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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Probesitzen auf der IAA - hier war die Welt noch in Ordnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel in VWs neuem Hybridfahrzeug Tiguan. © dpa Lupe
Probesitzen auf der IAA - hier war die Welt noch in Ordnung. Bundeskanzlerin Angela Merkel in VWs neuem Hybridfahrzeug Tiguan.
VW - Immer Chefsache
Autolobby erstickt am eigenen Erfolg
Der Abgasskandal bei VW wirft ein Licht auf die dunkle Seite der mächtigen deutschen Autolobby. Auto ist immer Chefsache. makro-Moderatorin Eva Schmidt spricht mit Matthias Fifka, Professor für Unternehmensethik.
Die Autoindustrie ist für ihren langen Arm ins Berliner Regierungsviertel bekannt. Doch bei keinem anderen Autokonzern ist der Draht in die Politik so eng wie bei VW. Mit Peter Hartz prägte sogar ein aktiver VW-Manager die gesamte Regierungspolitik unter Kanzler Schröder. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit Matthias Fifka darüber, wie stark die Existenz der deutschen Autoindustrie am Lobbyismus hängt.

makro: Herr Prof. Fifka, Sie beschäftigen sich mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen in Deutschland und den USA. Warum haben ausgerechnet die Amerikaner den Abgasskandal der deutschen Autoindustrie aufgedeckt?

Matthias Fifka: Es ist bezeichnend, dass der Bundesstaat Kalifornien federführend bei der Aufklärung in den USA war. Das ist kein Zufall, denn dort werden seit Jahrzehnten die strengsten Emissionsstandards in den USA gesetzt, was häufig für Unmut im Rest des Landes sorgt. Kalifornien verfolgt diese Politik dennoch sehr konsequent und macht deshalb umfangreiche Tests. Dass deutsche Behörden laxere Kontrollen durchgeführt haben, um VW möglicherweise nicht zu schaden, oder gar von der Manipulation wussten, ohne diese anzuzeigen, wäre zwar eine naheliegende Argumentation, bleibt aber Spekulation.

makro: Laut Lobby Control trafen sich seit 2014 Spitzenvertreter der Bundesregierung bereits neun Mal persönlich mit Matthias Wissmann, Deutschlands oberstem Autolobbyisten, und sechs Mal mit dem jetzt zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn. Ist die deutsche Autolobby ein Lieblingskind der deutschen Politik?

Matthias Fifka: Die Automobilindustrie hat eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für Deutschland. Das sind nicht nur die Autobauer selbst, sondern auch die Zulieferindustrie. Insgesamt beschäftigt die Branche etwa 750.000 Menschen und sorgt für ein Fünftel des Gesamtumsatzes der deutschen Industrie. Nicht zu vergessen ist die "Symbolwirkung", die von den deutschen Autobauern auf das Ausland ausgeht. Sie sind der Inbegriff für Qualität und Innovation - für das "Made in Germany".

Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung des Autos als Lieblingskind der Deutschen, die es unweigerlich auch zu einem Politikum und einem Wahlthema macht. Man denke nur an die hitzige Debatte um die PKW-Maut. Von daher ist die Politik, auch aus Wahlüberlegungen heraus, nahezu gezwungen, die Interessen der Automobilindustrie zu berücksichtigen, die ihrerseits von dieser besonderen Stellung Gebrauch zu machen versucht.

makro: Die Ergebnisse der Abgastests sollen schon lange bekannt gewesen sein. Ist der VW-Abgasskandal ein Warnschuss an die deutsche Politik?

Matthias Fifka: Es deutet vieles darauf hin, dass VW schon seit 2008 oder 2009 manipuliert. Bekannt waren diese Manipulationen aber bisher nicht, auch nicht in der Politik, was wir momentan wissen. Ein Warnschuss ist es natürlich trotzdem, denn offensichtlich hat ein Konzern - unter Umständen auch mehrere - ganz massiv Behörden und Kunden getäuscht. Man muss sich zwar bewusst sein, dass es vollständige Kontrolle nie geben wird. Aber schärfere Kontrolle scheint unausweichlich. Die Vorschriften gibt es ja, aber deren Durchsetzung war offensichtlich mangelhaft.

makro: Die Schachzüge der Autolobby lassen Vergleiche zur Finanzbranche zu. Hat die Politik auch hier einen ganzen Wirtschaftszweig jahrelang machen lassen und die Risiken ausgeblendet?

Matthias Fifka: Dieser Vergleich ist schwierig. Zunächst einmal sind die Probleme in der Finanzbranche internationaler bzw. sogar transnationaler Natur gewesen. Der gegenwärtige Skandal hingegen bezieht sich - zumindest momentan noch - auf einen deutschen Autokonzern. Zudem gab es in der Finanzbranche ein zweifelhaftes Geschäftsgebaren, das äußerst facettenreich war.

Dort wurde an vielen Stellen manipuliert. Im Hinblick auf die Autoindustrie wissen wir momentan nur von einer sehr spezifischen Manipulation, was andere natürlich nicht ausschließt. Zudem sind die Risiken sehr unterschiedlich. Die Finanzkrise hat die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit an den Rand des Kollaps gebracht. Das wird bei der Autoindustrie - selbst wenn sich der Skandal ausweiten sollte - nicht der Fall sein.

makro: Ist also der Abgasskandal für die Autoindustrie nicht etwa das, was der Zusammenbruch von Lehman Brothers für die Finanzbranche war?

Matthias Fifka: Nein, die Probleme in der Finanzindustrie lagen viel tiefer. Es wird keine Pleitewelle in der Automobilindustrie geben, da bin ich mir sehr sicher. Auch wenn die Börsen VW schon abgestraft haben und zahlreiche kostenträchtige Klagen kommen werden, wird der Konzern die Sache überleben. Das gilt auch für andere Hersteller, sollten sie ebenfalls manipuliert haben.

Man darf darüber hinaus nicht vergessen, dass im Zuge der Finanzkrise viele Anleger - egal ob institutionell oder privat - viel Geld verloren haben. Sie wurden also massiv geschädigt. Das ist beim Abgasskandal nicht der Fall. Niemand wird gerne betrogen, und auch die Umwelt wurde über das vorgegebene Maß hinaus geschädigt. Aber seien wir ehrlich: Ob das Auto mehr oder weniger Mikrogramm an Schadstoffen ausstößt, interessiert die meisten Kunden nur bedingt, wenn überhaupt; vor allem weil sie dadurch keinen unmittelbaren finanziellen Schaden haben.

Zur Person
Prof. Dr. Matthias Fifka
Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Unternehmensethik, Korruptionsforschung und Corporate Social Responsibility. Er promovierte zum Lobbying von Unternehmensverbänden.
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Prof. Fifka zur Deutschen Bank
"6000 offene Verfahren"
Die Deutsche Bank wird ihre Vergangenheit nicht los. Der besonders unangenehme Kirch-Prozess ist nur einer von 6000. Wie konnte es so weit kommen? makro fragt Matthias Fifka, Professor für Unternehmensethik.