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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Eine seltene Erscheinung in Afrika: Nigerias ehemaliger Notenbankgouverneur Lamido Sanusi. © reuters Lupe
Eine seltene Erscheinung in Afrika: Nigerias ehemaliger Notenbankgouverneur Lamido Sanusi.
Das Imperium schlägt zurück
Nigerias Präsident feuert Notenbankchef
Lamido Sanusi, Nigerias angesehener Notenbankchef, wagte den Stich ins Wespennest. Nigerias mächtiger Ölkonzern lasse Milliardensummen in dunklen Kanälen versickern, so sein Urteil. Dafür wurde er von Präsident Jonathan gefeuert.
Nigeria, Afrikas größte Vokswirtschaft, überrascht die Welt schon seit etlichen Jahren mit hohen Wachstumsraten und bemerkenswerter Resistenz, man könnte sagen Unverwüstlichkeit, gegen Rückschläge aller Art. Dies hat das westafrikanische Land ganz wesentlich einem Glücksfall zu verdanken: Lamido Sanusi. Sanusi übernahm 2009 das Ruder der nigerianischen Notenbank. Es gelang ihm, den Einfluss von Korruption, Inkompetenz und Vetternwirtschaft auf die Wirtschaft wenigstens einzudämmen. Sanusi selbst sollte dies am Ende kein Glück bringen.

Seinen Ruf, gewürdigt durch die Wahl zum Notenbanker des Jahres 2010, erarbeitete sich Sanusi während der globalen Finanzkrise. 2009 stand das Bankensystem in Nigeria - und damit das Herz der Wirtschaft - vor dem Kollaps. Auf der Jagt nach Rendite hatten die Banken in großem Stil hochspekulative Kredite zum Kauf von Aktien vergeben. Mit dem Einbruch der nigerianischen Börse um rund zwei Drittel brach das System wie ein Kartenhaus zusammen.

Sanusi rettete 10 Banken per bail out, verschärfte die Regulierung, zwang die Geldhäuser zur Beschaffung von mehr Eigenklapital, stellte das Finanzsystem Nigerias auf eine solide Basis, legte sich mit den Vorständen der Banken an, zwang 8 von 24 Bankenbossen zum Rücktritt, zerrte sie vor Gericht - und das, obwohl diese engste Verbindungen in die politische Elite des Landes hatten. Damit macht man sich nicht nur Freunde.

Herz der Finsternis
© ap Lupe
Nigerias Ölwirtschaft ist ein einziger Sumpf. Hier versickert Öl in der Landschaft, woanders versickert das Geld.
Die Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) ist der staatliche Ölkonzern, der die gesamte nigerianische Ölwirtschaft kontrolliert. Nigeria ist mit 2,0 bis 2,2 Mio. Barrel pro Tag eines der wichtigsten Ölförderländer der Welt. Die Einnahmen finanzieren etwa 70% des Staatshaushalts. Selbst für nigerianische Verhältnisse gilt der staatliche Ölkonzern NNPC als Kapitale der Korruption. Das wundert nicht - schließlich gibt es dort das meiste Geld.

Bereits in den Jahren 2012 und 2013 sanken die von NNPC ausgewiesenen Öleinnahmen, obwohl die Fördermenge relativ konstant blieb und der Ölpreis konstant hoch. Durch den allseits bekannten Diebstahl aus Pipelines allein war dies nicht zu erklären. Lamido Sanusi war beileibe nicht der einzige, der sich fragte, was da los sei, aber offenbar der erste, der der Sache ernsthaft nachging.

Schleichender Aderlass
Das Ergebnis: Die NNPC-Zahlen stimmen vorne und hinten nicht. Gegenüber einem Senatskomitee legte die Notenbank im Februar 2014 auf mehreren hundert Seiten das Ergebnis ihrer Untersuchung dar. In den 19 Monaten zwischen Januar 2012 und Juli 2013 seien rund 20 Milliarden Dollar verschwunden. Für ein Land wie Nigeria ist dies ein ungeheuer hoher Betrag. Er entspricht etwa 5% der gesamten Wirtschaftsleistung.

So sei über ein Konstrukt von Scheinfirmen Geld in großen Mengen außer Landes geschafft worden. Außerdem behauptet NNPC, 8,5 Milliarden Dollar habe man für Treibstoffsubventionen aufwenden müssen, davon allein fast zwei Milliarden Dollar für Kerosin. Tatsächlich sind Treibstoffsubventionen aber gesenkt worden, die für Kerosin bereits im Jahr 2009 komplett abgeschafft. Das Geld, so legt Sanusis Untersuchung nahe, sei also irgendwo versickert.

