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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Vom Kurssturz an den chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen sind vor allem Kleinanleger betroffen. © dpa Lupe
Vom Kurssturz an den chinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen sind vor allem Kleinanleger betroffen.
Crash in China
Chinas Börsenstart 2016 verheißt nichts Gutes
Eine alte Faustregel besagt, die ersten drei Handelstage eines Jahres geben die Richtung vor. Chinas Börsen brachen gleich um 7% ein. Was das bedeutet? Chinas Wirtschaft ist maroder als viele glauben.
Der chinesische Aktienmarkt kollabierte heute zum zweiten Mal in dieser Woche. Wie schon am Montag waren die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen um mehr als sieben Prozent gefallen - und das bereits 30 Minuten nach Handelsbeginn. Der Aktienhandel in China musste daraufhin erneut für den Rest des Tages ausgesetzt werden. Auch der Yuan wertete nochmals ab und steht nun bei 6,5646 Yuan zum US-Dollar - eine Abwertung von 0,5% im Vergleich zum Mittwoch. Damit taxierte die chinesische Notenbank die Landeswährung acht Tage in Folge niedriger.

Das zeigt natürlich auch in Deutschland Wirkung: Der Deutsche Aktien-Index DAX rutschte heute unter die Marke von 10.000 Punkten. Nach den ersten Handelsminuten lag er bereits mit 2,9 Prozentpunkten im Minus. Die Verunsicherung über die wirtschaftliche Lage in China greift um sich. Die Zeichen stehen bereits seit Jahresbeginn auf Sturm.

Dickes Minus zum Jahresauftakt
Es war ein rabenschwarzer Auftakt ins Börsenjahr gewesen: Am ersten Handelstag im neuen Jahr brach der chinesische Leitindex CSI 300 um mehr als 7 Prozent ein. Der Handel wurde daraufhin erstmals ausgesetzt: Die chinesischen Behörden mussten den gerade erst am selben Tag eingeführten Not-Mechanismus auslösen und den Aktienhandel nach schweren Verlusten stoppen. Das Beben in Fernost vermieste den Anlegern die Neujahrsstimmung und ließ weltweit die Börsen zittern.

Am Folgetag gab es zwar ein zaghaftes Aufatmen an den Finanzmärkten: Massive Stützkäufe der chinesischen Zentralbank konnten Schlimmeres verhindern. Nach dem Kursrutsch am Vortag pumpte sie rund 130 Milliarden Yuan (18 Milliarden Euro) in die Finanzmärkte. Die Kurse an den beiden Börsen in Shanghai und Shenzhen erholten sich daraufhin und lagen zum Handelsschluss nur noch leicht im Minus. Doch heute rauschten die chinesischen Börsen trotz aller Stützmaßnahmen erneut in den Keller. Ruhigere Zeiten sind nicht in Sicht.

Enttäuschende Industriezahlen
Auslöser des Ausverkaufs waren enttäuschende Industriezahlen aus dem Riesenreich: Der wichtige Caixin-Markit-Index ging zum zehnten Mal in Folge zurück und sank von 48,6 im November auf 48,2 im Dezember. Der Index bildet Umfragewerte bei Einkaufsmanagern der Industrie ab. Ein Wert unter 50 gilt als bedenklich. Die schlechten Zahlen deuten auf eine weitere Abkühlung des chinesischen Wirtschaftswachstums mit schrumpfenden Exporten hin. Die chinesische Währung Yuan steht auf dem tiefsten Stand seit fast fünf Jahren und notiert derzeit bei 6,5338 Yuan zum Dollar.

Wachstumsmotor stottert
Schon seit längerem verliert die chinesische Wirtschaftslokomotive an Zugkraft. Beijing bekommt den Übergang von der exportorientierten Billigindustrie hin zu einer Stärkung des Binnenmarktes nicht so recht in den Griff. Vielfach wurde die chinesische Produktion mit den Jahren immer teurer und in Billiglohnländer wie Kambodscha outgesourct.

Hinzu kommt eine schwächelnde Weltwirtschaft mit vielen Krisenherden - die Nachfrage nach chinesischen Gütern sank. Das rasante Wachstum der frühen Jahre rächt sich jetzt: In vielen Branchen herrschen Überkapazitäten. Die werden so schnell aber nicht abgebaut werden können. Chinas Finanzminister Lou Jiwei rechnete jüngst mit einer Zeitspanne von fünf Jahren. Weitere Turbulenzen an den Börsen in Fernost sind damit absehbar.

Wie im Casino
Die dürften durch die Strukturprobleme des chinesischen Aktienmarktes noch verschärft werden: Vom Busfahrer bis zur Hausfrau investieren dort viele eher unbedarfte Kleinanleger. Das Börsengeschehen gleicht vielerorts eher einem Wettbüro. Nun sind diese Börsenlaien in Panik geraten. Sie verlassen scharenweise das sinkende Schiff, um ihre Ersparnisse zu retten, und verstärken so jede Abwärtsbewegung.

