Freitag 21.00 Uhr
Kalender
September 2016
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
29
30
31
0102
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
01
02
Vorschau
Sendung am 30. September
Der Erdogan Abschwung
Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei. Doch die autoritäre Politik von Präsident Erdogan hat zu einer starken Abkühlung der wirtschaftlichen Beziehungen geführt.
Navigationselement
Rückblick
Sendung vom 23. September
Europa nach dem Brexit
Der Schock über den Brexit hallt nach. In Großbritannien sortiert sich eine neue Regierung und Rest-Europa steckt in der Sinnkrise. Ob der EU-Gipgfel in Bratislava neue Perspektiven bringt?
Navigationselement
Navigationselement
Skandale bei VW, Deutscher Bank und vor einigen Jahren Siemens werfen auch auf andere Unternehmen einen Schatten. © reuters Lupe
Skandale bei VW, Deutscher Bank und vor einigen Jahren Siemens werfen auch auf andere Unternehmen einen Schatten.
"Vertrauen ist angeknackst"
Skandale von VW und Co. nagen am Image
Firmenskandale untergraben den Ruf deutscher Wertarbeit. In den USA reagiert man mit Häme, in China mit Verwunderung. Prof. Matthias Fifka warnt im Interview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt vor dauerhaftem Schaden.
Während insgesamt der deutsche Export weiter brummt, trüben sich in den USA die Geschäfte der deutschen Autobauer ein. Das 3sat-Wirtschaftsmagazin "makro" sprach mit Prof. Matthias Fifka darüber, wie lange man bei der Diesel-Affäre noch von einem VW-Problem sprechen kann.

makro: Herr Prof. Fifka, BDI-Präsident Grillo geht davon aus, dass der Abgasskandal der Marke "made in Germany" nicht schade. Sprechen die Absatzzahlen der deutschen Autobauer in den USA nicht eine andere Sprache?

Matthias Fifka: Das tun sie. Die Verkaufszahlen von VW, BMW und Daimler sind im November und Dezember 2015, also den Monaten nach dem Bekanntwerden der Tragweite des Skandals, stark eingebrochen. Die drei amerikanischen Hersteller - General Motors, Ford und Fiat Chrysler - konnten ihre Verkäufe hingegen steigern. Die profitieren zwar auch stärker von den günstigen Spritpreisen, weil sie viele große SUVs und Pick-Ups im Angebot haben, aber zu sagen, dass der Skandal der Marke "made in Germany" nicht schade, halte ich für gewagt.

makro: Der stärkste Gegenwind kommt VW aus den USA entgegen. Manche vermuten, das läge an den TTIP-Verhandlungen, bei denen die Amerikaner ihre Position stärken wollen. Ist an dieser Vermutung etwas dran?

Matthias Fifka: Nein. Da werden Dinge vermengt, die nichts miteinander zu tun haben. Ich wüsste nicht, wie die Amerikaner damit substantiell ihre Position stärken sollten. Denn die EU wird dadurch bei den Verhandlungen ja nicht erpressbar. Der Vorfall zeigt aber, dass der im Kontext von TTIP häufig gemachte Vorwurf, die amerikanischen Behörden würden nur lax kontrollieren und Verbraucherschutz wäre in den USA nicht existent, nicht stimmt.

makro: In der weltweiten Autobranche sind Skandale und Rückrufaktionen an der Tagesordnung, weil Qualität oder sogar Sicherheit zum Teil nicht stimmen. Warum erzeugt ausgerechnet die VW-Affäre so viel Wirbel?

Matthias Fifka: Entscheidend ist die Frage, warum es zu technischen Mängeln kommt. Diese können durch Fahrlässigkeit entstehen, weil Menschen mit mangelnder Sorgfalt arbeiten. Sie können aber auch vorsätzlicher Natur sein; und hier ist es bei VW so, dass Mängel nicht nur bewusst in Kauf genommen wurden, sondern dass zielgerichtet manipuliert wurde.

