Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Oktober 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
25
26
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
1213
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
01
02
03
04
05
Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
Navigationselement
Die Notenpresse arbeitet auf Hochtouren. Nicht nur bei der EZB. © dpa Lupe
Die Notenpresse arbeitet auf Hochtouren. Nicht nur bei der EZB.
Der unerklärte Krieg
Zentralbanken schwächen gezielt unser Geld
Sie sprechen nicht offen darüber. Aber sie tun es. Notenbanken rund um den Globus schwächen gezielt ihre Währung, um der Wirtschaft kurzfristige Vorteile zu verschaffen. Am Ende werden alle verlieren.
Am 18. März bezog die EZB, die Europäische Zentralbank, ihr neues Quartier am Main. Fast zeitgleich begann das größte geldpolitische Experiment in der Geschichte des Euro: Mehr als 1,1 Billionen Euro will der Chef der EZB, Mario Draghi, in den nächsten anderthalb Jahren an die europäischen Banken verteilen, indem die EZB Staatsanleihen im großen Stil quer durch alle Euro-Länder aufkaufen lässt und damit den Geschäftsbanken eine unvorstellbar hohe Summe an Frischgeld zur Verfügung stellt.

Draghi schwingt damit eine geldpolitische Keule - angeblich, um eine drohende Deflation abzuwenden, die Inflationsrate im Euroraum anzuheizen und so dem Auftrag der EZB, eine Zielinflation nahe 2% zu erreichen, gerecht zu werden. Ob dies gelingt, wird sich frühestens in ein paar Monaten zeigen. Auch der insgeheim erhoffte Wachstums-Schub für die kränkelnden Volkswirtschaften Südeuropas - getragen werden soll er durch eine lockere Kreditvergabe der Heimatbanken - lässt bislang auf sich warten.

Der Euro fällt
Eine Begleiterscheinung des Anleihekaufprogramms stellte sich aber fast sofort ein: Durch die bevorstehende unvorstellbare Euroschwemme verlor der Euro massiv an Wert. Er sank gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit 2003 und hat allein in den vergangenen zwölf Monaten 25% seines Wertes verloren.

Doch auch in Rest-Europa außerhalb der Eurozone sind die Währungen aus dem Gleichgewicht geraten: Im Sog der geldpolitischen Offensive aus Frankfurt sah sich etwa die Schweizer Nationalbank gezwungen, die seit 2011 geltende Wechselkursbindung des Frankens an den Euro aufzugeben und die Zinsen drastisch zu senken.

Auch die dänische und die schwedische Zentralbank kämpfen mit aller Macht gegen die drohende neue Geldschwemme aus dem Euro-Raum an - mit Nullzins, negativen Einlagenzinsen für Banken und teilweise mit dem Aufkauf von Wertpapieren. Polens Nationalbank senkte den Leitzins gleich um einen halben Punkt auf jetzt 1,5% - ein historisches Tief.

Die Notenbanken machen Geld billig, d.h. sie senken die Leitzinsen nahe null, teilweise sogar darunter. Selbst in Schwellenländern werden jetzt die Zinsen gesenkt. Quelle: Halvers Kapitalmarkt Monitor © Halvers Kapitalmarkt MonitorLupeDie Notenbanken machen Geld billig, d.h. sie senken die Leitzinsen nahe null, teilweise sogar darunter. Selbst in Schwellenländern werden jetzt die Zinsen gesenkt. Quelle: Halvers Kapitalmarkt Monitor
Notenbanken drucken Geld - fachsprech: Sie weiten ihre Bilanzsumme aus. Die USA haben das Experiment beendet, Japan ist voll dabei und die EZB beginnt gerade. Quelle: Halvers Kapitalmarkt Monitor © Halvers Kapitalmarkt MonitorLupeNotenbanken drucken Geld - fachsprech: Sie weiten ihre Bilanzsumme aus. Die EZB beginnt gerade, Japan ist voll dabei, die USA sind fertig. Quelle: Halvers Kapitalmarkt Monitor

Weichwährungspolitik ist en vogue
Dabei steht die EZB mit ihrer expansiven Geldpolitik nicht allein. Den Anfang hatte im Sog der Finanzkrise schon vor Jahren die amerikanische Fed gemacht und war dafür gescholten worden. Nun jedoch - just zu einem Zeitpunkt, da die amerikanische Wirtschaft sich erholt und an eine straffere amerikanische Geldpolitik wieder zu denken ist - findet die Fed Nachahmer auf allen Kontinenten.