Staatliche Eingriffe erschweren die Lage
Ganz unschuldig ist Beijing an dieser Entwicklung nicht: Staatliche Kaufanreize heizten den Aktienmarkt in der Vergangenheit immer wieder an - die Börsen sollten Kapital für chinesische Betriebe beschaffen, von denen viele heillos überschuldet sind. Die faulen Kredite vor allem auf Provinzebene wurden jahrelang versteckt und verschleppt, sowohl von den Banken als auch von den Unternehmen selbst.

Die Staatsnähe vieler großer Unternehmen verschaffte ihnen weitere Kredite, auch wenn sie bereits ins Straucheln geraten waren - im Notfall würde ja der Staat einspringen, meinten die Inverstoren. Notwendige Umstrukturierungen und Korrekturen wurden so verschleppt - auch, um die von Beijing verordnete Ausrichtung der Gesamtwirtschaft auf einen gestärkten Binnenmarkt nicht zu bremsen. Nun wankt der Riese in immer kürzeren Abständen - trotz massiver Interventionen der Staatsregierung.

Sommerlicher Kurssturz mit Spätfolgen
Schon im vergangenen Sommer kam es zu einem Kurssturz mit Panikverkäufen. Danach verordnete Beijing Verkaufsbeschränkungen für viele Papiere, um ähnliche Unruhen zu verhindern. Damals wurden hunderte Aktien auf unbestimmte Zeit von Handel ausgesetzt. Außerdem durften institutionellen Anleger sechs Monate lang keine Aktien verkaufen - diese Frist endet am kommenden Montag.

Viele Anleger hatten wohl im Vorgriff auf neue Verkaufswellen zum Jahresbeginn die Reißleine gezogen - und trugen so zur jüngsten Talfahrt bei. Eine Verlängerung der staatlichen Handelsbeschränkungen ist angeblich bereits in der Diskussion. Sie schonend außer Kraft zu setzen, wird für die chinesische Regierung nach den jüngsten Ereignissen nicht leicht werden.

Weitere Turbulenzen nicht ausgeschlossen
Nach vielen fetten Jahren präsentiert sich die chinesische Volkswirtschaft so schwach wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Zweistellige Wachstumsraten dürften endgültig der Vergangenheit angehören. Weitere Tiefststände am chinesischen Aktienmarkt sind nicht ausgeschlossen.

Rohstoffpreise werden aufgrund der schwachen chinesischen Nachfrage wohl weiterhin im Keller bleiben und auch rohstoffexportierende Schwellenländer wie zum Beispiel Brasilien vor große Probleme stellen. Deutsche Exportunternehmen dürften sich über diese Aussichten ebenfalls nicht freuen. Das Jahr 2016 wird voraussichtlich von vielen Unruhen an Märkten und Börsen geprägt werden.

Schulden
© dpaDie chinesische Bombe
In nur zwei Jahrzehnten hat sich das Reich der Mitte zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt emporgearbeitet. Eine einmalige Leistung. Wüchse dort nicht, im Schatten des neuen Glanzes, dieses unheimliche Monster.
(makro, 18.02.2015)
Chinas Börsen
© vwdLupeSeit Mitte 2014 begann an Chinas Börsen ein Boom, der die Kurse mehr als verdoppeln ließ. Viele Unternehmen hatten abenteuerlich hohe Bewertungen. Wie immer in solchen Phasen sind viele Kleinanleger mit ihrem Spargroschen dabei. Die Regierung in Peking heizte die Hysterie noch zusätzlich an.

Im Juni 2015 war dann Schluss. Der Börsenindex, der die 300 wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen abbildet (CSI 300), brach in einer ersten Welle von rund 5300 Punkten auf 3500 Punkte ein. Einen zweiten Einbruch gab es im August 2015. Der CSI 300 fiel auf unter 3000 Punkte.

Die anschließende Erholung ist vor allem auf Interventionen der Chinesischen Regierung zurückzuführen. Ein auslaufen dieser Unterstützung gilt als Auslöser des jüngsten Einbruchs.
Chinas Zukunft
Vom Billigproduzenten zum Hightech-Standort
Kaum ein anderes Land galt so lange als Lokomotive der Weltwirtschaft wie China. Inzwischen aber wächst die Wirtschaft der Volksrepublik deutlich langsamer.
(makro, 17.07.2015)
Wirtschaftsdokumentation
Schluss mit "Made in China"
Chinas Arbeiter mucken auf. Sie wollen mehr Rechte, mehr Geld, teilhaben am Aufschwung. Die Löhne steigen bereits zweistellig. Und die billige Werkbank der Welt steht heute längst woanders.
Schwerpunkt
China
Der Aufstieg Chinas begann 1978 mit der wirtschaftlichen Öffnung unter Deng Xiaoping. Bis vor ein paar Jahren hat es niemand bemerkt. Jetzt sind die Chinesen plötzlich da: als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt.