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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Regierungschef Mariano Rajoy hat Spanien wieder auf Wachstumskurs gebracht. Über den Berg ist sein Land aber noch nicht. © reuters Lupe
Regierungschef Mariano Rajoy hat Spanien wieder auf Wachstumskurs gebracht. Über den Berg ist sein Land aber noch nicht.
Die Spanische Krankheit
Núñez: Spanien hat ein Mentalitätsproblem
Spaniens Wirtschaft wächst zwar wieder. Ein Grundproblem bleibe aber bestehen, diagnostiziert der Historiker Xosé M. Núñez im Interview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt: Spanien sei eine leistungsaverse Gesellschaft.
Spanien vor den Parlamentswahlen: In keinem anderen Industrieland Europas wächst die Wirtschaft momentan so schnell wie hier. Lässt Spanien die Krise also langsam hinter sich? Darüber sprach das Wirtschaftsmagazin makro mit dem Historiker Xosé M. Núñez.

makro: Spanien hat in diesem Jahr voraussichtlich ein Wachstum von gut drei Prozent. Kommt der Aufschwung bei den Menschen an?

Xosé M. Núñez: Bis auf eine dünne Schicht von großen und mittelständischen Unternehmern haben die meisten "gewöhnlichen" Spanier keine deutliche Verbesserung ihres Lebensstandards gespürt. Die Arbeitslosigkeit hat abgenommen, trotzdem muss man in Betracht ziehen, dass einerseits die Mehrheit der neuen Arbeitsplätze befristet (und größtenteils sehr kurz befristet) ist und dass andererseits viele qualifizierte Jugendliche ausgewandert sind. Außerdem hat sich die soziale Ungleichheit verschärft.

makro: Aber Ministerpräsident Mariano Rajoy verkündet, Spanien sei nicht mehr der kranke Mann Europas. Ist so viel Optimismus also unbegründet?

Xosé M. Núñez: Vielleicht liegt das Land nicht mehr auf der Intensivstation, doch ist es weit davon entfernt, das Krankenhaus verlassen zu können. Die Arbeitslosigkeit liegt immer noch bei über 20%, bei den Jugendlichen steigt sie auf 50%, die sozialen Kosten der Krise sind auf die Bevölkerung ungleich verteilt worden, die Leistungen des Wohlfahrtstaates haben sich deutlich verschlechtert. Das Lebensniveau der meisten Spanier wird voraussichtlich erst in einem Jahrzehnt wieder das Niveau von 2007/08 erreichen.

makro: Was müsste in Spanien passieren, damit mehr Arbeitsplätze und eine konkurrenzfähige Wirtschaft entstehen?

Xosé M. Núñez: Vor allem gilt es, strukturelle Reformen umzusetzen. Spanische Firmen sind durchschnittlich zu klein, um in der globalen Wirtschaft konkurrenzfähig zu agieren. Es werden wenige innovative Produkte hergestellt, zum Teil auch als Folge vergangener Umstrukturierungen der spanischen Industrie. Die spanische Wirtschaft ist zu abhängig vom Tourismus und Dienstleistungsbereich, während innovative Sektoren unterrepräsentiert sind. Man sollte das Bildungswesen verbessern und bestimmte Aspekte der Mentalität, die die spanische Gesellschaft tief prägen, verändern.

makro: Sie sprechen von Mentalität: Was genau wollen Sie denn da verändern?

Xosé M. Núñez: Damit meine ich nicht die typischen deutschen Vorurteile über Spanier wie Faulheit, Unpünktlichkeit usw., sondern eher die geringe soziale Wertschätzung von Bildung, beruflicher Qualifikation und Innovationsfähigkeit, die sowohl das spanische Bildungs- und Hochschulwesen als auch die freie Wirtschaft prägen. Kurz gefasst: Für die spanische "Rechte" ist Qualifikation weniger wichtig als soziale Herkunft, für die "Linke" gilt Leistung als potentiell unsolidarisch. Das verhindert, dass die spanische Gesellschaft zu einer echten Leistungsgesellschaft wird, und deshalb ziehen es viele gut qualifizierte junge Leute vor, ihre Karriere im Ausland zu machen.

makro: Selbst die Schwester des Königs steht bald vor Gericht. Ist das ein Zeichen dafür, dass die spanische Gesellschaft Korruption und Vetternwirtschaft nicht mehr länger hinnimmt?

Xosé M. Núñez: Vor 2010 wollten die wenigsten Spanier glauben, dass die Korruption nicht nur in bestimmte Ebenen der Gemeinde- und Regionalverwaltung vorgedrungen war, sondern auch in höhere Führungskreise und in die politischen Parteien. Eine positive Rückwirkung der Korruptionsskandale ist, dass die öffentliche Meinung die Vetternwirtschaft nicht mehr toleriert, auch deswegen, weil es jetzt nicht mehr so viel zu verteilen gibt. Dennoch bezweifele ich, dass populistische Antworten, deren Auswirkungen unberechenbar sind, das Problem wirklich lösen werden.

Sendedaten
makro
Musterschüler Spanien
Freitag, 4. Dezember 2015, 21.00 Uhr
Alles zur Spanien-Sendung
© reutersMusterschüler Spanien
Spaniens Reformbemühungen nach der Eurokrise gelten als mustergültig. Das Wirtschaftswachstum soll 2015 bei 3,1 Prozent liegen. Fast doppelt so viel wie Deutschland.
Zur Person
LupeProf. Xosé M. Núñez Seixas
Xosé M. Núñez Seixas lehrt Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der LMU München. Zuvor war er Professor an der Universität Santiago de Compostela. Sein Forschungsschwerpunkt ist die iberische Geschichte des 20. Jahrhunderts in vergleichender Perspektive.
Mediathek
© Markus BöhnischVideoPolitischer Frühling
Spanien steht politisch vor einem grundlegenden Wandel. Das Zwei-Parteien-System aus Konservativen und Sozialisten bekommt Konkurrenz von alternativen Parteien wie Podemos und Ciudadanos.
Schwerpunkt
Europa