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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain. Fitschen sitzt jetzt im Kirch-Prozess auf der Anklagebank. © reuters Lupe
Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain. Fitschen sitzt jetzt im Kirch-Prozess auf der Anklagebank.
"6000 offene Verfahren"
Die Deutsche Bank und die Geister der Toten
Die Deutsche Bank wird ihre Vergangenheit nicht los. Der besonders unangenehme Kirch-Prozess ist nur einer von 6000. Wie konnte es so weit kommen? makro fragt Matthias Fifka, Professor für Unternehmensethik.
Die Anklageschrift ist mit gut 600 Seiten ein echter Wälzer. Am 28. April beginnt vor dem Landgericht München der Prozess gegen den Vorstand der Deutschen Bank. Dieser Prozess ist gewissermaßen ein Erbe aus dem langen Rechtsstreit mit dem verstorbenen Medienmogul Leo Kirch. Jetzt will das Gericht klären, ob die Deutschbänker im Kirch-Prozess tatsächlich die Wahrheit gesagt haben. Im Interview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt erklärt Matthias Fifka, Professor für Unternehmensethik, warum Gesetzesverstöße offenbar Teil der Unternehmenskultur der Deutschen Bank sind.

makro: Fünf Deutsche-Bank-Manager sitzen auf der Anklagebank, darunter der amtierende Co-Chef Jürgen Fitschen. Kann der seine Vision vom "Kulturwandel" überhaupt noch glaubwürdig vertreten oder müsste er nicht schon längst zurückgetreten sein?

Matthias Fifka: Für einen Rücktritt wäre es zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich noch zu früh, da das Münchener Landgericht noch kein Urteil gefällt hat. Solange gilt auch für Herrn Fitschen - selbst wenn es abgedroschen klingen mag - die Unschuldsvermutung. Sollte er jedoch wegen versuchten Prozessbetrugs verurteilt werden, so ist ein Rücktritt nahezu ein Automatismus. Der bloße Umstand allerdings, sich vor Gericht verantworten zu müssen, macht es unabhängig vom Ausgang deutlich schwieriger für ihn, den "Kulturwandel" glaubwürdig zu repräsentieren.

makro: Der Prozess kommt für die Deutsche Bank ja zur Unzeit. Der Konzern ist im Umbruch, die Zukunft der Postbank-Tochter ist genauso offen wie die des gesamten Privatkundengeschäfts. Wie stark schadet jetzt dieser Prozess der Deutschen Bank?

Matthias Fifka: Ein finanzieller Schaden entsteht aus diesem Folgeprozess zunächst nicht, da sich die Deutsche Bank mit den Kirch-Erben bereits auf einen Vergleich geeinigt und 925 Millionen Euro an diese bezahlt hat. Das ist aber insofern nicht ohne Ironie, als ein möglicher Prozessbetrug, dessen Ziel ja die Vermeidung einer solchen Zahlung war, im Nachhinein gesehen also wenig bis nichts gebracht hat. Der Vertrauensschaden hingegen, der zumeist wegen abwandernder Kunden und Geschäftspartner auch zu finanziellem Schaden führt, ist groß. Man mag auf den ersten Blick geneigt sein zu sagen, es handle sich nur um einen Prozess unter sehr vielen, in die die Deutsche Bank verwickelt ist. Allerdings darf man bei genauerem Hinsehen nicht vergessen, dass hier der Co-Vorsitzende des Unternehmens vor Gericht steht. Das hat eine erhebliche Signalwirkung und auch deshalb wird das Medieninteresse am Prozess ganz erheblich sein.

makro: Die Deutsche Bank ist vor allem in den USA in etliche Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Erst kürzlich haben britische und amerikanische Behörden die Bank zu einer Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. Wird die Deutsche Bank langsam zu einer Rechtsabteilung mit angeschlossenem Geldgeschäft?

