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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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US-Präsident Barack Obama diskutiert das transpazifische Freihandelsabkommen mit vier ehemaligen Außenministern (vlnr.): Colin Powell, James Baker, Henry Kissenger und Madeleine Albright. © reuters Lupe
US-Präsident Barack Obama diskutiert das transpazifische Freihandelsabkommen mit vier ehemaligen Außenministern (vlnr.): Colin Powell, James Baker, Henry Kissenger und Madeleine Albright.
Amerikas neue Allianz
TPP: Freihandel soll Einfluss in Asien sichern
Die Trans-Pacific Partnership ist das größte und wichtigste Freihandelsabkommen der Welt: Es sichert Amerikas Einfluss in Asien, den Asiaten eine gewisse Unabhängigkeit von China - und setzt Europa unter Druck.
Nachdem bereits am 5. Oktober 2015 in Atlanta das Handelsbündnis TPP (Trans-Pacific Partnership) zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika sowie elf Pazifik-Anrainerstaaten beschlossen wurde, folgte nun im neuseeländischen Auckland die Unterzeichnung des Vetrags. Die Unterzeichnung der Transpazifischen Partnerschaft beendet zwar den Verhandlungsprozess. Nun müssen die Mitgliedstaaten aber innerhalb von zwei Jahren den Vertrag ratifizieren, bevor er verbindlich in Kraft treten kann.

Nach zähen Verhandlungen, die sich über eine Dauer von fünf Jahren erstreckten, einigten sich die jeweiligen Handelsvertreter der einzelnen Staaten auf ein Freihandelsabkommen, das die beiden größten Konkurrenten der USA im Welthandel, nämlich China und die Europäische Union, deutlich unter Druck setzen dürfte.

China wurde, obwohl es selbst Pazifik-Anrainer ist, außen vor gelassen. Für die an TPP beteiligten Staaten erschließt sich durch das Abkommen eine Freihandelszone die sich über die Weiten des Pazifiks von Japan bis nach Chile erstreckt.

Das Abkommen hat Gegner
Die transpazifische Freihandelszone könnte der größte ökonomische Pakt werden, den die Welz bisher gesehen hat. Doch noch ist das Vorhaben nicht in trockenen Tüchern: Der Beschluss der jeweiligen nationalen Parlamente steht noch aus. Besonders US-Präsident Barack Obama dürfte Mühe damit haben, sein Vorhaben im Kongress durchzuwinken: Dort stößt er nämlich auf deutliche Skepsis - besonders aus den Reihen der Demokraten.

Erschwerend kommt der anlaufende US-Präsidentschaftswahlkampf hinzu, in dem die öffentlichen Diskussionen gerne einmal etwas populistischer geführt werden. Ganz vorne mit dabei der republikanische Präsidentschaftsaspirant Donald Trump, generell um keine Verbal-Entgleisung verlegen. Er beschimpfte das von Obama unterstützte Abkommen via Twitter: "A terrible deal" ist TPP aus Sicht des Tycoons aus New York. Gleichzeitig unterstellt er den Initiatoren des Abkommens Inkompetenz. Der Autobauer Ford verurteilt ebenfalls das Abkommen, da man befürchtet, japanische Automobilexporte in die USA könnten signifikant billiger werden.

Größter Wirtschaftsraum der Welt
Die an TPP beteiligten Staaten stehen für bald 40% der weltweiten Wirtschaftsleistung. Das ausgesprochene Ziel der Vereinigung ist es, Handelshürden abzubauen und gemeinsame Standards für den abgesteckten Wirtschaftsraum zu setzen. Dank des Abkommens könnten innerstaatliche Bestimmungen, Zölle und andere Hindernisse im internationalen Handel überwunden werden: Laut New York Times würden insgesamt 18.000 verschiedene Zolltarife, die die beteiligten Staaten einst auf US-Amerikanische Exportprodukte wie Autos, Agrarerzeugnisse oder Maschinen veranschlagt hatten, entfallen.

Preise für alltägliche Produkte wie Käse bis hin zu den Kosten für Krebsbehandlungen könnten durch die gemeinsamen Handelsstandards gesenkt werden. Während der Verhandlungen wurde der Modell-Charakter dieses Abkommens deutlich: Die TPP-Staaten wollen gemeinsam Regeln schreiben (und etablieren), wo sie schon längst überfällig sind: Bei höheren Standards für Arbeitsbedingungen, Umweltschutz-Regelungen, beim Zugang zu Medizin oder beim Urheberschutz.

Motive der USA
Die offensiv betriebene Bindung Asiens an die US-Ökonomie ist ein strategischer Schachzug, mit dem die Vereinigten Staaten langfristig ihre Machtposition gegenüber dem globalen Konkurrenten China zu sichern suchen. Obama selbst sieht in dem TPP-Abkommen eine "Gelegenheit, die Chinesen daran zu hindern, die Regeln des Welthandels zu schreiben". Die US-Regierung geht davon aus, dass sich durch das Abkommen der Lebensstandard der Amerikaner erhört und die Armut gesenkt wird.

Und Europa? Abseits oder TTIP?
TPP schafft Fakten und wird Europa zunächst in eine Außenseiterrolle drängen - zumindest wenn die EU nicht bald selbst mit in den Ring steigt. Obama hat Asien zum Schwerpunkt seiner Außenpolitik gemacht.

Doch trotz der Hinwendung nach Asien haben die Amerikaner ihr Interesse am alten Handelspartner Europa nicht verloren. Durch das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) soll die Bindung an die EU gestärkt werden. Der Abschluss von TPP ist hier eine wirksame Drohkulisse in Richtung der Europäer.

Die vermeintliche Exklusion Europas aus den amerikanischen Handelswegen könnte am Ende sogar die TTIP-Verhandlungen forcieren und den eigentlich für 2016 geplanten Vertragsabschluss herbeiführen. Wie gesagt: TPP schafft Fakten.

Infografik
LupeTrans-Pacific Partnership
Die meisten Pazifik-Anrainer sind dabei. Auffällige Ausnahme: China. Fast alle südostasiatischen Länder fürchten den wachsenden Einfluss Chinas und haben ein Interesse an einem Gegengewicht. Die Vereinigten Staaten ihrerseits haben ein strategisches Interesse, ihren Einfluss in der Zukunftsregion Asien zu festigen. So kommt es, dass ein Land wie Vietnam, immerhin kommunistisch regiert, unter den Schutzschirm des einstigen Kriegsgegners USA schlüpft.
NAFTA
NAFTA steht für North American Free Trade Agreement. Dieser im Jahr 1994 gegründete Handelsraum umfasst die USA, Kanada und Mexiko. Die NAFTA gilt als Vorläufer für TPP, wenn auch nur im Kleinen.
Mehr bei Wikipedia
Südostasien
Chinas Vasallen
Jenseits der chinesischen Grenzen wächst ein Kordon aus Vasallen. Die Staaten Südostasiens können sich der neuen Supermacht nicht entziehen. Durch wirtschaftliche Kolonialisierung sichert China seinen Einfluss.