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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Cristina Fernández de Kirchner regierte regierte Argentinien von 2007 bis 2015. Sie beerbte ihren Ehemann Nestor, der vor ihr Präsident war. © ap Lupe
Cristina Fernández de Kirchner regierte regierte Argentinien von 2007 bis 2015. Sie beerbte ihren Ehemann Nestor, der vor ihr Präsident war.
Ende der Ära Kirchner
Präsidentschaftswahl in Argentinien
Argentinien war einst ein reiches Land. Doch jahrzehntelanges Missmanagement hat dies gründlich geändert. Ihren Gipfel erreichte die wirtschaftliche Verzwergung in der kapriziösen Ära Kirchner. Die ist nun vorbei. Endlich.
Die argentinische Präsidentschaftswahl geht in die Verlängerung. Erst eine Stichwahl am 22. November wird das endgültige Ergebnis bringen. Eines gilt dabei als sicher: Die Ära Kirchner geht zu Ende. Die amtierende Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner wird ihr Amt abgeben - nicht weil sie es will, sondern weil es das argentinische Wahlrecht so vorsieht. Kirchner durchlief bereits zwei Amtsperioden - eine weitere Kandidatur wäre unzulässig.

Als Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei "Frente para la Vitoria" (FPV) wählte sie den linientreuen Daniel Scioli aus, der aktuell das Amt des Gouverneurs der Provinz Buenos Aires innehat. Scioli gilt als Favorit auf die Position: Bei der ersten Wahlrunde am 25. Oktober erreichte er mit rund 36% der Stimmen das beste Ergebnis. Schon bei den Vorwahlen am 9. August 2015 - eine argentinische Besonderheit - vereinte Scioli 38% der Stimmen auf sich. Parteiintern wurde das Resultat zwar als extrem enttäuschend empfunden - Kirchner kam noch nicht einmal zur Wahlparty - jedoch weist es Scioli als Anwärter Nummer Eins auf das höchste Amt im Land aus.

Buhlen um Kandidat Nummer drei
Die beiden Konkurrenten sind dem Kandidaten der peronistischen "Frente para la Vitoria", was "Front für den Sieg" bedeutet, jedoch dicht auf den Fersen: So konnte Sciolis ärgster Herausforderer Massimo Macri vom konservativen Waldbündnis "Cambiemos" am Wahlsonntag rund 35% der Stimmen einheimsen. Bei den Vorwahlen waren es noch 30%. Der dritte Kandidat, Sergio Massa, gewann, angetreten als peronistische Opposition zur FPV, überraschenderweise 22% der Wählerstimmen für sich. Letztgenannter Massa könnte, trotz der wenigsten Stimmen, der entscheidende Mann werden: Massa, der bis 2010 selbst Mitglied der Peronisten war und sogar als Kabinettschef bis 2010 unter Kirchner diente, könnte, falls es denn zu einer Stichwahl käme, eine Wahlempfehlung für einen der beiden verbliebenen Kandidaten aussprechen.

Doch noch lässt sich Massa zu keinerlei Bekenntnissen hinreissen: Er möchte mit denen zusammenarbeiten, "die an den richtigen Wechsel für Argentinien glauben". Massa, der mit seiner erst kürzlich gegründeten "Frente Renovador" (FR) seinen peronistischen Wurzeln weitgehend treu bleibt, würde politisch gesehen besser zu Scioli passen - aber ob Massa, der 2010 mit Kirchner im Streit auseinanderging, mit der alten FPV und Kirchners Ziehkandidat paktiert, ist fraglich.

Family Business
Die Ära Kirchner sorgte nachweislich für einen Niedergang im Land: Seit 2003 regierte die Familie Kirchner das südamerikanische Land. Während von 2003 bis 2007 noch Néstor Kirchner Präsident war, übernahm 2007 seine Frau Cristina im fliegenden Wechsel. Die Politik Néstor Kirchners, der 2010 verstarb, wurde bereits sehr von seiner Frau geprägt, die schon damals immensen Einfluss in der Regierung hatte.

Cristina Kirchner steht in einer langen Reihe von Präsidenten, die ihren Einfluss missbrauchten um die öffentlichen Institutionen auszuhöhlen. Unter ihrer Regentschaft verschlimmerte sich die sowieso schon immense Korruption im Land - im Jahr 2009 gab es sogar handfeste Korruptionsvorwürfe gegen sie selbst. Doch neben Korruption belasten noch andere Probleme das Land: So wachsen in den großen Städten die Armutsviertel, genau wie die Drogenkriminalität.

Argentinien ein Schatten seiner Selbst
Die Geldentwertung schreitet weiter voran. So hat alleine in den letzten zwei Jahren die Inflation fast 40% erreicht und das Leben der Argentinier stetig teurer gemacht. Die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt, da unabhängige Medien kontrolliert und teils offen bekämpft werden. Das Haushaltsdefizit wächst und die Wirtschaft stagniert.

