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Sendung am 9. Dezember
Afrika Digital
Afrika digitalisiert sich mit rasender Geschwindigkeit. Das erregt das Interesse der Investoren. Bis 2020 sollen 60 Prozent des Kontinents ans digitale Breitbandnetz angeschlossen sein.
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Sendung vom 25. November
Billige Lebensmittel
Essen ist bei uns so billig wie sonst kaum in der EU. Vier große Lebensmittel-Discounter beherrschen den Markt und drücken die Preise. Die deutsche Agrarindustrie ist die günstigste Europas.
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Ölpumpe im Abendrot. © ap Lupe
Ölpumpe im Abendrot.
Saudis in Geldnot?
Saudi-Arabien erwägt Teilverkauf von Saudi Aramco
In Saudi-Arabien bahnt sich eine Revolution an. Das Königreich überlegt, sein Kronjuwel zu verkaufen: Den Ölgiganten Saudi Aramco. Gewissermaßen sich selbst. Das ist entweder sehr klug oder sehr dumm.
Es ist schon paradox, dass Prinz Mohammed bin Salman, ältester Sohn des saudischen Königs, gerade jetzt den Börsengang des staatlichen Ölgiganten Saudi Aramco ins Gespräch bringt.

Der Ölpreis steht nach einem beispiellosen Absturz so tief wie seit 2003 nicht mehr (siehe Infografik rechts). Ölfirmen verdienen kaum noch Geld - wenn überhaupt. Entsprechend unattraktiv sind sie für Investoren. Experten hinterfragen daher das Timing des saudischen Vorstoßes, um es vorsichtig auszudrücken. Das Manöver wirkt leicht verzweifelt. Vollkommen unüberlegt ist er hingegen nicht.

Loch im Haushalt
Saudi-Arabien bräuchte, so wird geschätzt, einen Ölpreis von ca. 95 Dollar pro Barrel für einen ausgeglichenen Haushalt. Subventionierter Sprit, eine günstige Krankenversicherung und vielfältige staatliche Wohltaten, die einen hohen Lebensstandard ohne übermäßige Anstrengung garantieren, wollen schließlich irgendwie finanziert werden. Es ist die arabische Variante von "Freibier für alle".

Finanzierungsquelle ist das Öl. Tatsächlich stammen rund 85% der Staatseinnahmen aus der Ölförderung. Stammten, muss man wohl sagen, denn die Rechnung geht längst nicht mehr auf. Es wird vermutet, dass der saudische Staatsfonds SAMA, einer der größten der Welt, in den das Königreich in den vergangenen Jahren noch seine Überschüsse einzahlte, um sie international anzulegen, heute auf der Verkaufsseite steht, um Mittel flüssig zu machen.

Politisch-strategische Ziele
Nun hat der Staatsfonds zwar ein Volumen von 750 Mrd. Dollar (Ende 2014), beim Ölimperium Saudi Aramco ist jedoch wesentlich mehr zu holen. Außerdem lassen sich mit einem Teilverkauf des Monopolisten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Erstens: Konkurrenz schwächen.
    Mit einem Börsengang kann Saudi-Arabien Investorengelder abgreifen und den Kapitalmarkt für andere Ölförderer austrocknen. Dies schwächt sowohl die private Konkurrenz wie Exxon Mobil, Shell & Co, aber auch staatliche Ölförderer. Hauptstoßrichtung ist hier natürlich Erzfeind Iran, der nach mehrjährigem Embargo dringend in seine eigene Förderkapazität investieren müsste. Ähnliches gilt für Russland.
  • Zweitens: Interessen binden.
    Künftige Investoren werden ein gesteigertes Interesse an einer stabilen saudischen Ölmonarchie haben. Auch außenpolitisch erkauft sich Saudi-Arabien mit einem Teilverkauf von Saudi Aramco Verbündete. Denn Saudi Aramco ist Saudi-Arabien. Siehe Infokasten "Saudi Aramco: Geschichte".
  • Drittens: Rendite steigern.
    Externe Investoren könnten außerdem den Erfolgsdruck auf das Management des Unternehmens erhöhen, den Konzern dadurch entschlacken und rentabler machen. Für Investoren lohnt sich das Geschäft ebenso: Saudi Aramco hat die weltweit niedrigsten Förderkosten und kann damit alle anderen Ölkonzerne ausstechen.

