Freitag 21.00 Uhr
Kalender
Dezember 2017
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
27
28
29
30
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
Navigationselement
Der Tower der Europäischen Zentralbank beherrscht die Skyline von Frankfurt. © ap Video
Der Tower der Europäischen Zentralbank beherrscht die Skyline von Frankfurt.
[>> "EZB: Die neue Macht am Main" - Dokumentation ansehen]

Im Auge des Sturms
EZB zeigt sich immun gegen Protest
Eines muss man EZB-Chef Mario Draghi lassen: Er hat Steher-Qualitäten. Der lautstärkste Protest gegen seine Politik kommt heute aus dem linken Blockupy-Camp, der ernsthafteste aus der marktliberalen Bundesbank. Trotzdem zieht er seine Politik durch.
Die feierliche Eröffnung der neuen Zentrale der Europäischen Zentralbank wird von gewaltsamen Ausschreitungen überschattet. Etliche Gewalttäter aus dem Umfeld der Blockupy-Bewegung werden verhaftet, mehrere Hundert vorübergehend in Gewahrsam genommen.

Für die Blockupy-Demonstranten ist die neue EZB-Zentrale das Symbol einer völlig verfehlten Krisenpolitik in den südlichen Euro-Ländern. Sie werfen der EZB vor, mit ihrer Politik die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher zu machen. "Es gibt nichts zu feiern an Sparpolitik und Verarmung!" heißt es im Protest-Aufruf der Bewegung.

Gefeiert werden sollte eigentlich schon. So war zumindest der Plan der EZB. Der Bau des markanten Hochhauses am Ufer des Mains drückt der Skyline Frankfurts seinen Stempel auf. Kostenpunkt: 1,3 Milliarden Euro. In der EZB-Zentrale arbeiten rund 2600 Menschen.

EZB kauft Anleihen für zehn Milliarden Euro
Protest gegen die Europäische Zentralbank und ihre Krisenpolitik gibt es aber nicht nur aus der Blockupy-Ecke. Das im Januar beschlossene Anleihekaufprogramm in Billionenhöhe stößt in Deutschland auf den Widerstand weiter Teile der Bevölkerung und der ökonomischen Wissenschaft. Trotzdem nimmt das Programm, das im März offiziell gestartet wurde, Fahrt auf.

Die europäischen Währungshüter haben in der ersten Woche Titel für fast zehn Milliarden Euro erworben. Die EZB teilte am Montag in Frankfurt mit, bis zum vergangenen Freitag seien Anleihen für 9,751 Milliarden Euro gekauft worden. Die EZB hatte das Kaufprogramm vor einer Woche gestartet. Sie will nun wöchentlich über die Volumina berichten. Die EZB will bis mindestens September 2016 pro Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro erwerben (siehe Infokasten "Draghis Bazooka").

EZB setzt auf Turboeffekt und hebt Prognose
Die Idee: Einer sich dank des gefallenen Ölpreises bereits langsam aufrappelnden Konjunktur im Euro-Raum soll geldpolitisch mit der Notenpresse der entscheidende zusätzliche Wachstumsschub gegeben werden. "Wir haben das genau am Wendepunkt gemacht", sagte ein hochrangiger Zentralbanker unlängst. Doch manche Stimmen warnen: In Ländern wie Deutschland, die des zusätzlichen Schubes womöglich gar nicht bedürfen, könnte es zu einer Überhitzung etwa auf dem Immobilienmarkt kommen. Bei hinterherhinkenden Ländern hingegen könnte die Geldflut zu Reformmüdigkeit führen.

Wie stark die Währungshüter an den Erfolg ihres Programms glauben, wird an ihren Anfang März angehobenen Wachstumsprognosen für die Euro-Zone deutlich. Die EZB rechnet jetzt für 2015 mit einem Plus von 1,5% statt bislang 1,0%. Im Jahr 2017, dann dürfte das Kaufprogramm seine volle Wirkung gezeigt haben - so die Hoffnung, soll das Wachstum in der Euro-Zone bereits 2,1% betragen und die Inflationsrate bei 1,8% liegen.

