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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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© ap Lupe
Nigerias neu gewählter Präsident, der ehemalige Militärmachthaber Muhammadu Buhari, verspricht seinen Wählern einen entschiedenden Kampf gegen die Korruption.
Asket im Präsidentenamt
Erster demokratischer Machtwechsel in Nigeria
Muhammadu Buhari ist der neue Präsident Nigerias. Es ist eine Premiere. Zum ersten Mal gibt es einen demokratischen Machtwechsel in Afrikas wichtigstem Land. Buhari gilt als interger, hat aber eine dunkle Vergangenheit.
Enorme Erwartungen liegen auf dem neuen Präsidenten Nigerias. Buhari soll die Terrororganisation Boko Haram besiegen, die Selbstbedienung im Staatsapparat unterbinden und die Armut bekämpfen. Eine Schonfrist hat der Ex-Militärherrscher nicht.

Er gibt sich asketisch, predigt glaubwürdig gegen Korruption und ist vom Militärherrscher zum Demokraten "wiedergeboren", wie er selber sagt. Nigerias frisch gewählter Präsident Muhammadu Buhari ist in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Vor allem die jungen Wähler in Afrikas bevölkerungsreichster Nation haben am Samstag für den Muslim aus dem Nordosten des Landes gestimmt.

Sie erhoffen sich zweierlei: Arbeitsplätze und ein besseres Leben ohne die weit verbreitete Korruption. Versprechungen, die Buharis Vorgänger Goodluck Jonathan zwar gegeben, aber nicht eingelöst hat.

Buhari hat sich nicht bereichert
Dass Buhari mit harter Hand gegen Korruption vorgeht, hat er nicht zuletzt nach seinem Putsch Ende 1983 bewiesen. Während seiner 20 Monate währenden Amtszeit ließ er rund 500 Politiker, Beamte und Geschäftsleute unter Korruptionsverdacht festnehmen.

Was den einen als Willkür eines Militärdespoten galt, war vor allem unter den Armen ein Zeichen dafür, dass Buhari sich traute, gegen Reiche und Mächtige vorzugehen. Der beste Beweis seiner Ehrlichkeit ist indes der 72-Jährige selbst: Als einer von wenigen Politikern in Nigeria saß er an den Fleischtöpfen, ohne sich mit vollen Händen zu bedienen. Bis heute lebt er vergleichsweise bescheiden.

Seine wirtschaftliche Expertise ist dagegen bestenfalls fragwürdig. Unter Buharis Ägide wurden Gastarbeiter deportiert, um Arbeitsplätze für Nigerianer zu schaffen. Dadurch und durch eine Reihe weiterer Fehlmaßnahmen schlossen Unternehmen, die Wirtschaft schrumpfte und viele Nigerianer verloren ihre Arbeit. Selbst Ex-Präsident Olusegun Obasanjo, der Buhari zuletzt im Wahlkampf unterstützte, warnte in seiner Autobiografie, Buhari sei mit Sicherheit kein guter Wirtschaftsführer.

Menschenrechte - Buharis dunkler Fleck
Buharis Menschenrechtsbilanz ist noch schlimmer. Buhari ließ Nigerianer auspeitschen, wenn sie sich in einer Schlange vordrängten. Zu spät kommende Arbeitnehmer mussten Bocksprünge vorführen. Journalisten wurden verhaftet, die Meinungsfreiheit stark eingeschränkt. Geheimtribunale verhängten Todesurteile. Von all dem hat Buhari sich inzwischen distanziert.

Dass Buhari, der sich gerne gegen das klassische Bild des Machtpolitikers profiliert, die Klaviatur von Nigerias Politikbetrieb meisterlich beherrscht, hat er in diesem Wahlkampf bewiesen. Er nutzte die Fehler seines Vorgängers Jonathan aus, um dessen seit Ende der Militärdiktatur 1999 regierende Partei zu spalten und zugleich die zuvor zerstrittene Opposition unter einem gemeinsamen Dach zu einen.

Viele Unterstützer Jonathans wechselten zu Buhari. Die Frage ist, wie viele offene Rechnungen Buhari jetzt im Gegenzug begleichen muss und ob das einen Neuanfang unmöglich macht.

Buhari punktet auch im christlichen Süden
Buhari gab sich stets als Mann des Volkes. Seine Mutter brachte ihn als 13. Kind zur Welt, er wuchs nach eigenen Angaben in einfachen Verhältnissen auf. Mit 20 trat er ins Militär ein. Unter den Talakawa, den Armen des muslimischen Nordens, war sein Ansehen immer ungebrochen - selbst als er nach seiner Zeit als Militärherrscher für 40 Monate in Haft saß.

Bei dieser Wahl gelang es ihm erstmals, auch jenseits der Talakawa große Wählermassen anzusprechen - unter den Ibo im Südosten etwa und unter vielen städtischen Bewohnern im christlichen Süden, die glaubten, dass ein Wandel nur Gutes bringen kann.

Die Erwartungen, die Buhari jetzt erfüllen soll, sind riesig. Ein erster Test wird sein, ob es ihm gelingt, die Terrorherrschaft von Boko Haram vollständig zu beenden. In den vergangenen Wochen sind die Terroristen immer weiter zurückgedrängt worden. Kritiker machen dafür allerdings vor allem fremde Armeen und Söldner verantwortlich. Im Juli vergangenen Jahres überlebte Buhari nur knapp ein Attentat der Gruppe. Seine persönliche Motivation, die Gruppe zu besiegen, dürfte also groß sein.

Präsidentschaftswahl
Goodby für Goodluck
Der Mann mit dem verheißungsvollen Namen Goodluck Jonathan war 2011 als Hoffnungsträger einer neuen Politik in Nigerias Präsidentenamt gestartet. Viel Glück hat er dem Land nicht gebracht.
Korruption im Ölsumpf
Das Imperium schlägt zurück
Lamido Sanusi, Nigerias angesehener Notenbankchef, wagte den Stich ins Wespennest. Nigerias mächtiger Ölkonzern lasse Milliardensummen in dunklen Kanälen versickern, so sein Urteil. Dafür wurde er von Ex-Präsident Jonathan gefeuert.
Video
© BP p.l.cVideoNigeria im Ölpreisschock
Dunkle Zeiten in Nigeria. Der sinkende Ölpreis hat gravierende Konsequenzen für die Wirtschaft. Werften brechen Aufträge weg. Die Zulieferindustrie, etwa Dienstleister für Ölplattformen machen pleite.
Bevölkerungsreichstes Land Afrikas
Das Bevölkerungswachstum in Nigeria liegt derzeit bei etwa 3%. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 etwa 440 Millionen Menschen in dem westafrikanischen Land leben - derzeit wohnen 170 Millionen Einwohner in Nigeria. Damit ist Nigeria heute das fünftbevölkerungsreichste Land der Erde.
Stärkste Wirtschaftsmacht Afrikas
Nach einer kürzlich veröffentlichten Neuberechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist Nigeria mit 510 Milliarden US-Dollar (371 Mrd. Euro) auch stärkste Wirtschaftsmacht Afrikas und hat damit den langjährigen Spitzenreiter Südafrika überholt.

Die jährlichen Wachstumsraten liegen zwischen sechs und acht Prozent - vor allem dank der riesigen Ölvorkommen im Nigerdelta. Öl und Gas machen 97% der Exporte aus und sorgen für 70% der Staatseinnahmen.
Nigerias schmutzige Geschäfte
"Besser als gar kein Job", sagt der 19jährige Son. Der Nigerianer betreibt mit ein paar Kumpels im Nigerdelta eine illegale Raffinerie. Aus dem Wasser des Niger filtern sie Ölreste - die Folge von Umweltverschmutzung und Vandalismus. Für den Schwarzmarkt brennen sie daraus Benzin, Kerosin und Diesel.
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