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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Noch hält Saudi-Arabiens neuer König Salman den Flächenstaat zusammen. - Dokumentation ansehen: "Saudi-Arabien - Nichts als Öl?" © reuters Video
Noch hält Saudi-Arabiens neuer König Salman den Flächenstaat zusammen.
[>>Dokumentation ansehen: "Saudi-Arabien - Nichts als Öl?"]

Neues aus der Wüste
Die Sorgen der Saudis
"Saudi-Arabien war ein zuverlässiger Partner für internationale Wirtschaftsbeziehungen und hat Öl so gefördert, dass es der Weltwirtschaft zupass kam", sagt Daniel Gerlach. Der Nahost-Experte sieht jedoch ein massives gesellschaftliches Problem.
König Abdullah von Saudi-Arabien galt bis zu seinem Tod als Stabilitätsanker im Nahen Osten. Dochseit Anfang des Jahres hat Saudi-Arabien einen neuen König. Der 79-Jährige Salman hat direkt nach dem Tod seines Halbbruders Abdullah die Amtsgeschäfte übernommen. Nun muss er das ultrakonservative muslimische Königreich durch eine Reihe sozialer Probleme navigieren. Wird er dabei den Reformkurs seines verstorbenen Bruders Abdullah fortsetzen? makro-Autorin Katrin Sandmann befragt Daniel Gerlach zur Lage Saudi-Arabiens.

makro: Saudi-Arabien hat seit Anfang des Jahres einen neuen König. Wird sich mit ihm etwas verändern?

Daniel Gerlach: Bisher sieht es danach aus, als würde die Politik des verstorbenen Königs Abdullah fortgesetzt - zum Teil vielleicht etwas konsequenter, wenn man sich die Militärschläge im Jemen anschaut. Saudi-Arabien sieht zwar immer aus wie eine absolute Monarchie, wo der König über alles entscheidet. De facto gibt es aber so viele verschiedene Interessen abzuwägen, dass die Regierung sich oft im Stillstand befindet. Und insofern setzt man auf Kontinuität, was auch immer das am Ende bedeuten mag.

makro: Welche Auswirkungen hat der sinkende Ölpreis auf die saudi-arabische Wirtschaft?

Daniel Gerlach: Saudi-Arabien kann es sich noch leisten, den Ölpreis längerfristig niedrig zu halten. Es gibt plausible Argumente, die besagen, dass die Saudis zwischenzeitlich sogar absichtlich den Ölpreis niedrig gehalten haben. Weil sie nämlich einen Konflikt mit dem Iran ausfechten, der sein Öl dringend wieder auf den Weltmarkt bringen will. Und um zu verhindern, dass sich andere Technologien entwickeln, die eine Konkurrenz zum Öl darstellen können.
Technologien wie zum Beispiel Fracking, Schiefergas, Schieferöl. Investitionen in solche Technologien möglichst unattraktiv zu machen, kann nur gelingen, wenn der Preis für Öl niedrig ist. Über kurz oder lang gehen Unternehmen, die in diese Technologien investiert haben, entweder Pleite oder ziehen sich aus dem Markt zurück. Dann kann man den Ölpreis wieder anheben.

makro: Was ist das größte wirtschaftliche Problem Saudi-Arabiens?

Daniel Gerlach: Saudi-Arabien hat weniger ein wirtschaftliches, sondern ein gesellschaftliches Problem. Die wirtschaftlichen Daten sind besser als die der meisten Staaten in der Region. Aber Saudi-Arabiens Bevölkerung wächst: junge Männer, die nichts mit ihrer Zeit und ihrem Leben anzufangen wissen. Was tun diese Männer irgendwann? Sich in der Wirtschaft engagieren? Eigene Unternehmen gründen? Stellen im Ausland suchen? Das ist alles nicht so einfach. Und das bildet ein großes Gefahrenpotential.

makro: Warum birgt diese Masse unzufriedener, junger Männer, die nichts zu tun hat und kein Geld hat, ein enormes explosives Potential?