Das Inflationsziel der Notenbanker von mittelfristig knapp unter zwei Prozent wäre dann in greifbarer Nähe. Doch bis dahin ist der Weg weit: Im Februar war die Teuerung im Währungsraum mit minus 0,3% sogar noch negativ. Draghi ist nicht so vermessen, eine Aufwärtsbewegung allein den Zentralbank-Manövern zuzuschreiben. "Aber unsere Geldpolitik unterstützt sicherlich die Erholung", ist sich der EZB-Chef sicher.

Anleiherenditen auf Rekordtief
© Halvers Kapitalmarkt Monitor Lupe
Wie dieser Vergleich aus Halvers Kapitalmarkt Monitor zeigt, fallen die Renditen auf europäische Staatsanleihen immer weiter. Stichtag der Grafik war der 6. März, seither hat sich der Trend fortgesetzt. Spanische Anleihen rentieren heute unter einem Prozent.
Eine Folge der ultraexpansiven Geldpolitik ist schon jetzt erkennbar: Die Renditen vieler Staatsanleihen markierten in den vergangenen Tagen ein Rekordtief nach dem anderen. Auch von der Finanzkrise gebeutelte Länder wie Spanien und Portugal können sich inzwischen so günstig refinanzieren wie schon seit langem nicht. Die Rendite der zehnjährigen spanischen Papiere war mit 0,993% zuletzt unter die Marke von einem Prozent gefallen. Zehnjährige portugiesische Papiere warfen zeitweise nur noch 1,523% ab. Noch 2012 hatten die Renditen zehnjähriger spanischer Papiere zeitweise über der kritischen Marke von sieben Prozent gelegen.

Manche Notenbanker sehen deshalb die Gefahr, dass Länder Reformanstrengungen jetzt schleifen lassen und es gleichsam gemütlicher angehen. "Das gilt natürlich nicht nur für die von der Krise besonders betroffenen Länder, sondern auch für große Länder wie Frankreich und Italien", warnt Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann. Die EU-Kommission hatte Frankreich jüngst bis 2017 Zeit gegeben, um das Defizit wieder unter die vorgeschriebene Grenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Bisher war die Frist dafür dieses Jahr. "In der Hinsicht kann einem Frankreich durchaus Sorge bereiten", so der Bundesbank-Präsident.

Investoren werden in riskante Anlagen gedrängt
Auf der anderen Seite dürften Investoren auf der Suche nach Rendite wegen der extrem niedrigen Marktzinsen bei Staatsanleihen nun verstärkt in riskantere Märkte abwandern. Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret hatte bereits im Januar vor einer Überhitzung des deutschen Immobilienmarktes gewarnt. Denn die Wahrscheinlichkeit für Vermögenspreisblasen wachse durch die Staatsanleihenkäufe.

"Einen Sturm haben wir zurzeit nicht, aber der Wind hat merklich aufgefrischt," so seine Warnung. Vor allem die Immobilienpreise in Großstädten waren zuletzt kräftig gestiegen. Auch der deutsche Aktienmarkt eilt inzwischen von Rekord zu Rekord. Am Montag durchbrach der deutsche Leitindex Dax sogar zum ersten Mal die Marke von 12.000 Zählern.

Dass die große neue Geldflut auch Gefahren birgt, geben EZB-Banker unumwunden zu. "Wir sind uns bewusst, dass unsere Maßnahmen einige Risiken für die Finanzstabilität enthalten können," sagte Draghi vor wenigen Tagen auf einer Fachkonferenz. Die Folgen negativer Marktzinsen bei Staatsanleihen sind eine große Unbekannte.

Das Risiko negativer Zinsen
"Ich hab den Eindruck, dass wir die ganze Auswirkung negativer Zinsen in vielen Fällen nicht verstehen", räumte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny ein. "Ich bin ein bisschen nervös - es könnte so etwas geben wie zu viel Erfolg", sagte der österreichische Notenbank-Gouverneur. Sollten Anleihen über einen großen Teil der Zinskurve hinweg - also von kurzlaufenden bis hin zu langlaufenden Anleihen - negative Renditen aufweisen, würden die Papiere als Anlage für viele Investoren praktisch ganz ausfallen. Das könnte die Bonds-Märkte erheblich durcheinanderwirbeln.