So senkte das boomende Indien überraschend seine Zinsen - zum zweiten Mal seit Jahresbeginn. China senkte allein in den letzten drei Monaten bereits zweimal die Zinsen. Und auch in Kanada, Australien, Indonesien, Japan und der Türkei wird mittels geldpolitischer Maßnahmen der eigene Wechselkurs gedrückt, was das Zeug hält. Mit Südkorea sprang diese Woche die 23. Zentralbank auf den Zug Richtung geldpolitischer Lockerung.

"Unerklärter globaler Währungskrieg"
Der Wettlauf um die Abwertung der eigenen Währung, mit dem Ziel, eigene Produkte auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger zu machen, nimmt Fahrt auf. Die Tendenz ist eindeutig: Sind im Umfeld einer lahmenden Weltkonjunktur alle anderen geldpolitischen Mittel zur Ankurbelung der eigenen Wirtschaft ausgereizt - und das sind sie angesichts der derzeitigen Niedrigzinsen -, versuchen sich die Staaten und ihre Notenbanken zunehmend auf Kosten der Konkurrenz durch Billigwährungen Vorteile am Weltmarkt zu verschaffen.

Bill Gross, Gründer und langjähriger Chef des heute zur Allianz gehörenden kalifornischen Asset Managers Pimco, für die er unter anderem den größten Anleihefonds der Welt verwaltete, sieht gar einen "unerklärten globalen Währungskrieg". John J. Hardy, Devisenexperte von der Saxo Bank, stößt in dasselbe Horn: "In einer Welt mit schwachem Wirtschaftswachstum und deflationären Risiken sehen wir die zunehmende Gefahr eines Währungskrieges."


Die Jagd nach dem kurzfristigen Vorteil
Die Gefahr der Weichwährungs-Strategie ist klar: Die Abwertung der eigenen Währung kann zum bequemen Ersatz für notwendige Strukturreformen werden. Außerdem gibt es im derzeitigen Niedrigzinsumfeld tendenziell für sichere Anlagen kaum noch nennenswerte Renditen. Dies sorgt für Verwerfungen bei Versicherern und Pensionskassen, die darauf angewiesen sind, einen großen Teil ihrer Mittel sicher anzulegen.

Die Folge sind schwindende Renditen in der Altersvorsorge und eine drohende Altersarmut für Millionen von Lebensversicherten. Zudem könnten sich Blasen bilden bei denjenigen Anlagefeldern, die noch Zinsen abwerfen: im Immobilien- und Aktienmarkt. Niedrige Zinsen zwingt Anleger in riskantere Anlageklassen. Am Ende sorgt die Abwertungsspirale für wachsende Instabilität an den Finanzmärkten.

Wenn alle das Gleiche tun, ist der Effekt gleich Null
Video
Studiogespräch mit Prof. Max Otte (r.) und Prof. Hanno Beck (m.): Otte fürchtet aufgrund des niedrigen Eurokurses einen Ausverkauf mittelständischer Unternehmen.
Schlimmer noch: Ob das Kalkül der Notenbanker, auf Kosten anderer Staaten aus der Krise herauszuwachsen, langfristig aufgeht, ist mehr als fraglich. Denn von einer schwachen Währung profitieren allenfalls die exportorientierten Sektoren einer Volkswirtschaft. Der Effekt solcher Abwertungsmanöver ist nicht nachhaltig. Denn sie funktioniert nur so lange, wie die Handelspartner mitspielen. Wenn alle abwerten, ist der Effekt gleich Null. Und die Gefahr, dass die Weltwirtschaft in einem schwach wachsenden Niedrigzinsumfeld verharrt, steigt.

Abwertungskriege mögen kurzfristig dabei helfen, Exporte anzukurbeln und Schulden zu bedienen - wenn denn das betreffende Land überhaupt etwas zu exportieren hat. Doch langfristig schadet der jetzt zu beobachtende Wettlauf der Währungs-Weichmacher der Weltwirtschaft und macht das Finanzsystem insgesamt instabiler.

