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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Bericht ansehen: Trendsetter Deutschland © dpa Video
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Exportschlager Energiewende
Damit hätte niemand gerechnet
Das deutsche "Erneuerbare Energien Gesetz", einst heftig geschmäht, löste eine wahre Kettenreaktion aus. Es schuf einen globalen Markt, technologischen Fortschritt bei sauberer Energie - und jede Menge kleine EEGs weltweit.
Deutschland hat maßgeblich zum weltweiten Durchbruch grüner Energien beigetragen. Die Idee hinter der Energiewende: Eine Industrienation soll sich fortan mit klimafreundlicher Energie versorgen. Es wurden immense Fördermittel zum Bau von Windrädern, Solar- und Biogasanlagen aufgewendet. Die Nutzung von Erdwärme wurde erforscht. Die Energiewende mauserte sich schnell zum deutschen Vorzeigeprojekt mit weltweiter Anerkennung.

Die meisten Subventionen flossen in die Solarenergie. Im Jahr 2011, dem besten Jahr für die deutschen Solarfirmen, arbeiteten rund 110.000 Menschen in Deutschland in der Branche. Zu seiner Hochphase war der damalige Branchenprimus Solarworld an der Börse rund 1,5 Milliarden Euro wert. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartete damals bis zum Jahr 2020 einen Zuwachs auf mehr als 150.000 Jobs.

Dann ging das Licht aus
Doch es kam anders. Der damalige Weltmarktführer bei der Produktion von Solarzellen, Q-Cells aus Sachsen-Anhalt, meldete Insolvenz an. Kurz danach schlitterte Solarworld aus Bonn in die Pleite. Erst Investoren aus Katar halfen dem Unternehmen wieder auf die Beine.

Insgesamt gesehen schrumpfte der deutsche Solarmarkt in den letzten Jahren auf weniger als ein Viertel seiner einstigen Größe zurück. Besonders im Jahr 2012 stürzte der deutsche Solarmarkt heftig ab. Hauptgrund hierfür war die Konkurrenz aus Fernost. Im Jahr 2015 arbeiten gerade einmal noch 45.000 Menschen in Deutschland in der einstigen Boombranche. Solarworld hat im ersten Halbjahr 2015 rund 25 Millionen Euro Verlust eingefahren.

Das deutsche Argument der qualitativ hochwertigen Ware konnte viele Kunden nicht mehr überzeugen - längst werden die meisten Solarpanels nicht mehr in Deutschland, sondern in China produziert.

Dann kamen die Chinesen
Die Chinesen betreiben ein beispielloses Preisdumping. China bietet extrem günstige Produktionsmöglichkeiten, auch weil die Herstellung von Solarmodulen z.B. durch Staatskredite subventioniert wird. Die Importzölle, die EU und USA den chinesischen Herstellern aufbrummten, halten diese nicht auf, denn weltweit nimmt der Solarmarkt gerade Fahrt auf.

Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert einen Anstieg der weltweit installierten Photovoltaik-Kapazitäten von knapp 180 Gigawatt heute auf annähernd 4700 Gigawatt im Jahr 2050. Weltweit liegen die Wachstumsraten von Solaranlagen bei bis zu 30% pro Jahr. Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, werden an günstigen Solarstandorten nach und nach vom Markt gedrängt.

Die deutsche Energiewende hatte nicht nur weltweite Auswirkungen. Auch auf den deutschen Privatverbraucher kam einiges zu - vor allem ein schmaleres Portemonnaie. Grund hierfür ist ein Gesetz, dass mit der Energiewende vor 15 Jahren einherging: die sogenannte EEG-Umlage.

Ärger mit dem EEG
EEG steht für "Erneuerbare Energien Gesetz". Mit dem EEG verpflichtet sich ein Netzbetreiber, Strom aus Wind, Sonne, Geothermie oder Biomasse zu einem auf 20 Jahre garantierten Preis abzunehmen. Die Kosten tragen Privatleute, für Unternehmen gibt es jede Menge Vergünstigungen.

