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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Entrindete Baumstämme: Von allen Rohstoffmärkten ist der für Holz wohl der komplizierteste. Lupe
Entrindete Baumstämme: Von allen Rohstoffmärkten ist der für Holz wohl der komplizierteste.
Ausgebaut
Amerikas Holzbranche stürzt ins Konjunkturtief
Das Platzen der amerikanischen Immobilienblase brachte auch die Holzbranche zu Fall. Die hängt direkt an der Bauindustrie: Der Ami baut halt gerne mit Holz. Wenn er nicht baut, so wie jetzt, übernehmen die Chinesen.
Der Markt für Holz ist speziell, sehr speziell. Obwohl er volumenmäßig zu den bedeutendsten Rohstoffmärkten der Welt gehört, unterscheidet er sich komplett von anderen Märkten. Ein Barrel Öl ist ein Barrel Öl und hat die bekannten Referenzpreise WTI und Brent. Eine Tonne Kupfer, eine Unze Gold, ein Bushel Weizen lassen sich rund um die Welt und rund um die Uhr an Rohstoffbörsen handeln.

Das Kreuz mit dem Holz
Bei Holz gibt es nicht einmal einen einheitlichen Preis. Vielmehr gibt es Preise für Buche, Fichte, Eiche, Kiefer und Douglasie, für Teak, Amarillo, Mahagoni, Okoumé - und jede Menge anderer Baumarten. Es gibt Preise für dicke Bäume (wertvoll) und dünne (eher nicht so). Für hochwertiges Holz mit wenig Astungen oder weniger hochwertiges mit vielen Astungen. Für Bäume mit Rinde oder entrindete Bäume. Preise inklusive Transport zum Zielort (free on board) oder ohne. Und dann gibt es Preise für jede erdenkliche weitere Verarbeitungsstufe.

Wie gesagt, der Markt für Holz ist kompliziert.

Neben dem Blick auf den deutschen Holzmarkt, dem wir uns in der makro-Sendung an diesem Freitag widmen, hier einmal ein Ausflug über den großen Teich nach Nordamerika. Die Verhältnisse auf dem dortigen Holzmarkt sind, es wundert nicht, anders als in Deutschland.

Holzpreise im Keller
© colourbox Lupe
Nadelwald im Westen der USA: Die Exporte gehen heute überwiegend nach China.
Viel stärker noch als bei uns hängt das Holz dort an der Baubranche. In Mittel- und Südeuropa wird vor allem mit Stein und Beton gebaut, in den USA und Kanada hat der Baustoff Holz für den privaten Hausbau eine viel größere Bedeutung. Kurz gesagt: Boomt die Bauindustrie, dann boomt die Holzbrache; liegt die Bauindustrie am Boden, liegt die Holzbranche dort auch.

Dem Platzen der amerikanischen Immobilienblase, die ja bekanntlich die globale Finanzkrise zur Folge hatte, ging ein Bauboom voraus, der weit jenseits des tatsächlichen Bedarfs lag. Jeder, der es wollte und auch mancher, der es nicht wollte, bekam einen Kredit und fing an zu bauen. Im Jahr 2005 erreichte die wichtigste Kenngröße, die sogenannten Baubeginne, mit 2,07 Mio. ihren Höhepunkt. Bis zum Jahr 2009 brachen die Baubeginne dann auf 0,55 Mio. ein, haben sich also grob geviertelt.

Für die Holzbranche in Nordamerika war dieser Absturz verheerend. Die Holzpreise brachen ein, wie die Entwicklung bei der Douglasfichte zeigt (siehe Infokasten). Und das, obwohl die Waldbesitzer natürlich weit weniger eingeschlagen haben, als bei gut laufender Konjunktur. So hat zum Beispiel Rayonier, ein großer amerikanischer Forstkonzern, seine Ernte pro Hektar im Nordwesten der USA von 53 m3 im Jahr 2006 auf 28 m3 in 2009 reduziert.

Hungriger Drache
Was dem nordamerikanischen Holzmarkt, insbesondere an der Westküste, als rettender Strohhalm diente und auch heute noch dient, ist der wachsende Holzhunger Chinas. Neben dem traditionellen Absatzmarkt Japan ist China in kürzester Zeit als wichtigster Abnehmer amerikanischer Holzexporte auf den Plan getreten (siehe Infokasten). Dieser glücklichen Fügung hat es die amerikanische Holzindustrie zu verdanken, dass sich zumindest die Preise an der Westküste wieder erholen konnten.

Im Süden und Osten der USA, von wo aus Exporte nach Asien aufgrund der hohen Transportkosten unrentabel sind, bleiben die Holzpreise bis heute, Jahre nach dem Platzen der Immobilienblase, im Keller. Solange die Baubeginne wie für 2015 geschätzt immer noch bei weit unterdurchschnittlichen 1,1 bis 1,2 Mio. liegen, werden die Holzpreise ihre alten Höchststände noch lange Zeit nicht wieder erreichen.

Sendedaten
Freitag, 13. Februar 2015, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Thema der Sendung
Forstwirtschaft: Hunger auf Holz
Der Rohstoff Holz erlebt eine Renaissance. Seine Bedeutung als Energierohstoff steigt, als Baumaterial wird es immer beliebter. Obendrein gilt Holz als nachhaltig. Es wächst nur viel zu langsam.
Douglasfichte
© WeyerhaeuserLupeDie Grafik zeigt die Preisentwicklung für Rohholz der Douglasfichte an der amerikanischen Westküste. Auf dem Höhepunkt der Immobilienblase lag der Preis bei ca. 650 $/MBF (MBF steht für 1000 Board Feet, der in Nordamerika für Holz gebräuchlichen Volumenbezeichnung). Mitte 2009 sank der Preis auf ca. 350 $/MBF. Die Erholung seither ist auf die starke Nachfrage aus Asien zurückzuführen.

Die Nachfrage aus der Baubranche ist noch vergleichsweise schwach und trägt daher auch nur moderat zum bisherigen Preisanstieg bei. Dies verdeutlicht die Preisentwicklung von Kiefern-Rohholz im Süden der USA. Hier, wo kaum nach Asien exportiert wird, hängt die Entwicklung fast vollständig an der heimischen Konjunktur. Der Preis hat gerade einmal seine Bodenbildung beendet.
Exporte nach Asien
© WeyerhaeuserLupeIn der Vergangenheit war für den amerikanischen Westen nur Japan als Exportmarkt für Douglasfichten interessant. Mit zunehmendem Wohlstand und stabiler Nachfrage nach Holzbauweise, haben auch Koreaner ihr Faible für amerikanisches Holz entdeckt.

Seit 2009 ist China auf den Plan getreten - angetrieben durch massive heimische Konjunkturprogramme und Baumaßnahmen, mit denen Peking die Folgen der globalen Finanzkrise abzufedern suchte. Zudem waren die gefallenen Holzpreise für den neuen Käufer attraktiv. Heute sorgen der steigende Wohlstand und die Urbanisierung für anhaltende Nachfrage. Das Reich der Mitte dominiert zu etwa zwei Dritteln den Markt für amerikanische Holzexporte.