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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Der Preis für Fleisch wird in den Supermärkten bestimmt. Hier ist billig Trumpf. © colourbox.de Lupe
Der Preis für Fleisch wird in den Supermärkten bestimmt. Hier ist billig Trumpf.
Weg vom Billigfleisch
Initiative Tierwohl will artgerechte Haltung fördern
4 Cent pro Kilo Fleisch fürs glückliche Tier. Damit will die Initiative Tierwohl den Preiskampf an der Fleischtheke bremsen. Es klingt nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Klar ist: Es ist zu wenig. Klar ist auch: Es ist besser als nichts.
Billig ist Trumpf an Deutschlands Fleischtheken. Mehr als 70% aller Fleischprodukte werden hierzulande in Sonderangeboten verramscht, oft als Köder, um die Kunden in die Märkte zu locken. Doch jedes Schnitzel hatte einmal Augen. Massentierhaltung, Antibiotika-Missbrauch, Tierquälerei: Dass sich daran etwas ändern muss, ist mittlerweile auch den Beteiligten aus der Fleischindustrie klar. Seit 2002 ist der Tierschutz im Grundgesetz verankert. Der Druck der Öffentlichkeit ist groß.

Mehr bezahlen müssen wohl künftig alle Verbraucher. Denn die großen Einzelhandelsketten haben sich abgesprochen und eine Initiative Tierwohl gegründet. Die Märkte werden Züchtern Geld für tierfreundlichere Haltung zahlen. Für jedes verkaufte Kilogramm Fleisch und Wurst geht ein Tierwohl-Beitrag von 4 Cent in einen Fonds.

Daraus erhalten die teilnehmenden Züchter bis zu 9 Euro mehr pro Schwein. Auch die Hühnerhaltung soll so verbessert werden. Strohhaufen, etwas Spielzeug und mehr Platz - das alles sieht nach wenig Aufwand aus. Und tatsächlich sind die Anforderungen geringer als etwa beim Label des Tierschutzbundes, das nicht von den Handelsketten unterstützt wird.

Niedrige Hürden, zu wenig Geld
"Was es so besonders macht", erklärt Sabine Ohm von der Tierschutzorganisation Provieh, "ist, dass es ein freiwilliges Anreizsystem ist, das den Bauern keine zu hohen Einstiegshürden legt." So sei die breite Masse der konventionellen Betriebe in der Lage teilzunehmen und könne in ihren Ställen das an Tierwohl umzusetzen, was im Rahmen ihrer Möglichkeiten liege.

Tatsächlich war das Interesse groß: 4730 Züchter bewarben sich für die Tierwohl-Förderung. Doch nur die Hälfte von ihnen wurde für die Teilnahme ausgelost. Für alle reichte das Geld nicht. 12 Mio. Schweine und 200 Mio. Hähnchen werden durch die Initiative nun artgerechter gehalten. Bei über 60 Mio. Schweinen und 600 Mio. Hähnchen, die jährlich in Deutschland geschlachtet werden, ist das nur ein erster Schritt.

Bloß ein Feigenblatt?
"Leider ist die finanzielle Ausstattung bisher viel zu gering", bedauert Harald Grethe, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats Agrarpolitik beim Landwirtschaftsministerium. "Wir haben da für den Bereich Schweine 60 Mio. Euro in diesem Jahr." 60 Mio. Euro sind etwa ein Euro pro Schwein. "Ein Euro pro Schwein ist zu wenig. Wir bräuchten also ein paar hundert Mio. Euro in diesem Fonds. Und das ist die Herausforderung für die Zukunft, den Einzelhandel mitzunehmen in dieser Aufstockung des Fonds."

Unterfinanziert von Anfang an, nur kleine Verbesserungen für die Tiere, und auch noch auf freiwilliger Basis - ist das Ganze also nur eine Feigenblatt-Aktion? Ja, meinen Tierschützer: "Die Branchenlösung selbst aber ist derzeit eine Methodik, die in keiner Weise dazu gedacht ist, nachhaltig wirklich sicher mehr Tierschutz zu schaffen", sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Sie sei politisch dazu gedacht, den Gesetzgeber zu bremsen, schärfere Gesetze zu erlassen. Das Motto dabei: "Wir tun ja selbst was, Gesetzgeber, lehn' dich zurück, du musst nichts tun!"

Immerhin: Die Großen machen mit
Der Verbraucher kann denn auch nur wenig mitbestimmen. Ein Etikett der Initiative Tierwohl gibt es (noch) nicht. An der Fleischtheke im Markt ist das tierfreundlichere Produkt deshalb nicht erkennbar. Wer Fleisch kauft, könne den Tierschutz trotzdem unterstützen, behauptet Alexander Hinrichs, Präsident der Initiative Tierwohl: Der Verbraucher könne Mitverantwortung übernehmen, indem er in Supermärkten kauft, die an der Initiative teilnehmen.

Bei aller Kritik ist die Initiative für viele Fachleute schon allein deshalb ein Erfolg, weil alle großen Supermärkte mitmachen. Darauf müsse man nun aufbauen. Denn letzten Endes bestimmen die Handelsketten, wieviel der Züchter verdient - und wieviel Tierschutz er davon bezahlen kann.

Sendedaten
makro
(R)evolution an der Fleischtheke
Freitag, 22. Januar 2016, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Fleisch-Sendung
Revolution an der Fleischtheke
Bilder aus der Massentierhaltung verderben vielen Verbrauchern den Appetit. Tierschutz spielt daher beim Verkauf von Fleisch eine wachsende Rolle. Aber Knackpunkt bleibt der Preis.
Archiv
Die Ware Tier
Im Laufe seines Lebens verspeist jeder Deutsche vermutlich mehr als 1000 Tiere. Darunter vier Kühe, 46 Schweine und 945 Hühner. makro zeigt, welche Bedeutung der Faktor Tier heute in der Wirtschaft einnimmt und welche Folgen dies für Mensch, Tier und Umwelt hat.
(makro, 20.01.2012)
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