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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Der Mythos Gold ist ungebrochen. © ap Lupe
"Gold - Träume, Staub und großes Geld"
Stabile Seitenlage
Gold zwischen allen Fronten
Gold ist der Albtraum der Notenbanken. Es sagt die Wahrheit über den Wert einer Währung. Es ist ein Maß für die Angst, ein feiner Seismograph für Krisen. Und ein hoher Goldpreis ist definitiv ein schlechtes Zeichen.
"Es scheint, als sei die Welt aus den Fugen geraten", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Dezember 2014. Krieg in der Ukraine, die Barbarei des IS, Flüchtlingsflut über das Mittelmeer, Irans Flirt mit der Bombe. Jetzt noch islamistischer Terror in Paris und Kopenhagen und die durchaus spannende Frage, ob Griechenland aus dem Euro fliegt. Flankiert wird die düstere Szenerie durch die Gelddruckerei der Notenbanken.

Mit anderen Worten: Das perfekte Umfeld für Gold. Und was macht der Goldpreis? Nichts.

Die Wirklichkeit zerrt am Gold, aber die Kräfte neutralisieren sich. Die Krisen stützen den Preis, sind aber nicht so existentiell bedrohlich, dass Gold darauf ernsthaft anspringen würde. Das Niedrigzinsumfeld, teils gar negative Zinsen stützen das Gold, weil Sparanlagen keine Rendite mehr abwerfen. Auch die Anleihekäufe der EZB lassen die Leute zum Gold greifen. Auf der anderen Seite lockt die mächtige amerikanische Notenbank mit ihrer Ankündigung, bald die Zinsen zu erhöhen, Anleger aus dem Gold wieder in den Dollarraum, zum Beispiel in amerikanische Staatsanleihen.

Seit seinem Höchststand im Jahr 2011 bei 1900 Dollar ging es zunächst abwärts, allein 2013 um etwa ein Drittel, seither etwas gemächlicher. Die Luft ist erst mal raus und die Goldfreunde, die sogenannten Gold Bugs, stehen wie immer als Deppen da. Damit bestätigt das Edelmetall das in der Finanzwelt gerne gepflegte Vorurteil als überflüssige Skurrilität.

Antimaterie des modernen Finanzmarkts
Für die moderne Finanzindustrie, geprägt von jungen, mutigen, oft übermütigen High Potentials, die gestützt auf komplexe mathematische Modelle Milliarden per Mausklick bewegen, ist physisches Gold einfach voll die Steinzeit. Selbst lebenskluge Investoren wie Warren Buffett können dem Edelmetall nichts abgewinnen: "Gold wird aus dem Boden gegraben, in Afrika oder wo auch immer. Dann schmelzen wir es ein, buddeln ein anderes Loch, vergraben es wieder und bezahlen Leute, um es zu bewachen. Es hat keinen Nutzwert. Jeder Beobachter vom Mars kratzt sich am Kopf." (Originalzitat siehe Infokasten)

Heute dümpelt die Unze Gold bei etwa 1200 Dollar vor sich hin. Das Schlüsselwort in diesem Satz lautet Dollar. Denn für den leidgeplagten Eurozonenbewohner sieht die Sache ganz anders aus. Seit einem Jahr befindet sich der Goldpreis in einem schönen Aufwärtstrend. Das liegt vor allem am schwächelnden Euro, aber der ist in Euroland nun mal das Maß der Dinge.

Produktionskosten bei 1200 Dollar pro Unze
Im Mai 2014 hat sich makro zuletzt mit dem Thema Gold beschäftigt. Studiogast Bernhard Klinzing, Finanzmarktexperte vom Frankfurter Börsenbrief, prognostizierte, dass der Goldpreis nicht dauerhaft unter etwa 1200 Dollar fallen werde (siehe Interview rechts).

Seine Begründung: Die Produktionskosten der Minenbetreiber liegen bei rund 1200 Dollar pro Unze. Darunter wäre eine Förderung nicht profitabel. Das Angebot würde sich verknappen und der Preis in der Folge wieder steigen. Und tatsächlich findet der Goldpreis seit Mitte 2013 bei 1200 Dollar bzw. 900 Euro eine gute Unterstützung.

Der Einfluss des Öls
Andere äußern sich deutlich pessimistischer. Die Analysten von Goldman Sachs prognostizierten zeitweise einen Fall auf 900 Dollar. Bernhard Klinzing wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Goldmänner zeitgleich ihre eigenen Goldbestände aufgestockt haben. Das eine öffentlich zu sagen und das Gegenteil selbst zu tun, ist in der Finanzwelt nicht unüblich. Wenn es sich rechnet.

