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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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General Suharto, hier 1968 mit seinem Sohn Tommy, ergriff 1967 die Macht in Indonesien und regierte das Land diktatorisch bis 1998. © ap Lupe
General Suharto, hier 1968 mit seinem Sohn Tommy, ergriff 1967 die Macht in Indonesien und regierte das Land diktatorisch bis 1998.
Das Massaker von 1965/66
Indonesiens dunkle Vergangenheit
Indonesiens demokratische Weste hat einen furchtbaren blutroten Fleck. Mitte der 60er-Jahre wurden Anhänger der kommunistischen Partei und jene, die man dafür hielt, zu Hunderttausenden ermordet. Die Täter kamen davon. Bis heute.
Wie wäre es wohl für Deutschland, wenn die Nazis heute noch an der Macht wären? Wäre dann der Genozid an den Juden so tiefgründig aufgearbeitet worden, wie es in den 70 Jahren seit Kriegsende geschehen ist? Wenn man sich das Beispiel Indonesien ansieht, könnte man meinen, dass er wohl unter den Tisch gekehrt worden wäre.

In diesem Land nämlich gingen diejenigen, die den Massenmord Mitte der 1960er-Jahre begangen haben, als Sieger hervor. Und wie wir wissen: Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben. Aber zunächst einmal zur eigentlichen Geschichte.

Indonesien wurde im Jahr 1945 von der einstigen Kolonialmacht, den Niederlanden, unabhängig. Daraufhin wurde Sukarno erster Präsident der neu gegründeten Republik Indonesien. Sukarno war Mitglied der zentral-linken Indonesischen Nationalen Partei (PNI), die auch einen sehr ausgeprägten linken Flügel besaß. In den Anfangsjahren der Republik wurde Sukarno regelmäßig in seinem Amt bestätigt - ehe es zu jeden schicksalhaften Ereignissen im Jahr 1965 kam, die, bis heute, in ihrem Tathergang stellenweise ungeklärt bleiben.

Der Massenmord
Am 30. September 1965 wurden sechs führende Generäle der indonesischen Armee entführt und ermordet. Obwohl die Tat von Mitgliedern der Armee verübt wurde, wurde der kriminelle Akt in der Öffentlichkeit den Kommunisten angelastet - als Putschversuch.

Der vermeintliche kommunistische Putsch löste eine militärische Gegeninitiative, geleitet von General Suharto und der Armee, aus, die in einen beispiellosen politischen Massenmord ausartete. Hilfe erhielt die indonesische Armee dabei von islamischen Milizen sowie paramilitärischen Gruppen wie beispielsweise der bis heute einflussreichen "Pancasila-Jugend".

Die Täter machten dabei jedoch nicht nur Jagd auf Mitglieder der Kommunisten: Auch Leute, die mit dem Kommunismus sympathisierten, fielen den Militärs zum Opfer - genau wie die chinesisch-stämmigen Minderheiten in Indonesien. Durch den neu gefundenen gemeinsamen Feind wurden Ressentiments geschürt, die sich bis heute in der indonesischen Gesellschaft halten.

General Suhartos Aufstieg zur Macht
Suharto konnte im Zuge des Massakers Präsident Sukarno schrittweise entmachten. Im März 1966 wurde die kommunistische Partei (PKI) offiziell verboten, ehe im selben Monat die Massaker an den Kommunisten offiziell beendet wurden. Nach einem halben Jahr des Mordens lag die Anzahl der getöteten Menschen bei einer halben Million. Wenn man die gefolterten und verschleppten Menschen mitzählt kommt man insgesamt auf eine Million Opfer, die der militärische Gegenschlag forderte.

Im Jahr 1967 folgte dann die offizielle Machtergreifung durch General Suharto. Er wurde Präsident der Republik Indonesien, führte sie jedoch nicht demokratisch weiter, sondern etablierte eine Militärdiktatur. Diese "neue Ordnung", die Suharto 1967 einführte, blieb bis 1998, mit ihm an der Spitze der indonesischen Politik, bestehen.

Das Suharto-Regime sollte seinerzeit noch weitere Opfer fordern: So wurden unter seinem Diktat Landenteignungen oder große Militäroperationen veranlasst - beispielsweise in Westguinea und in Osttimor.

Fehlende Erinnerungskultur
Die Militärdiktatur Suhartos etablierte eine an den Zielen der Regierung orientierte Schulbildung: Die Kinder des Landes wurden seit jeher mit einem ganz auf die politischen Interessen des General Suhartos zugeschnittenen Geschichtsverständnis indoktriniert. So mussten sich Schüler aller Altersstufen beispielsweise in regelmäßigen Abständen einen "historischen" Propagandafilm namens "Der Verrat der kommunistischen Bewegung 30. September" ansehen, der die Taten des Generals Suharto um die Jahreswende 1965/66 heroisiert.

Die Massaker an den Kommunisten wurden gefeiert und die Täter von damals bekamen allesamt leitende Position in der bel étage der indonesischen Gesellschaft - vom Verleger über den Militärgeneral bis hin zum Präsidenten. Die indonesischen Täter sind eben die Sieger der Geschichte - und lassen sich vom Volk, bis heute, als Nationalhelden verehren. Zur Rechenschaft gezogen wurden sie nie.

Obwohl Indonesien seit 1998, dem Jahr des Abdankens von Suharto, und der anschließenden Reformen, ein international anerkannter, demokratischer Staat ist, wurden bis heute seitens der Regierung die Gräueltaten weder formell als solche anerkannt, noch sind Anstrengungen zur Wiedergutmachung unternommen worden. Es scheint, als sei die Indoktrination der Schulbildung unter dem Suharto-Regime noch zu tief in den Köpfen. Jedenfalls verweigert die Gesellschaft, genau wie die Politik, den Blick auf die Wunden von 1965/66.

Beginnendes Umdenken
Ähnlich wie der Genozid an den Armeniern aus dem Jahr 1915 Teil des Gründungsmythos der Türkei ist, ist das Massaker an den Kommunisten Teil der Identitätsbildung Indonesiens, wie wir es heute kennen. Und genau wie die Türkei muss Indonesien, auch wenn diese schlimmen Geschehnisse der Landesgeschichte lange geleugnet beziehungsweise umgedeutet tradiert wurden, sich der eigenen Vergangenheit stellen - und die eigene Geschichte in ein wahrheitsgemäßes, selbst-bewusstes Licht rücken.

Erste Schritte werden unternommen. Mitschuld daran trägt ein mutiger US-amerikanischer Dokumentarfilmer namens Joshua Oppenheimer. Seine letzten beiden Filme "The Act of Killing" (2012) und "The Look of Silence" (2014) hatte eben jenen indonesische Massenmord zum Thema. Der Erfolg der Filme machte die, bis heute andauernde, Heroisierung und politische Einflussnahme der Täter von damals weltweit publik.

Seit der Veröffentlichung der Filme hat sich viel getan: Die indonesische Regierung versuchte anfangs noch, Filmvorführungen durch eigens beauftragte Paramilitärs zu verhindern, gab aber in Zeiten des Internets schnell auf. Viele Indonesier sahen die Filme seither, "The Look of Silence" wurde sogar 2014 zum Film des Jahres in Indonesien gekürt. Erste Lehrpläne für Geschichte wurden umgeschrieben, sodass Lehrer auch die "andere" Geschichte lehren können. Ein Wermutstropfen ist, dass die Regierung immer noch die Taten von damals leugnet.

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