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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Bernhard Klinzing erklärt im Interview den Ölpreisverfall - und für wen es jetzt eng wird. - Video ansehen © dpa Video
Bernhard Klinzing analysiert die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Ölpreisverfalls - und für wen es jetzt eng wird.
Kahlschlag bei Öl-Investitionen
Warum das billige Öl gefährlich ist
Der Boom-Bust-Zyklus der Ölbranche ist gerade in der Bust-Phase. Für Verbraucher ist es ein Segen, für Ölfirmen ein Fluch. Die Branche reagiert mit sparen, kürzen, streichen. 1 Billion Dollar stehen auf der Kippe.
Noch vor kurzem trieb uns der hohe Ölpreis Tränen in die Augen: Deutschland vernagelt seine Hausfassaden mit Styropor, um Heizkosten zu sparen. An der Tankstelle wird Bioethanol als Öl-Alternative angepriesen, auch wenn hierfür massenweise wertvolles Ackerland benötigt wird. Und mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien versucht das Land, nach dem Atom-Aus nicht vollends am teuren Erdöl zugrunde zu gehen. Noch vor einem Jahr lag der Erdölpreis über 100 Dollar. Und jetzt?

Die Tränen sind getrocknet, und man reibt sich wiederum die Augen. Diesmal vor Verwunderung: Der Ölpreis hat sich in etwa halbiert. Trotz der Krisen und Kriege in Nahost und im noch näheren Osten Europas. Und auch eine dramatische Weltwirtschaftskrise ist als Erklärung bislang nicht auszumachen.

USA fördert mehr Öl als Saudi-Arabien
Die Gründe für den Absturz liegen im Westen: Die Weltenergiemärkte sind in einem Umbruch, dessen Ausmaß noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war. Die USA sind zum größten Ölproduzenten der Welt aufgestiegen, noch vor Russland und Saudi-Arabien.

Amerika und Kanada durchsieben ihren Boden. Mit Hilfe des umstrittenen Fracking-Verfahrens werden riesige Mengen an Schieferöl und -gas aus dem Erdreich herausgepresst. Zwischen 2006 und 2014 haben die USA ihre Rohölförderung fast verdoppelt auf knapp 10 Mio. Barrel pro Tag. Ergebnis: Jetzt wird weltweit mehr gefördert als nachgefragt.

Das Öl sprudelt, der Preis fällt, die Konjunkturaussichten steigen. Geopolitisch löst sich Amerika aus der Abhängigkeit von arabischem Erdöl. Kriege ums Schwarze Gold muss Washington nicht mehr führen und besitzt trotzdem mehr Einfluss auf die Ölpreisentwicklung als jemals zuvor. Länder wie Iran, Venezuela oder Russland spüren dies längst.

Ölförderer streichen Investitionen zusammen
Doch der Segen des Fracking-Öls ist zugleich ein Fluch für Nordamerikas eigene Ölbranche. Der Preisverfall trifft die Produzenten hart, denn die Fördermethoden, egal ob Fracking oder Tiefseebohrungen sind teuer und aufwendig. Bei Ölpreisen unter 70 bis 80 Dollar rechnen sie sich kaum.

Seit Anfang des Jahres häufen sich bereits die Meldungen über Investitionsstreichungen und Stellenabbau im Ölsektor. Allein BHP Billiton hat angekündigt, zehn von 26 Fracking-Bohranlagen in den USA bis Juli 2015 zu schließen, weitere Stilllegungen nicht ausgeschlossen. Auch Zulieferer wie Baker Hughes stehen unter Druck: Der Öldienstleister trennt sich von rund elf Prozent seiner Belegschaft. ConocoPhillips erwägt, seine Gas-Förderlizenzen in Westkanada zu verkaufen.

Branche muss sich neu erfinden
Die Konsequenzen für die Branche? Erstens: Kostensenkungen. Ölförderer und ihre Zulieferer werden ihre Kosten um insgesamt 20-30% drücken müssen, sagt Goldman Sachs. Big Oil, die größten Ölfirmen, werden ihre Milliarden-Investitionsbudgets um 30% kürzen.