Und das obwohl Argentinien vor 100 Jahren eines der reichsten Länder der Welt war und eigentlich großartige Grundlagen hat, um ein wirtschaftlich starkes Land zu sein: Argentinien hat Öl, Gas und fruchtbares Land im Überfluss, hat eine der exportstärksten Agrarwirtschaften, eine gut ausgebildete Mittelschicht und eine entwickelte Industrie. All diese Positivfaktoren sollten eigentlich reichen um den vierzig Millionen Einwohnern ein solides Leben zu ermöglichen. Sollte man meinen.

Peronismus ist tief verwurzelt
Die Intellektuellen im Land machen ganz klar Cristina Kirchner und ihre autokratische und planwirtschaftliche Herrschaft für diese traurige Entwicklung verantwortlich. Der Fehler liegt nicht nur bei Kirchner selbst, denn: Die Wurzel des Übels liegt im politischen Dogma des Peronismus. Dessen Auslegung auf Verstaatlichung, Protektionismus, Umverteilung und Nationalismus schadet der Wirtschaft, der Industrie und am Ende eben auch dem Volk. In den Großteilen eben jenes Volkes ist ein starker Wunsch nach politischem Wandel gewachsen - weg von der Vetternwirtschaft unter Kirchner.

Der rabiate Wandel dürfte jedoch ausbleiben, allenfalls könnte es zu einer Übergangsphase kommen, vermuten Beobachter. Der Peronismus ist eben doch jene Strömung, die bereits seit Jahrzehnten eine hegemoniale Stellung in der argentinischen Politik innehat - und ob sich das nun schlagartig ändern wird ist zweifelhaft. Doch eben genau das wäre dringend nötig.

Seit Argentinien sich 1983 von dem sieben Jahre langen Diktat der Militärjunta befreite, wählte es stetig die falschen Leute. Politik ist in Argentinien seit jeher zu einem großen Geschäft verkommen, in dem sich wenige Machtcliquen bereichern, das Recht nach Belieben beugen und die Verwaltungsinstitutionen in Korruption halten.

Man wird das Wahlresultat wohl erst einen Monat später erfahren. Man kann den 32 Millionen Wahlberechtigen nur die nötige Raison wünschen.

Argentinien: Kirchner
Cry for me, Argentina
Flächenmäßig ist Argentinien das achtgrößte Land der Erde, aber wirtschaftlich liegt es auf den hinteren Plätzen. Die Wirtschaft ist durch Bürokratie und staatliche Willkür gelähmt, volkswirtschaftliche Daten sind alarmierend.
(makro, 18.06.2014)
Wirtschaftswachstum
© IMFLupeDas Wirtschaftswachstum Argentiniens , gemessen am realen Bruttoinlandsprodukt (blauer Chart), liefert ein trauriges Bild. In Anbahnung der Staatspleite 2003 kam es zu einem Einbruch um 11%. Die anschließende Erholung, getragen vor allem durch die Abwertung der eigenen Währung und den Schuldenschnitt, fand mit der globalen Finanzkrise 2008/2009 ihr Ende. Zuletzt hält sich das Wachstum nur noch knapp über null. Zum Vergleich das Wachstum der Schwellenländer (roter Chart).
Chart: Argentinischer Peso
© xe.comLupeDer argentinische Peso hat während der letzten 10 Jahre gegenüber dem US-Dollar rund 70% an Wert verloren. Besonders Ende 2013, als Argentinien ankündigte, (wieder einmal) gewisse Schulden nicht bedienen zu wollen, brach die Währung ein. Ansonsten ist es ein schleichender Niedergang. Jeder, der kann, flieht in eine andere Währung.
Peronismus
Unter dem Begriff "Peronismus" versteht man eine politische Bewegung in Argentinien, die seit den 1940er Jahren besteht. Benannt ist sie nach dem ehemaligen argentinischen Präsidenten Juan Perón (1895-1974). Der Begriff Peronismus integriert viele politische Überzeugungen und veränderte sich im Laufe der Zeit stetig. Wichtigste Einflüsse des Peronismus sind der europäische Faschismus und die Franco-Diktatur.

Der Peronismus positionierte sich stets als "dritten Weg" zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Besonders in den Anfangsjahren zeigte sich der Peronismus als anti-imperialistisch. Ganz oben auf der Agenda des Peronismus stehen die nationalen Bedürfnisse: Neben der Forcierung der Industrialisierung und der Schaffung eines Sozialstaats ist die gleichmäßige Verteilung der Einkommen zentrales Anliegen der Strömung.

Die politische Ideologie der Peronisten dreht sich um den Punkt der sozialen Gerechtigkeit, der "justicialismo". Bis heute ist der Peronismus die führende politische Strömung in Argentinien. Man könnte den Peronismus als "Protektionismus mit sozialen Elementen" charakterisieren.
Argentinien: Finanzen
Schon wieder pleite
Nach einem aktuellen Urteil des Obersten Gerichtshofes der USA muss Argentinien zwei US-Hedgefonds bis Ende Juli 1,5 Milliarden Dollar zahlen. Damit ist das Land praktisch wieder pleite.
(makro, 18.06.2014)