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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Nigerias amtierender Präsident Goodluck Jonathan lächelt von riesigen Plakatwänden - ob er so die Wahl erneut gewinnt? © reuters Lupe
Noch im Wahlkampf lächelte Nigerias Ex-Präsident Goodluck Jonathan von riesigen Plakatwänden. Genützt hat es ihm nichts.
Goodby für Goodluck
Nigeria wählt einen neuen Präsidenten
Der Mann mit dem verheißungsvollen Namen Goodluck Jonathan war 2011 als Hoffnungsträger einer neuen Politik in Nigerias Präsidentenamt gestartet. Viel Glück hat er dem Land nicht gebracht.

Eigentlich könnte Nigeria ein Schmuckstück Afrikas sein: Das Land ist vielfältig und ölreich, besitzt eine große ökonomische Dynamik und eine gute Portion Erfindungsreichtum - und eine junge, erfolgshungrige und stark wachsende Bevölkerung. Schon jetzt ist jeder sechste Afrikaner ein Nigerianer.

In den vergangenen 15 Jahren war Nigeria mit durchschnittlich etwa 10% eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Das westafrikanische Land hat kürzlich sogar Südafrika als größte Wirtschaft des afrikanischen Kontinents abgelöst. Im vergangenen Jahr musste gar das Bruttosozialprodukt nach oben korrigiert werden, weil relativ neue Branchen wie die mobile Telefonie Nigeria starke Wachstumszahlen bescherten.

Ölpreisverfall trifft Nigeria schwer
Der erdölreiche Süden ist die Haupteinnahmequelle des Landes. 90% der Exporteinnahmen des westafrikanischen Landes hängen am Öltropf, das Haushaltsbudget speist sich zu 70% aus den Öleinnahmen. Der dramatische Fall des Ölpreises in den letzten Monaten hat Nigeria besonders schwer getroffen. Denn das Land verfügt gleichzeitig kaum über Devisen-Reserven. Die Deutsche Bank schätzt, dass Nigeria in diesem Jahr einen Ölpreis von 123 Dollar je Fass für einen ausgeglichenen Haushalt bräuchte. Davon ist der Marktpreis von derzeit 50 Dollar weit entfernt.

Der Preisverfall hat zu drastischen Maßnahmen geführt: Die Zinsen wurden auf eine Rekordhöhe von 13% angehoben, um Geld im Land zu halten und Kapitalflucht zu vermeiden. Der Finanzminister schlug eine Kürzung des Haushalts um 8% vor - keine leichte Aufgabe angesichts des Kampfes gegen die islamistische Terrororganisation Boko Haram, der Millionen verschlingt.

Zerrissenes Land
Die Islamisten nutzen die ethnische und politische Zerrissenheit des Landes. Der muslimische Norden steht einem christlichen Süden gegenüber. Die rund 170 Millionen Einwohner gehören vielen unterschiedlichen ethnischen Gruppen und Stämmen an und sprechen etwa 500 verschiedene Sprachen. Zwischen den Volksgruppen herrscht Misstrauen und Konkurrenz um die reichen Pfründe des Landes. Die Korruption blüht.

Neben den reichen Eliten aus Militär und Ölwirtschaft leben viele Menschen als verarmte Bauern oder in riesigen Slums am Existenzminimum. Zwar ist die Wirtschaftsleistung pro Kopf heute mit 6100 Dollar deutlich höher als im Jahr 2000 (3400 Dollar), trotzdem ist dieser Aufschwung an vielen Nigerianern vorbeigegangen. Ein Präsident, der Nigeria einen und führen könnte, ist nicht in Sicht.

Regierung hat abgewirtschaftet
Die Wahl ist richtungsentscheidend für Nigerias angeschlagene Demokratie. Seit sechzehn Jahren erst wird in dem Land frei gewählt. Von diesen 16 Jahren hat der Süden 13 Jahre lang den Präsidenten gestellt, der Norden nur drei Jahre. Vielerorts allerdings wird auch hier geschmiert und getrickst. Am Ende bestand die Staatsspitze immer aus einem Kompromiss zwischen den Interessen von Nord und Süd, und immer bedienten sich die Eliten schamlos am Reichtum des Landes.

Dem Christen Goodluck Jonathan, werden zwar gute Absichten nachgesagt, doch er ist ein politisches Leichtgewicht im Sumpf der nigerianischen Machtinteressen. Die Machtzirkel seiner PDP haben abgewirtschaftet. Viele Nigerianer trauen seinem Gegenkandidaten, dem Muslim Muhammadu Buhari, eher zu, diesen Sumpf trocken zu legen.

Jonathan ließ Wahl verschieben
Der 72jährige Buhari hatte das Land bereits Mitte der 80er Jahre kurze Zeit an der Spitze des damaligen Militärregimes regiert. Buhari erreicht mit seinen Wahlversprechen, die Korruption im Land kompromisslos zu bekämpfen, auch christliche Wähler, denn der Wunsch nach Wandel ist groß. Nie standen die Chancen so gut, an der Wahlurne einen Machtwechsel herbeizuführen.