Zweitens: Konsolidierung. Die Branche wird sich neu sortieren. Es gibt Firmen mit guten Projekten aber wenig Kapital und es gibt Firmen mit guter Kapitalausstattung aber schlechten Projekten. Am Ende werden die finanziell soliden Unternehmen ihre Ladenhüter abstoßen und den klammen Firmen die profitablen Projekte abkaufen.

Ölpreis bald bei 200 Dollar?
Lupe
Ölpreis 2000 - 2015
Und weitergehende volkswirtschaftliche Konsequenzen sind nicht auszuschließen, wenn die Abwärtsspirale aus sinkenden Steuereinnahmen, Entlassungen hochbezahlter Mitarbeiter, fallenden Gehältern, Einschnitten ins soziale Netz und abflauendem Konsum in Bewegung kommt.

Mitten in dieses Szenario kommt ein Warnruf aus Italien: Der Vorstandschef des Energiekonzerns Eni, Claudio Descalzi, warnte beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Wenn die Investitionen in neue Förderprojekte wegen des aktuellen Preisverfalls weiter zurückgefahren würden, könnte der Ölpreis bald auf 200 Dollar steigen. Aus einem jetzt noch lachenden Auge könnten also schon bald wieder Tränen fließen.

Im Interview (siehe Video-Link oben) analysiert Rohstoff-Experte Bernhard M. Klinzing vom Frankfurter Börsenbrief die politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Ölpreisverfalls.

Sendedaten
Freitag, 13. März 2015, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Ölpreis
© VWDLupeDas Nordseeöl der Marke Brent gilt als globale Benchmark für den Preis von Öl. Der Chart zeigt zwischen 2007 und 2015 zwei markante Abstürze. Zum einen in der globalen Finanzkrise, als der Ölpreis von seinem Rekordhoch bei fast 150 USD auf 30 USD einbrach. Zum anderen ab Sommer 2014, ausgelöst durch das Überangebot durch Fracking, die Entscheidung der Opec, die Fördermenge nicht zu drosseln, und nicht zuletzt das globale Wachstum, welches hinter den Erwartungen zurückblieb.
Interview zum Ölpreisverfall
© finanzen100Video"Pistole auf der Brust"
Bernhard Klinzing vom Frankfurter Börsenbrief, am 13. März zu Gast bei makro, weiß alles über Öl. Wie reagiert die Branche auf den Preisverfall? Und was sind die Folgen? In einem Vorabinterview nennt er Gewinner und Verlierer.
Das Goldman-Orakel
1 Billion Dollar auf der Kippe
Die US-Investmentbank Goldman Sachs kam bereits im Dezember 2014 in einer Studie über den Ölsektor zu dem Ergebnis, dass bei einem Ölpreis von unter 70 USD ein Investitionsvolumen von fast 1 Billion USD auf der Kippe steht. Insbesondere die technisch anspruchsvollen und teuren Projekte in der Arktis, Offshore und die Gewinnung aus Ölsanden, werden wirtschaftlich unattraktiv.

Goldman Sachs hat hierfür die 400 weltgrößten Öl- und Gasvorkommen - ohne US-Schiefervorkommen - auf ihre Wirtschaftlichkeit abgeklopft. Weniger als ein Drittel der Projekte sei bei einem Ölpreis von unter 70 USD pro Barrel noch profitabel. Die große Mehrheit, Projekte mit einem Investitionsvolumen von 930 Mrd. USD, seien es nicht.

Falls diese Vorhaben tatsächlich auf Eis gelegt würden, so fiele die globale Fördermenge im Jahr 2025 um 7,5 Mio. Barrel pro Tag niedriger aus. Das macht ca. 8% der gegenwärtigen weltweiten Nachfrage.

Das von Goldman skizzierte Szenario beschreibt eine Welt mit 70 USD pro Barrel Öl. Tatsächlich liegt der Preis heute sogar deutlich niedriger, was den Umfang der betroffenen Investitionen noch einmal ausweitet und die daraus folgende zukünftige Produktionslücke vergrößert.
Schwerpunkt
Öl & Gas
Kaum ein Thema ist von derart tiefgreifender Bedeutung wie die Versorgung mit Energie. Öl ist das Blut der Weltwirtschaft. Die entscheidende Frage dabei: Wer hat die meisten Reserven. Die großen westlichen Ölkonzerne verfügen übrigens nur über rund zehn Prozent.