Jeder private Stromkunde muss inzwischen für jede Kilowattstunde, die er verbraucht, 6,17 Cent an EEG-Umlage überweisen. Das ist mehr als ein Viertel des gesamten Strompreises. Somit gaben im Jahr 2013 Deutschlands Stromverbraucher insgesamt 20 Milliarden Euro für die EEG-Umlage aus. In diesem Jahr steigen die prognostizierten Einnahmen aus der EEG-Umlage auf alle Verbraucher verteilt sogar auf 21,8 Milliarden Euro. Experten schätzen, dass die hiesige Energiewende bislang 100 Milliarden Euro gekostet hat.

Finanzieren konnten die Deutschen sich das logischerweise nur durch ein irrsinnig teures Einspeisegesetz, eben jene EEG-Umlage. Oft geäußerte Kritik: Photovoltaik wurde viel zu lange, viel zu üppig finanziert - zugunsten der Ober- und Mittelschicht. Auch Stromkunden jammern über höhere Preise, Kohlekumpels demonstrieren, genauso wie Umweltbewegte, die sich nicht gerne durch Stromtrassen die schöne Landschaft zerstören lassen.

Schwankende Basis
Im Jahr 2000, als der Startschuss für die Energiewende gegeben und das EEG-Gesetz etabliert wurde, machte der aus grüner Energie erzeugte Strom gerade einmal 7% des gesamten Stromverbrauchs aus. Zum Vergleich: 2014 deckte Deutschland 28% des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen. Im ersten Halbjahr 2015 waren es sogar 35%.

Das Problem dabei: Wind und Sonne, die beiden dominierenden erneuerbaren Energien im Land, sind nicht grundlastfähig. Es bereitet zunehmend Schwierigkeiten, mit einem so großen, schwankenden Anteil an Energie eine stabile Stromversorgung zu gewährleisten.

Deutschland als Vorreiter
Nichtsdestotrotz setzt man sich hohe Ziele: Bis 2020 soll der Teil der erneuerbaren Energien im Endstromverbrauch auf 35% steigen. In den kommenden zehn Jahren sollen zudem 4000 Kilometer an Hochspannungsleitungen errichtet werden. Der Voranschlag für die Gesamtkosten liegt jenseits von 20 Milliarden Euro - auch weil Bürgerverbände fordern, dass manche Stromtrassen unterirdisch verlegt werden.

Die Energiewende ist ein extrem teures Unterfangen, fast schon ein zu teures. Dennoch ist sie, wie es Klimakämpfer Klaus Töpfer nennt, das erfolgreichste deutsche "Entwicklungshilfeprojekt" der letzten Jahre. Dank Deutschlands Vorzeigerolle globalisierte sich die Energiewende unabhängig von den Schwierigkeiten daheim.nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Interview
VideoWas kostet die Energiewende?
Prof. Hans Martin Henning vom Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme glaubt, dass die Kosten für erneuerbare Energien wie Windkraft und Photovoltaik weiter fallen werden.
Klimagipfel
© USFWS - Sarah Swenty, cc-by-sa-2Entscheidung in Paris
Am Montag hat der Klimagipfel in Paris begonnen. Die Konferenz soll ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll liefern - mit verbindlichen Zusagen zum Klimaschutz.
Alles zur Energie-Sendung
Saubere Energie für unser Klima
Weg von Kohle, Öl und Gas - Der weltweite Energiehunger muß mit alternativen Energien gestillt werden. Die UN-Klima-Konferenz in Paris soll endlich den Durchbruch bringen.
Infografiken
© Fraunhofer ISELupeStromerzeugung in Deutschland
Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme hat eigens eine Webseite erstellt, auf der aktuelle und historische Daten zur deutschen Stromerzeugung grafisch aufbereitet werden: Fraunhofer ISE Energy Charts. Interessant ist zum Beispiel ein Vergleich der installierten Leistung (Nettokapazität) mit der tatsächlichen Stromerzeugung. So addieren sich Windräder, Solaranlagen, Biomasse und Wasserkraft zwar zu 55% der installierten Nettokapazität, machen aber nur rund ein Drittel der tatsächlichen Stromerzeugung aus. So steht zwar in den Sommermonaten der Solarstrom für rund 10% der deutschen Stromerzeugung, im Januar 2015 war es aber nur 1%.