Daniel Gerlach: Saudi-Arabien ist ein Exporteur dschihadistischer Kämpfer und Ideologien weltweit. Nicht nur, was den Islamischen Staat (IS) in Syrien und Irak anbelangt, sondern weltweit. Diese Männer in den Griff zu bekommen, ist dem saudischen Königshaus bisher überhaupt nicht gelungen.

Das Problem: Das Dogma des Wahhabismus liegt so nah an dem gewalttätigen dschihadistischen Dogma, dass man eigentlich, selbst als Experte, kaum Unterschiede erkennen kann. Wie will man jungen Männern, die einer bestimmten, radikalen Linie folgen, deutlich machen, dass das eine richtig, das andere aber falsch ist, nur weil das eine im Auftrag des Königshauses geschieht und das andere im Auftrag einer islamistischen Organisation.

makro: Was ist die größte Gefahr aus Sicht des saudischen Königshauses?

Daniel Gerlach: Saudi-Arabien ist ein Flächenstaat, der traditionell aus verschiedenen Kulturregionen besteht, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben und sehr, sehr alt sind. Dass sie von einer Zentralmacht, die sprichwörtlich aus der Wüste kommt, zusammengehalten werden, stellt eine eher neue Entwicklung dar. Und diese Entwicklung ist nicht definitiv, sondern auch umkehrbar.

Wenn das ökonomische Versprechen, dass es allen Saudis gutgeht, nicht mehr eingelöst wird und dazu noch politische Unzufriedenheit kommt, kann ich mir sehr wohl vorstellen, dass die verschiedenen Regionen in Saudi-Arabien sich auseinanderentwickeln. Und dass eines Tages sogar die Zentralmacht zusammenbricht. Vor einem solchen Szenario hat die saudische Führung meiner Meinung nach große Angst.

Info
Daniel Gerlach
Gerlach ist Mitherausgeber des Magazins "Zenith - Zeitschrift für den Orient" sowie Mitgründer und Chefredakteur des Deutschen Levante Verlags. Er studierte Geschichte und Orientalistik in Hamburg und Paris. Gemeinsam mit dem Verfassungsrechtler Dr. Naseef Naeem leitet er die Nahost-Expertengruppe zenithCouncil.
Sendungstip
Saudi-Arabien - Nichts als Öl?
Saudi-Arabien lebt vom Öl. Doch der Ölpreis sinkt. Die Bevölkerung hingegen wächst rasant - Eine explosive Mischung, um die sich Saudi-Arabiens neuer König Salman nun kümmern muss.
Info
© ZDF und Michael Khano - Kobalt ProductionsDie Journalistin Katrin Sandmann berichtet seit 15 Jahren von verschiedensten Schauplätzen der Welt. Für makro war sie in Saudi-Arabien
Reich und streng religiös
Saudi-Arabien ist mit den für Muslime bedeutenden Städten Mekka und Medina die Geburtsstätte des Islam. Seit 1932 wird der Wüstenstaat auf der Arabischen Halbinsel von der Familie Al-Saud als absolute Monarchie geführt. Die Scheichs haben mit dem Wahhabismus eine konservative Auslegung des Islams im Land etabliert und vor allem Frauen mit strengen Regeln belegt. So ist Saudi-Arabien das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht Auto fahren dürfen.

In dem Land leben nach Angaben der UN rund 27 Millionen Menschen, ein Drittel von ihnen sind Gastarbeiter. Die Mehrheit der Saudis sind sunnitische Muslime. Im Osten des Landes lebt eine schiitische Minderheit, die jedoch immer wieder Repressalien ausgesetzt ist. Sunniten sprechen ihnen ab, wahre Muslime zu sein.

Als größter Produzent unter den Erdöl-Staaten (OPEC) kann das Königreich einen großen Reichtum vorweisen. Die Staatsreserven werden auf 750 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Videos zum Thema
Saudi-Arabien- König Abdullah ist tot
(ZDF morgenmagazin, 23.01.2015)