Tanz. Es ist ein Tanz von Elefanten, bei dem nicht klar ist, wer führt. Vor Jahren noch, als die chinesische Volkswirtschaft eine geschlossene Gesellschaft war und die Tore hinein und heraus klein und eng, war Pekings Kontrolle absolut. Das ist heute anders. Will Peking trotzdem führen, kostet das Geld. Viel Geld.

Immerhin, China hat viel Geld. Die Rede ist von den sogenannten Währungsreserven. Das ist das Polster für schlechte Zeiten. 2014 erreichten diese Reserven 4 Billionen Dollar. Kein Land der Welt hat annähernd so viel. Der größte Teil dieser Reserven wird in Form von US-Dollar gehalten, konkret: in amerikanischen Staatsanleihen.

Entstanden sind diese gewaltigen Reserven dadurch, dass mehr Geld ins Land geströmt ist als wieder hinaus - eine Folge des exportgetriebenen Wirtschaftsmodells. Vereinfacht ausgedrückt: Chinas Einnahmen aus dem Export sind höher als die Ausgaben für den Import. Zudem hat China lange Jahre Kapital aufgesogen wie ein Schwamm. Die Aussichten waren ja prächtig.

Zweifel am System
Nun aber stockt der Wirtschaftsmotor. In dem Maße, wie das Wachstum runterdimmt, kriechen die Schatten aus den Ecken. Neben generelle Zweifel an der Glaubwürdigkeit chinesischer Statistiken tritt die sehr konkrete Sorge um die Gesundheit des heimischen Finanzsektors.

Das Institute of International Finance (IIF) kam jüngst zu dem Ergebnis, Chinas Gesamtverschuldung belaufe sich auf 277% der Wirtschaftsleistung. Das McKinsey Global Institute ermittelte einen Wert von 282% (siehe rechts: "Schulden"). Chinas Wirtschaftsleistung liegt heute bei 10,2 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Chinas Bankensektor ist ein 34,5-Billionen-Dollar-Gigant. Ein Bankensektor, dessen Volumen in 10 Jahren um 1000% steigt, so lehrt die Erfahrung, hat Leichen im Keller. Leichen in Form fauler Kredite.

Auch aus diesem Grunde wird heute in großem Stile Kapital aus China abgezogen. Nicht nur internationales Kapital verlässt das Land, auch heimisches Geld fließt ab. Sicher ist sicher. Und obwohl natürlich auch weiterhin viel Geld in China investiert wird, betrug der Abfluss 2015 unterm Strich rund 1 Billion Dollar. Allein im letzten Dezember waren es 159 Milliarden.

Die Währung schwächelt
Dieser Kapitalabzug bzw. Vertrauensentzug spiegelt sich in einer schwächeren Währung. Chinas Notenbank, die People's Bank of China (PBoC), stemmt sich dagegen. Und zahlt einen hohen Preis. Denn der Wert einer Währung, selbst wenn sie noch nicht vollständig frei konvertierbar ist wie der chinesische Yuan, wird am Ende vom Markt bestimmt. Also von allen, die mit ihr handeln.

Wünscht die PBoC einen anderen Preis für ihren Yuan, in diesem Falle einen höheren, muss sie am Devisenmarkt intervenieren, selbst Marktteilnehmer werden. Sie muss Dollar in Yuan tauschen, d.h. Dollar verkaufen und dafür Yuan kaufen. So schwächt sie den Dollar und stärkt den Yuan. Die Dollar, die sie verkauft, stammen aus ihren Währungsreserven. Je heftiger sie interveniert, desto schneller schmelzen die Reserven (siehe Infokasten "Chinas Reserven").

Eine Pi-mal-Daumen-Empfehlung des Internationalen Währungsfonds hinsichtlich der Reserven einer Volkswirtschaft liegt für China bei 2,8 Billionen Dollar. Eine Art "Notgroschen" für wirklich schlechte Zeiten. Noch liegen die Reserven darüber und China gilt als solide. Doch die Finanzwelt beobachtet mit Unbehagen das Tempo, mit dem die Reserven in Richtung dieser Grenze fallen.

Regelmäßig gescheitert
Und all das bloß, um eine Währung auf einem künstlich hohen Niveau zu halten. In der Vergangenheit sind Interventionsversuche von Notenbanken am Devisenmarkt regelmäßig gescheitert. Die Bank of England hat es 1992 versucht und gegen Superspekulant George Soros verloren. Argentinien wollte seinen Peso an den Dollar binden und verlor. Russland hat es mit Stützungskäufen versucht und ist gescheitert. Die Schweizerische Notenbank hat es versucht, durch Schwächung des Franken und Bindung an den Euro. Sie musste aufgeben. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Der Unterschied zu China ist freilich: China hat mehr Feuerkraft. Ob sie reicht, wird sich zeigen. Albert Edwards, Global Strategist der Société Générale, - aber nicht nur der - gibt der People's Bank of China noch sechs Monate. Dann werde sie die "weiße Fahne schwenken" und den chinesischen Yuan frei am Devisenmarkt handeln lassen.

Käme es so, hätten die Finanzmärkte im Tanz mit China die Führung übernommen und Peking zu einem Schritt gezwungen, den man dort - obwohl letztlich unvermeidbar - gerne noch eine ganze Weile hinausgezögert hätte.

Schulden
© reutersDie chinesische Bombe
In nur zwei Jahrzehnten hat sich das Reich der Mitte zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt emporgearbeitet. Eine einmalige Leistung. Wüchse dort nicht, im Schatten des neuen Glanzes, dieses unheimliche Monster.
Chinas Reserven
LupeSeit dem Rekordhoch 2014 schrumpfen Chinas Währungsreserven. Immer mehr Monate mit immer stärkeren Abflüssen nagen daran. Die jüngsten von der People's Bank of China veröffentlichen Zahlen (04.02.2016) weisen für Ende Januar 2015 Währungsreserven von 3,23 Billionen USD aus. Die Mindestempfehlung des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 2,8 Billionen ist somit nicht mehr weit entfernt.

Für den Monat Januar wird ein Abfluss von 100 Mrd. USD ausgewiesen. Das ist geringer als die 120 Mrd. Dollar, welche erwartet worden waren. Dies wiederum wird auf durch die PBoC initiierte Einschränkungen des Kapitalverkehrs zurückgeführt.

Die chinesische Notenbank könnte den Abfluss theoretisch durch weitreichende Kapitalverkehrskontrollen zum Erliegen bringen. Dies stünde aber im klaren Widerspruch zum erklärten Ziel der Pekinger Führung, China weiter schrittweise den internationalen Finanzmärkten zu öffnen. Täte sie es dennoch, schadete sie vor allem der eigenen Wirtschaft: Ausländische Investoren würden verschreckt und eigene Unternehmen am dringend benötigten Zugang zu internationaler Finanzierung gehindert.
Börse
Crash in China
Eine alte Faustregel besagt, die ersten drei Handelstage eines Jahres geben die Richtung vor. Chinas Börsen brachen gleich um 7% ein. Was das bedeutet? Chinas Wirtschaft ist maroder als viele glauben.
Schwerpunkt
China
Der Aufstieg Chinas begann 1978 mit der wirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping. Bis vor ein paar Jahren hat es niemand bemerkt. Jetzt sind die Chinesen plötzlich da: als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.