Der niedrige Ölpreis und die insgesamt gefallenen Energiekosten könnten den Goldpreis aber doch noch in die Knie zwingen. Sie stehen für einen erheblichen Teil der Produktionskosten. Es ist kein Zufall, dass der Anstieg des Goldpreises seit der Jahrtausendwende mit dem gleichzeitigen Anstieg der Energiekosten einherging. Fallen diese nun, wäre die Goldförderung auch unter 1200 Dollar rentabel.

Das meiste Gold wird zu Schmuck
© World Gold Council Lupe
Goldkäufe 2014 im Vergleich zu 2013 in Tonnen.
Jede Unze Gold, die jemals gefördert wurde, so sagt man, sei heute noch irgendwo im Umlauf. Zu wertvoll ist das Edelmetall, um es wegzuwerfen. Den Gesamtbestand schätzt das World Gold Council auf 177.200 Tonnen - ein Würfel mit 21 Metern Kantenlänge. Das meiste Gold, knapp die Hälfte, existiert als Schmuck.

Und auch 2014 endete wieder der größte Teil der 3924 t umfassenden Goldproduktion als Schmuck - 2153 t. 905 t Gold wurden zu Investmentzwecken gekauft und 477 t von Zentralbanken, allen voran von Russland (173 t), Kasachstan (48 t) und Irak (48 t).

Indien ist die Nummer eins
Die größte Goldnachfrage kommt heute aus Asien. Allein Kunden aus Indien und China standen 2014 für 54% der weltweiten Goldkäufe, insgesamt mehr als 1600 t. Besonders in Indien hat Gold große Bedeutung, sei es aus Tradition oder als Antwort auf eine schwindsüchtige Währung. Mehr als 800 t Gold haben Inder 2014 erworben, davon 662 t als Schmuck.

Die weltweite Goldproduktion erreichte laut World Gold Council 2014 mit 3114 t einen neuen Rekord. Ab 2015 rechnet man eher mit einer stagnierenden oder gar fallenden Produktion. Die meisten Unternehmen stehen aufgrund des niedrigeren Goldpreises mit dem Rücken zur Wand, ihre Aktien stehen schlecht wie mitten im Börsencrash der Finanzkrise. Seit zwei Jahren nun fahren sie die Investitionen in neue Projekte immer weiter zurück. Dies sollte den Preis mittelfristig stützen.

Sendungstipp
Gold - Träume, Staub und großes Geld
45-minütige Dokumentation
Freitag, 20. Februar 2015, 20.15 Uhr
Goldreserven
© World Gold CouncilLupeIn dieser Tabelle listet das World Gold Council die größten Goldreserven der Welt auf. Es führt die Notenbank der USA vor der Deutschen Bundesbank und dem Internationalen Währungsfonds (IMF). Nicht aufgeführt ist hier der größte mit physischem Gold hinterlegte börsengehandelte Goldfonds SPDR Gold Trust mit aktuell 770 t.
Thema der Sendung: Gold
© McKinsey Global InstituteMythos Gold
Kein Metall übt auf uns Menschen so große Anziehungskraft aus wie Gold. Es steht für Sicherheit und Stabilität, gilt als Krisenwährung und Rettungsanker. Und um kein Metall gibt es so viele Spekulationen und Verschwörungstheorien.
Interview mit Bernhard Klinzing
VideoBernhard Klinzing vom Frankfurter Börsenbrief und Studiogast bei makro, sagt Gold eine, nun ja, goldenen Zukunft voraus. Begründung: steigende Nachfrage aus Asien, das viele Papiergeld, eine sinkende Fördermenge. (09.05.2014)
Warren Buffett über Gold
"Gold gets dug out of the ground in Africa, or someplace. Then we melt it down, dig another hole, bury it again and pay people to stand around guarding it. It has no utility. Anyone watching from Mars would be scratching their head."
Charts: Gold in USD
© goldprice.orgDie Entwicklung des Goldpreises über verschiedene Zeiträume finden Sie auf der Seite von goldprice.org.
Charts: Gold in EUR
© goldprice.orgFür europäische Anleger war Gold in der schlimmsten Phase der Eurokrise gegen Ende 2012 besonders wertvoll und auch Anfang 2015 zeigt es Stärke - anders als für Dollar-Anleger. (vgl. Bild oben).
Schwerpunkt
Rohstoffe
Mehr zu Rohstoffen und ihrer Förderung finden Sie hier.