Was ist Saudi Aramco wert?
Die Schätzungen über den Wert des Unternehmens gehen weit auseinander: Sie liegen irgendwo zwischen 1 Billion und sagenhaften 10 Billionen Dollar. Dagegen sind alle anderen Weltkonzerne Zwerge (siehe Infografik "Saudi Aramco: Börsenwert"). Die beiden wichtigsten Kriterien für die Bestimmung des Unternehmenswerts sind die niedrigen Förderkosten (nirgends sprudelt das Öl so billig aus dem Boden wie in Saudi-Arabien) und die gewaltigen Reserven. Siehe Infokasten "Saudi Aramco: Ölgeschäft".

Gedämpft wird die Euphorie der Anleger allerdings durch den Umstand, dass es sich um einen Staatskonzern handelt, der primär politischen Interessen dient. Daher werden solche staatsgeführten Unternehmen an der Börse stets unter Marktwert gehandelt.

Bisher steht allerdings noch gar nicht fest, wieviel des Unternehmens die Saudis verkaufen wollen oder ob sich die Überlegungen überhaupt auf die Ölförderung oder nur auf das Raffinerie-Geschäft beziehen. Wie auch immer: Verkauften die Saudis nur 1% des Unternehmens, wäre es bereits der größte Börsengang der Geschichte.

Wenn es überhaupt dazu kommt. Denn ein Börsenlisting kann es nur geben, wenn Saudi Aramco die hohen Anforderungen an unternehmerische Transparenz erfüllt, denen börsennotierte Firmen genügen müssen. Transparenz zählt nicht zu den Stärken der Ölmonarchie am Persischen Golf.

Ölpreis
LupeDer Ölpreis ist kürzlich auf 27 Dollar gefallen. Das ist niedriger als zur schlimmsten Zeit der Finanzkrise. Der Endverbraucher freut sich. Doch er sollte sich nicht zu früh freuen, denn der Ölpreis ist immer auch ein Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft.
Saudi Aramco: Geschichte
Der staatliche Ölmonopolist Saudi Aramco hat seine Wurzeln in den USA der 1920er Jahre. Eine US-amerikanische Ölgesellschaft, hervorgegangen aus der Zerschlagung von John D. Rockefellers Ölgiganten Standard Oil, suchte auf der arabischen Halbinsel nach dem schwarzen Gold - und wurde fündig. Ab 1944 nannte sich das Unternehmen Arabian American Oil Company, kurz: Aramco.

Im Laufe der 40er Jahre kamen weiter US-Partner an Bord. In den 70er Jahren erwarb das saudische Königreich sukzessive Anteile am Unternehmen, bis es 1980 komplett verstaatlicht war. Die Saudis waren drin, die Amis waren raus. 1988 wurde der Konzern in Saudi Aramco umbenannt. Ohne Saudi Aramco wäre Saudi-Arabien heute nichts als Wüste.
Saudi Aramco: Börsenwert
Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Neben Saudi Aramco ist selbst Apple, das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, ein Zwerg. Von deutschen "Weltkonzernen" ganz zu schweigen.
Saudi Aramco: Ölgeschäft
Saudi Armaco ist der größte Ölkonzern der Welt und darüber hinaus das größte Unternehmen überhaupt. Die gesamten saudischen Ölreserven, die Ölförderung und -weiterverarbeitung liegen in seinen Händen.

Saudi-Arabien hat mit 266 Mrd. Barrel die größten bekannten Reserven der Welt. Dies sind 16% der weltweit bekannten Reserven. Bei einem Ölpreis von 30 Dollar pro Barrel sind diese etwa 2 Billionen Dollar wert. Kostete Öl 100 Dollar, wären es 7 Billionen.

Saudi Aramco fördert gegenwärtig rund 10 Mio. Barrel Öl am Tag (Upstream-Geschäft), soviel wie niemand sonst. Das meiste wird direkt als Rohöl exportiert. 3,1 Mio. Barrel täglich werden jedoch in konzerneigenen Raffinerien zu Benzin, Diesel, Heizöl etc. weiterverarbeitet (Downstream-Geschäft). Hauptexportpartner sind China, Japan und die USA mit jeweils rund 13%.
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Billiges Öl
Öl ist mehr als Treibstoff. Öl ist ein 3,4-Billionen-Dollar-Markt. Öl ist Macht, Seismograph und Fluch. Öl schafft Reichtum und vernichtet ihn. All diese Facetten bestimmen seinen Preis. Und jetzt ist Öl billig.
(makro, 13.03.2015)
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