"Brutalstmögliche Aufklärung"
Sanusis unerhörte Veröffentlichung löste ein Erdbeben aus. Nigerias Bevölkerung sah sich in ihrem kollektiven Glauben an die unerschöpflichen Selbstbereicherungskräfte des Landes bestätigt. Nirgendwo jedoch war die Empörung so groß wie in der politischen Elite selbst. Was folgte, war der Schwur zu brutalstmöglicher Aufklärung des Skandals.

Die ging so. Erstens: Der Ölkonzern NNPC erklärte, die Vorwürfe der Veruntreuung seien haltlos. Sanusi verstehe nichts von den "Besonderheiten der Ölindustrie". Zweitens: Die Spitzen von NNPC, Finanzministerium und dem mächtigen Ölministerium kündigen eine eigene Untersuchung an. Drittens: Nigerias Präsident Goodluck Jonathan, selbst zahlreicher Korruptionsskandale beschuldigt, suspendierte Sanusi mit sofortiger Wirkung wegen "finanzieller Fahrlässigkeit" und "weitreichender Unregelmäßigkeiten" - was auch immer das genau heißen mag. Orchestriert wurde das Vorgehen durch eine Schmierenkampagne in den Medien.

Heute stellt sich Präsident Jonathan, ein Christ aus dem Süden, zur Wiederwahl. Mit Lamido Sanusi, einem Muslim aus dem Norden, konnte er sich rechtzeitig eines lästigen Mahners wider die Korruption entledigen.

Nigeria: Präsidentschaftswahl
Goodluck oder goodbye
Nigerias Amtsinhaber mit dem verheißungsvollen Namen Goodluck Jonathan war 2011 als Hoffnungsträger einer neuen Politik ins Präsidentenamt gestartet. Viel Glück hat er dem Land nicht gebracht. Heute klammert er sich an die Macht.
Video
© BP p.l.cVideoNigeria im Ölpreisschock
Dunkle Zeiten in Nigeria. Der sinkende Ölpreis hat gravierende Konsequenzen für die Wirtschaft. Werften brechen Aufträge weg. Die Zulieferindustrie, etwa Dienstleister für Ölplattformen machen pleite.
Zentralbank als Stabilitätsanker
Der Respekt, den Lamido Sanusi sich mit der Lösung von Nigerias Bankenkrise erwerben konnte, war eine wichtige vertrauensbildende Maßnahme für Investoren im In- und Ausland.

Im Inland gelang es ihm, die Kreditvergabe zu normalisieren und die Inflationsrate in den einstelligen Bereich zu drücken. Das ist in Afrika keineswegs selbstverständlich. Eine niedrige Inflaton ist besonders wichtig für die in Armut lebende Mehrheit der Bevölkerung, da diese ihr ganzes Geld für Konsum ausgibt und von hohen Preissteigerungsraten unmittelbar betroffen ist.

Was den Außenwert der nigerianischen Naira angeht, versuchte Sanusi ihn möglichst stabil zum Dollar zu halten (siehe Chart). Dieses Vorhaben gleicht im Prinzip einem Kampf gegen Windmühlen, da wohlhabende Nigerianer ihr Geld lieber außer Landes schaffen. Auch die versickernden Ölmilliarden fließen auf Auslandskonten und finden ihren Niederschlag in einer negativen Leistungsbilanz.

Dennoch gelang es Sanusi mit seiner konsequenten Politik auch Kapital aus dem Ausland anzulocken, das für Investitionen dringend erforderlich war. 2013 konnte Nigeria auf dem internationalen Kapitalmarkt mit einer Dollar-Anleihe 1 Miliarde einsammeln.
Nigerias Währung
© XE Currency ChartsWährend Sanusis Amtszeit (2009-2014) bliebt der Wechselkurs der nigerianischen Naira zum US-Dollar realtiv stabil. Vorher und nachher war die Kapitalflucht erheblich. Ausländische Investoren stehen erstmal an der Seitenlinie.
Nigerias schmutzige Geschäfte
"Besser als gar kein Job", sagt der 19jährige Son. Der Nigerianer betreibt mit ein paar Kumpels im Nigerdelta eine illegale Raffinerie. Für den Schwarzmarkt brennen sie Benzin, Kerosin und Diesel.