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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Diese Demonstranten würden Staatspräsidentin Dilma Rousseff und ihre Arbeiterpartei (PT) am liebsten aus dem Amt jagen. © ap Lupe
Diese Demonstranten würden Staatspräsidentin Dilma Rousseff und ihre Arbeiterpartei (PT) am liebsten aus dem Amt jagen.
Korruption und Rezession
Druck auf Brasiliens Präsidentin Rousseff wächst
Seit 2003 regiert die Arbeiterpartei das Land. Anfangs noch als frische politische Kraft gefeiert, hat sie sich längst an den Fleischtöpfen der Macht festgekrallt. Nirgends ist das so offensichtlich wie beim staatlichen Ölkonzern Petrobras.
Brasilien ist das wirtschaftliche Schwergewicht Lateinamerikas. Doch das Land ist in der Krise. Auch politisch ist die Lage mehr als angespannt. Nach einem jahrelangen Boom ist Brasiliens Wirtschaft 2014 nur noch um 0,1% gewachsen. Für 2015 rechnet der IWF mit minus 1%. Gleichzeitig kletterte die Inflation auf 6,6%, so hoch wie lange nicht. Und für 2015 erwarten Experten keine wesentliche Besserung. Die Notenbank reagierte auf ihre Weise und hob den Leitzins auf 12,75% an. Tendenz: steigend.

Kunst gegen Korruption: Symbolische Geldsäcke vor dem Parlament. © reutersLupe
"Geht nach Kuba!" - Protestplakat mit Dilma Rousseff und Amtsvorgänger Lula © apLupe
Der Protest gegen Dilma Rousseff ist kreativ. © reutersLupe

Alles wird teurer
Besonders unangenehm schlagen die Endverbraucherpreise für die Grundversorgung zu Buche. Vor allem für Benzin, Strom und Wasser müssen die Brasilianer tiefer in die Tasche greifen. In einigen Regionen stiegen Anfang März die Strompreise um mehr als 30%, Wasserrechnungen flatterten vielerorts mit einem Aufschlag von 8% ins Haus. Ein Grund ist auch die historische Dürre, die den Nordosten und den Südosten des Landes seit Monaten plagt.

Seit dem Jahreswechsel geht wirklich alles schief, was schiefgehen kann. Der Ölpreis sinkt, was für die Staatseinnahmen der Ölfördernation Brasilien ein echtes Problem darstellt, der Strompreis steigt, die Wirtschaft schwächelt, die Sonne brennt, das Wasser fehlt, die Unternehmer jammern, die Gewerkschaften maulen, der Rückhalt für die Regierungskoalition bröckelt. Darüberhinaus muss ordentlich gespart werden. Finanzminister Joaquim Levy hat milliardenschwere Einsparungen angekündigt, um den Haushalt zu entlasten. So werden Steuern erhöht, die Arbeitsschutzrechte gelockert und die Sozialausgaben gekürzt. Alles nicht zur Freude der Brasilianer.

Der rote Filz
Hinzu kommt der Korruptionsskandal beim größten Unternehmen, dem staatlich kontrollierten Ölkonzern Petrobras. Die Petrobras-Krise hat bereits eine Reihe anderer brasilianischer Firmen in Mitleidenschaft gezogen. Mindestens fünf gingen pleite, Tausende Beschäftigte verloren ihre Jobs.

Bei der Petrobras-Affäre kassierten leitende Angestellte, die aufgrund von politischem Einfluss auf ihre Posten gekommen waren, bei der Auftragsvergabe illegale Aufschläge, die zum Großteil an die Politik weitergereicht wurden. Die Schäden könnten sich auf Milliarden summieren, schätzt die Staatsanwaltschaft. Es laufen Ermittlungen gegen Dutzende Abgeordnete, Ex-Minister und Senatoren vor allem aus dem Regierungslager.

Im kleinen kann auch Empörung fröhlich daherkommen... © apLupe
...demonstriert in der Summe aber seine Kraft. © reutersLupe
Joao Vaccari, Schatzmeister der regierenden Arbeiterpartei, bei seiner Festnahme. © reutersLupe

Was wusste Rousseff?
Die 67-jährige sozialistische Staatschefin Dilma Rousseff war in den Jahren 2003 bis 2010 Vorsitzende des Aufsichtsrates von Petrobras. Die brasilianer können sich schwer vorstelle n, dass sie von all diesen Skandalen nichts mitbekommen hat. 2010 legte sie ihr Aufsichtsmandat nieder, um für das Amt der Staatspräsidentin zu kandidieren. Vor kurzem trat sie ihre zweite Amtszeit an.

Mittlerweile brachen ihre Umfragewerte drastisch ein. Laut einer am kürzlich veröffentlichten Umfrage des Instituts Datafolha sind 63% der Brasilianer für Rousseffs Absetzung, etwa 80% sind der Überzeugung, dass die heutige Präsidentin von den illegalen Machenschaften bei Petrobras wusste. Allerdings glauben 64% der Befragten nicht, dass Rousseff tatsächlich ihr Amt verlieren wird.

Bisheriges Wirtschaftsmodell am Ende
Das Land, das bis vor kurzem noch zur globalen Supermacht aufsteigen wollte, steuert geradewegs auf eine Rezession zu. Das Erfolgsmodell der Ära Lula, das auf hohen Rohstoffpreisen – vor allem Öl, Eisenerz und Agrargüter - und einer durch Armutsbekämpfung angefeuerten Binnennachfrage fußte, funktioniert nicht mehr. Brasilien lebt seit Jahren von seinem Bauchspeck. Es hat zufrieden die Plauze in die Sonne gereckt, anstatt für schlechtere Zeiten vorzusorgen. Das rächt sich jetzt.

Brasilien
Ein Jahr danach
Ein Jahr nach der Fußball-WM in Brasilien werden die teuren Fußballstadien kaum genutzt. Dafür hat sich das Image der Deutschen durch den Sieg der Nationalelf deutlich gebessert. ZDF-Korrespondent Andreas Wunn zieht ein Résumé.
Petroleo Brasileiro
© BigChartsNiedergang einer Perle
Der staatliche Ölkonzern Petroleo Brasileiro, kurz Petrobras, war einmal die Perle der brasilianischen Wirtschaft und die Cashcow, mit der die umfangreichen Sozialprogramme finanziert werden konnten. Im Jahr 2008 lag der Börsenwert des größten brasilianischen Unternehmens bei umgerechnet fast 280 Milliarden Euro, vor wenigen Wochen war er auf unter 30 Milliarden geschrumpft.

Der Kurs der Aktie erreichte im Frühsommer 2008 sein bisheriges Hoch bei knapp 80 Dollar und brach mit der Finanzkrise auf 15 Dollar ein. Im März 2015 fiel die Aktie sogar bis auf 5 Dollar, so niedrig wie seit 2003 nicht mehr. Kein anderer der großen Ölkonzerne hat so hohe Schulden wie Petrobras – gut 100 Milliarden Euro - und kein anderer macht Verluste.
Schwerpunkt
Brasiliens WM und die Wirtschaft
Ein Großereignis wie die Fußballweltmeisterschaft sollte dem Land Brasilien doch wirtschaftliche Chancen bieten sowie die Möglichkeit eines deutlichen Image-Gewinns. So einfach ist das aber nicht.
Schwerpunkt
Lateinamerika