Die Manipulation von Abgaswerten war Teil der Strategie. Das ist das Erschreckende - auch im Hinblick auf das Ausmaß. Bei ca. 11 Millionen manipulierten Fahrzeugen weltweit kann niemand mehr von einigen "faulen Äpfeln" im Unternehmen sprechen, die allein verantwortlich sind. Das wäre zwar praktisch bei der Aufarbeitung, entspricht aber nicht der Realität, da viel mehr Menschen involviert waren.

makro: Der einzige öffentliche Auftritt in den USA von VW-Chef Müller endete in einem PR-Desaster, weil er versuchte, den Skandal als "technisches Problem" herunterzuspielen. Ist der Konzern mit dem Krisenmanagement überfordert?

Matthias Fifka: Das würde ich generell so nicht sagen. Bisher hat VW das taktisch nicht schlecht gemacht. Wenn wir uns die USA anschauen, so ist VW dort immer wieder zu Kreuze gekrochen. Ich weiß nicht, wie oft der VW US-Chef Michael Horn gesagt hat, dass VW nicht ehrlich war, nicht ehrlich zu Kunden und nicht ehrlich zur Umweltschutzbehörde EPA. Auch wenn man das nur als Lippenbekenntnis abtun mag, so ist es unter Kommunikationsgesichtspunkten das, was die amerikanische Öffentlichkeit hören möchte.

Und dann kommt Herr Müller und sagt explizit, als er nach der Arbeit mit der EPA gefragt wird, "wir haben nicht gelogen". Da ging den Kommunikationsexperten bei VW vermutlich das Messer in der Hose auf. Die Antwort ist aber nicht nur ein PR-Desaster, sie zeigt auch, wie wenig Platz das technokratische Denken an der Konzernspitze für moralische Sensibilität lässt, selbst wenn diese nur artikuliert ist.

makro: Sie haben Gastprofessuren in Dallas und Shanghai. Welche Reaktionen auf die Abgas-Affäre erleben Sie dort?

Matthias Fifka: In Shanghai haben mich viele Menschen gefragt, was los ist mit deutscher Ingenieurskunst. Diese wurde immer als solide und qualitativ hochwertig wahrgenommen. Das Vertrauen in deutsche Produkte war deshalb sehr groß, aber dieses Vertrauen ist angeknackst. In den USA gab es eher Spott und Häme, weil wir Deutsche uns im Ausland gerne als strenge Kontrolleure und Umweltschützer gebärden. Da muss man sich unweigerlich die rhetorische Frage gefallen lassen, warum dann die Amerikaner die Vorfälle aufgeklärt haben und nicht die Deutschen selbst.

Sendedaten
makro
Made in Germany
Freitag, 29. Januar 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Reden Sie mit!
© dpaWie viele Kratzer verträgt das Gütesiegel "Made in Germany"? makro-Studiogast Prof. Matthias Fifka sagt, man dürfe Firmenskandale keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Diskutieren Sie mit!
Thema der Sendung
© reutersMade in Germany
Wie steht es aktuell um den Ruf von Produkten und Unternehmen aus Deutschland? Ist "Made in Germany" mit Blick auf den VW-Skandal noch ein Gütesiegel im In- und Ausland?
(Freitag, 29. Januar, 21.00 Uhr)
Zur Person
Prof. Dr. Matthias Fifka
Matthias Fifka ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind Unternehmensethik, Korruptionsforschung und Corporate Social Responsibility. Matthias Fifka ist u.a. Visiting Professor an der University of Dallas und der Shanghai Jiao Tong University.
Interview: VW-Skandal
VW - Immer Chefsache
Der Abgasskandal bei VW wirft ein Licht auf die dunkle Seite der mächtigen deutschen Autolobby. Auto ist immer Chefsache. makro-Moderatorin Eva Schmidt spricht mit Matthias Fifka, Professor für Unternehmensethik.
Interview: Deutsche Bank
"6000 offene Verfahren"
Die Deutsche Bank wird ihre Vergangenheit nicht los. Der besonders unangenehme Kirch-Prozess ist nur einer von 6000. Wie konnte es so weit kommen? makro fragt Matthias Fifka, Professor für Unternehmensethik.