Die Rendite kurzlaufender zweijähriger Bundesanleihen liegt bereits unter dem Einlagenzinssatz von minus 0,2% - der Bodenlinie, unter die Anleihen-Renditen im EZB-Kaufprogramm nicht fallen dürfen. Fünfjährige Bundesanleihen weisen eine negative Rendite auf, siebenjährige liegen nur knapp oberhalb der Nulllinie.

In Summe bedeutet das: Die Refinanzierungskosten für Deutschland bleiben weiterhin extrem niedrig. Dazu kommt eine sehr robuste Konjunktur: Bundesbankpräsident Weidmann erwartet für Deutschland inzwischen dieses Jahr ein Wachstum von 1,5%. Manche Währungshüter fragen sich daher: Ist das Anleihenkaufprogramm für Europas größte Volkswirtschaft jetzt die richtige Lösung?

Wirtschaftsdokumentation
EZB: Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
Gesellschaft
Im Namen des Krawalls
Dass es nicht gerade friedlich zugehen würde bei der Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main, war vorauszusehen. Doch dass militante Antikapitalisten aus ganz Europa den Osten der Mainmetropole in eine Gewaltkulisse verwandeln würden, nicht.
Währung
Der Fall des Euro
Seit einem Jahr ist der Euro auf Talfahrt. 25% hat er gegenüber dem Dollar bereits verloren, die Hälfte davon allein in den letzten zwei Monaten. Begonnen hat alles mit einer Andeutung von EZB-Chef Mario Draghi.
Eurokurs
© EZBDie ganze Wahrheit
Da der Wechselkurs der Euro zu einer anderen Währung - und sei es eine so wichtige wie der US-Dollar - nie die ganze Wahrheit sagt, berechnet die EZB den Euro zu einem ganzen Währungskorb. Der "Effective Exchange Rate Index" (EER-19) umfasst 19 Währungen gewichtet nach dem Handelsvolumen ihrer Volkswirtschaften mit der Eurozone. Der dickste Brocken in diesem Korb ist der chinesische Yuan, erst an zweiter Stelle kommt der US-Dollar. Verlust des Euro über das letzte Jahr: 15%
Draghis Bazooka
Die EZB will bis mindestens September 2016 pro Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro erwerben. Untergrenze für Staatsbonds ist dabei eine Rendite von minus 0,2 Prozent. EZB-Präsident Mario Draghi will mit dem Programm die Kreditvergabe der Banken im Euro-Raum und damit die Konjunktur anschieben. So soll die aktuell sehr niedrige Inflation wieder nach oben getrieben werden. Das Inflationsziel der EZB liegt bei knapp unter zwei Prozent. Davon ist die Teuerung - mit minus 0,3 Prozent im Februar - meilenweit entfernt.

Maximal können 33 Prozent der ausstehenden Anleihe-Schulden eines Landes erworben werden. Zudem dürfen nur bis zu 25 Prozent eines im Umlauf befindlichen einzelnen Schuldtitels aufgekauft werden. Zugelassen sind Staatsbonds mit einer Bonitätsnote von mindestens "BBB-". Das ist ein Tick über dem sogenannten Ramsch-Niveau, das auf große Ausfallrisiken hindeutet. Griechische sowie zyprische Staatsanleihen sind zunächst nicht Teil des Programms.
EZB-Milliardenprogramm
© reutersDie letzte Patrone
Seit zweieinhalb Jahren bereitet die EZB das Publikum darauf vor, zur Not Staatsanleihen zu kaufen. Jetzt ist es soweit. Not ist da. Zweifel an der Wirksamkeit auch. In den USA hat es geholfen, in Japan nicht.
makro-Sendung
Schicksalstage für den Euro
Der Euro sei zu stark, hieß es vor einem Jahr. Deshalb laufe die Wirtschaft nicht. Jetzt ist der Euro schwach, die Zinsen bei null. Die Wirtschaft läuft immer noch nicht. Die EZB versucht es nun mit der ganz großen Keule.