Dass nun, wo der Machtwechsel in greifbare Nähe rückte, die Wahlen plötzlich "aus Sicherheitsgründen" verschoben wurden, gibt zu denken. Bis zum neuen Wahltermin am 28. März sollte Boko Haram besiegt werden, um einen ordnungsgemäßen Ablauf der Wahl zu garantieren, so die offizielle Begründung. Doch ein schneller Sieg gegen die Terrortruppe innerhalb weniger Wochen gelang nicht.

Im Schatten der Scharia
Vielmehr ist Boko Haram auch heute alles andere als besiegt. Auch wenn die islamistischen Milizen durch gemeinsame Angriffe der Militärs von Nigeria, Tschad und Niger zuletzt 36 eroberte Ortschaften wieder räumen mussten, lässt die Verbündung mit der terroristischen IS-Miliz nichts Gutes ahnen.

Erst in der letzten Woche nahmen die Extremisten etwa 500 junge Frauen und Kinder in dem Ort Damasak gefangen, töteten ungefähr 50 und entführten die übrigen. Die vor einem Jahr von der Miliz verschleppten 230 Schülerinnen sind immer noch nicht befreit - für das Land eine offene Wunde und eine Mahnung, dass die Regierung über weite Teile des Landes die Kontrolle dauerhaft verloren zu haben scheint - und keine ausreichenden Gegenmaßnahmen ergriffen hat.

© ORF/Kubefilm Lupe
Kämpfer der islamistischen Terrororganisation Boko-Haram.
Niemand weiß, wie viele Männer Boko Haram unter Waffen hat, die Schätzungen reichen von 9000 bis zu 20.000. Die Terrortruppe, die seit sechs Jahren Angst und Schrecken in der Region verbreitet, wird nicht in wenigen Wochen besiegt werden.

Entscheidend dabei wird auch sein, wie die nigerianischen Behörden mit der Bevölkerung in den zurückeroberten Gebieten umgehen. Nicht der Wunsch, ein Kalifat zu errichten, treibt viele junge Nigerianer in die Arme von Boko Haram, sondern die Korruption und die Grausamkeit von Polizei und Armee. Auch daran müsste sich viel ändern - Ansätze dazu gibt es aber bislang nicht.

Korruption im Ölsumpf
Das Imperium schlägt zurück
Lamido Sanusi, Nigerias angesehener Notenbankchef, wagte den Stich ins Wespennest. Nigerias mächtiger Ölkonzern lasse Milliardensummen in dunklen Kanälen versickern, so sein Urteil. Dafür wurde er von Präsident Jonathan gefeuert.
Video
© BP p.l.cVideoNigeria im Ölpreisschock
Dunkle Zeiten in Nigeria. Der sinkende Ölpreis hat gravierende Konsequenzen für die Wirtschaft. Werften brechen Aufträge weg. Die Zulieferindustrie, etwa Dienstleister für Ölplattformen machen pleite.
Bevölkerungsreichstes Land Afrikas
Das Bevölkerungswachstum in Nigeria liegt derzeit bei etwa 3%. Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 etwa 440 Millionen Menschen in dem westafrikanischen Land leben - derzeit wohnen 170 Millionen Einwohner in Nigeria. Damit wäre Nigeria fast doppelt so dicht besiedelt wie Deutschland und nach China und Indien die Nummer drei unter den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt.
Stärkste Wirtschaftsmacht Afrikas
Nach einer kürzlich veröffentlichten Neuberechnung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist Nigeria mit 510 Milliarden US-Dollar (371 Mrd. Euro) auch stärkste Wirtschaftsmacht Afrikas und hat damit den langjährigen Spitzenreiter Südafrika überholt.

Die jährlichen Wachstumsraten liegen zwischen sechs und acht Prozent - vor allem dank der riesigen Ölvorkommen im Nigerdelta. Öl und Gas machen 97% der Exporte aus und sorgen für 70% der Staatseinnahmen.
Nigerias schmutzige Geschäfte
"Besser als gar kein Job", sagt der 19jährige Son. Der Nigerianer betreibt mit ein paar Kumpels im Nigerdelta eine illegale Raffinerie. Aus dem Wasser des Niger filtern sie Ölreste - die Folge von Umweltverschmutzung und Vandalismus. Für den Schwarzmarkt brennen sie daraus Benzin, Kerosin und Diesel.
"Jeder kann Boko Haram sein"
Beinahe stündlich verzeichnet Nigeria Anschläge der Sekte Boko Haram. Das ganze Land ist wie paralysiert. Der Journalist Michael Obert war für das "Geo"-Magazin in Nigeria und hat eine große Reportage über die Boko Haram geschrieben. Darin erzählt er, wie die Islamistensekte innerhalb von zehn Jahren zu einer der gefährlichsten Terrororganisationen der Welt wurde.
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