Matthias Fifka: Das ist eine passende Formulierung, wenn man bedenkt, dass die Bank noch mit etwa 6.000 offenen Verfahren konfrontiert ist; eine horrende Zahl. Zu den Rückstellungen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro, die man bereits für diese Verfahren gebildet hat, könnten weitere 2 Milliarden Euro hinzukommen. Das sind auch für die Deutsche Bank keine "peanuts". Man darf auch nicht die enormen personellen Ressourcen vergessen, die durch solche Verfahren gebunden sind. Diese benötigt man in den von Ihnen angesprochenen Zeiten eines strategischen Wandels an anderer Stelle eigentlich dringender.

makro: Das Haus hat ja durchaus Erfahrung mit Prozessen gegen den eigenen Vorstand, auch Fitschen-Vorgänger Ackermann stand vor Gericht und blamierte die Bank mit seinem Victory-Zeichen. Nun liegen die Fotografen vor dem Landgericht München auf der Lauer. Was, meinen Sie, hat die Deutsche Bank aus dem Ackermann-Prozess gelernt?

Matthias Fifka: Dieser Vergleich ist schwierig, denn Josef Ackermann stand im Mannesmann-Prozess nicht in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, sondern als Aufsichtsratsmitglied von Mannesmann vor Gericht. Betrachtet man jedoch die 6.000 oben angesprochenen Verfahren, in welche die Bank selbst verwickelt ist, so zeigt sich das Bild eines Unternehmens, in dem Verstöße gegen das Gesetz offensichtlich lange Bestandteil der Unternehmenskultur gewesen sind. In solchen Organisationen wird Manipulation und Betrug unbewusst oder gar bewusst gefördert. Diejenigen, die die krummsten Dinger drehen, werden zu Helden und Leitbildern, wodurch sich das System selbst fortpflanzt.

Anders als häufig angenommen, sind es also nicht nur einige wenige "faule Äpfel", die für die Verfehlungen des Unternehmens verantwortlich sind. Vielmehr sind die Verstöße das Produkt einer tief verankerten Unternehmenskultur. Sie zu ändern, ist enorm schwierig und dauert Jahre oder gar Jahrzehnte. Die Herren Fitschen und Jain sind mit der Zielsetzung angetreten, einen solchen "Kulturwandel" zu vollziehen, indem sie die Bank - im wahrsten Sinne des Wortes - auf den rechten Weg zurückführen wollen. Dieses ohnehin schon herkulische Unterfangen ist durch den Prozess, unabhängig von seinem Ausgang, sicher nicht leichter geworden.

makro: Beschädigt der aktuelle Prozess gegen den Vorstand der Deutschen Bank das Image des Finanzstandortes Frankfurt oder sind solche Prozesse im Ausland gang und gäbe?

Matthias Fifka: Ich denke nicht, dass der Finanzstandort Frankfurt im Besonderen dadurch geschädigt wird, da Prozesse gegen Banken seit einigen Jahren mit großer Regelmäßigkeit an nahezu allen wichtigen Finanzplätzen geführt werden. Der aktuelle Prozess ist vielmehr ein weiterer Baustein für den Vertrauensverlust der Menschen in den Bankensektor im Allgemeinen. Eine Umfrage des Edelmann-Instituts aus dem Jahr 2014 unter 33.000 Menschen weltweit ergab, dass nur 51% von Ihnen dem Bankensektor vertrauen, der damit am Ende aller Branchen lag. In Deutschland äußerten gar nur 23% der Bevölkerung Vertrauen in die Banken - weniger als in allen anderen der 33 untersuchten Länder. Dieses Vertrauen wieder aufzubauen, ist ein langer und steiniger Weg.

Info
Prof. Dr. Matthias Fifka
Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Unternehmensethik, Korruptionsforschung und Corporate Social Responsibility. Matthias Fifka ist u.a. Visiting Professor an der University of Dallas und der Shanghai Jiao Tong University.
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