Riskantes Spiel
Die lockere Geldpolitik der EZB nimmt diese Gefahren inkauf - für ein höchst zweifelhaftes Inflationsziel und eine möglicherweise verpuffende Konjunkturspritze für die Südländer. Mario Draghi mahnte Strukturreformen zwar an - aber er spielt dennoch mit dem Feuer.

Devisenexperte John J. Hardy von der Saxo Bank kommentiert die Situation so: "Die beste politische Lösung wäre eine Normalisierung der Zinsen und eine massive Schuldenrestrukturierung. Ein Schuldenschnitt. Für die Politik ist dieses Szenario aber am unattraktivsten und somit eher unrealistisch."

Währung
Der Fall des Euro
Seit einem Jahr ist der Euro auf Talfahrt. 25% hat er gegenüber dem Dollar bereits verloren, die Hälfte davon allein in den letzten zwei Monaten. Begonnen hat alles mit einer Andeutung von EZB-Chef Mario Draghi.
Eurokurs
© EZBDie ganze Wahrheit
Da der Wechselkurs der Euro zu einer anderen Währung - und sei es eine so wichtige wie der US-Dollar - nie die ganze Wahrheit sagt, berechnet die EZB den Euro zu einem ganzen Währungskorb. Der "Effective Exchange Rate Index" (EER-19) umfasst 19 Währungen gewichtet nach dem Handelsvolumen ihrer Volkswirtschaften mit der Eurozone. Der dickste Brocken in diesem Korb ist der chinesische Yuan, erst an zweiter Stelle kommt der US-Dollar. Verlust des Euro über das letzte Jahr: 12%
Weichwährung vs. Hartwährung
Es wird gerne behauptet, eine schwache Währung sei der Wirtschaft förderlich. Das ist eine Milchmädchenrechnung. Eine schwache Währung bedeutet, die Leute können sich weniger leisten. Tatsächlich hilft zwar eine schwache Währung der Exportindustrie, aber nur insoweit, als dass diese nicht zu viel aus anderen Währungsräumen importieren muss.

Gesamtwirtschaftlich ist eine schwache Währung immer ein schlechtes Zeichen, denn die Währung reflektiert letztlich die Stärke oder Schwäche eines Wirtschaftsraumes. Ist das Vertrauen in die Wirtschaft dahin, strömt Kapital außer Landes - auf saftigere Weiden. Die eigene Währung wird verkauft, eine andere gekauft: Die eigene Währung fällt.

Dies geschieht gerade mit dem Euro. Unterstützt wird diese Kapitalflucht von der EZB-Politik, die sich durch eine gezielte Schwächung des Euro eine kurzfristige Wettbewerbserleichterung für die Südländer erhofft. Das Signal an den Markt lautet: Leute, die Wirtschaft der Eurozone läuft so mies, dass wir mit einer starken Währung auf dem Weltmarkt einfach nicht mehr klarkommen.

Die Apologeten einer Weichwährungspolitik vergessen gerne die praktischen Lehren der Wirtschaftsgeschichte: Eine starke Währung zwingt zur Innovation. Die stärkste Währung in Europa ist der Schweizer Franken, die zweitstärkste war die D-Mark. Die niedrigste Arbeitslosigkeit gibt es heute in der Schweiz gefolgt von Deutschland. Die schwächsten Währungen hatten traditionell Griechenland, Spanien und Italien. Die höchste Arbeitslosigkeit haben heute Griechenland, Spanien und Italien.
EZB
Im Auge des Sturms
Eines muss man EZB-Chef Mario Draghi lassen: Er hat Steher-Qualitäten. Der lautstärkste Protest gegen seine Politik kommt heute aus dem linken Blockupy-Camp, der ernsthafteste aus der marktliberalen Bundesbank. Trotzdem zieht er seine Politik durch.
Wirtschaftsdokumentation
EZB: Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
makro-Sendung
Schicksalstage für den Euro
Der Euro sei zu stark, hieß es vor einem Jahr. Deshalb laufe die Wirtschaft nicht. Jetzt ist der Euro schwach, die Zinsen bei null. Die Wirtschaft läuft immer noch nicht. Die EZB versucht es nun mit der ganz großen Keule.