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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Nur die fortschrittlichsten afrikanischen Staaten werden von mehr internationalem Wettbewerb profitieren. Der Rest kommt unter die Räder. Lupe
Nur die fortschrittlichsten afrikanischen Staaten werden von mehr internationalem Wettbewerb profitieren. Der Rest kommt unter die Räder.
The biggest TTIP-Loser
Freihandelsabkommen wird Afrika abhängen
"TTIP wird die Abkopplungseffekte afrikanischer Staaten vom Weltmarkt beschleunigen", prophezeit der Entwicklungsökonom Robert Kappel im Vorabinterview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt.
Kaum ein anderes Abkommen beschäftigt die deutsche Öffentlichkeit so sehr wie das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP. Im Vordergrund stehen Ängste, TTIP werde den Verbraucherschutz in Europa absenken. Die wahren Verlierer des Abkommens sind aber nicht die Europäer, sondern die Afrikaner, erklärt Robert Kappel gegenüber makro-Moderatorin Eva Schmidt.

makro: Herr Prof. Kappel, Sie untersuchen gerade in einer Studie, auf welche Länder TTIP negative Auswirkungen hat. Welche Erkenntnis haben Sie bislang gewonnen?

Robert Kappel: TTIP wird die Abkopplungseffekte afrikanischer Staaten vom Weltmarkt beschleunigen. Nicht alle, aber die meisten Staaten Afrikas werden zu den Verlierern von TTIP gehören, denn sie können dem härteren Wettbewerb nicht standhalten. Insbesondere diejenigen Staaten, die vom Rohstoffexport abhängen, geraten ins Hintertreffen. Denn TTIP hat die Anhebung technologischer Standards zur Folge, das wird die Nachfrage nach Rohstoffen senken.

Allerdings können einige Länder, die in globale Wertschöpfungsketten eingebunden sind und bereits den höchsten Standards entsprechen - wie Kenias oder Ugandas Blumenindustrie oder Marokkos Autozulieferer - ihren Absatz steigern. Einige afrikanische Unternehmen liefern bereits heute zu höchsten Standards an europäische und nordamerikanische Supermarktketten Kaffee, Tee, Obst oder Gemüse. Sie könnten eher Nutzen aus der steigenden Nachfrage ziehen.

makro: Wird TTIP für einige Länder zur Folge haben, dass noch mehr Menschen fliehen?

Robert Kappel: Da die Effekte des TTIP sehr unterschiedlich in Afrika wirken, lassen sich keine generellen Schlussfolgerungen ziehen. Tatsächlich aber führt TTIP dazu, dass gerade die fragilen Staaten des Sahel, aus denen die meisten Flüchtlinge Afrikas kommen, eher noch weiter ins Abseits geraten. D.h. die Handelseffekte sind hier negativ. Vom Handel werden keine stabilisierenden Effekte ausgehen.

makro: War der EU-Afrika-Gipfel auf Malta ein Gewinn für die afrikanischen Staaten?

Robert Kappel: Nein. Die Ergebnisse der Konferenz von Malta werden die Fluchtursachen nicht beseitigen können. Die Sahelregion ist zu instabil, Terrorismus dehnt sich aus, politische Krisen nehmen zu, der Klimawandel zeigt sich deutlich durch die Bodenerosionen, so dass vor allem die Ärmsten der Armen keine Zukunftsperspektive haben. Das Bildungs- und Gesundheitssystem erreicht die Armen nicht. Arbeitslosigkeit ist besonders hoch unter jungen Menschen. Die Bereitschaft der afrikanischen Staaten, massiv den Kampf gegen diese soziale Degradation aufzunehmen, ist gering. D.h. die Vereinbarungen von Malta und die zur Verfügung gestellten Mittel von 1,8 Mrd. Euro werden an den Ursachen nichts ändern. Ein Tropfen auf dem heißen Stein.

makro: Wäre denn gerechterer Handel ein Mittel, um die Lage in vielen Staaten Afrikas zu verbessern?

Robert Kappel: Ein Handel, der zu einer stärkeren Beteiligung von afrikanischen Unternehmen in globalen Wertschöpfungsketten führt und das lokale Unternehmertum stärkt, wäre eine wichtige Maßnahme. Insbesondere müssen afrikanische Länder aber ihre Landwirtschaft modernisieren, die Produktivitäten anheben, industrielle Cluster fördern, die Infrastruktur ausbauen und den regionalen Handel verstärken. Unter diesen Voraussetzungen kann Afrika einen höheren Anteil am Welthandel erzielen.

makro: Viele Märkte in Afrika leiden unter Importen aus Europa. Denn Fleisch oder Textilien aus der EU sind z.T. billiger als heimische afrikanische Produkte. Wie können sich die Staaten Afrikas davor schützen?

Robert Kappel: Das Problem sind die hohen Subventionen von landwirtschaftlichen Produkten in der EU (und auch den USA), die zu einem unfairen Wettbewerb führen. D.h. afrikanische Produzenten können sich nur durch Importzölle vor der europäischen Konkurrenz schützen. Diese aber sollen gerade durch die wirtschaftlichen Partnerschaftsabkommen abgeschafft werden. Afrikanische Regierungen können sich nur durch zwei Maßnahmen schützen: Zum einen durch die Beibehaltung von Zöllen und Abwertung ihrer Währungen. Und zum anderen sollten sie die Entwicklung der Landwirtschaft, den Aufbau von Industrien und modernen Dienstleistungssektoren sowie den regionalen Handel vorantreiben.

Sendedaten
makro
Afrika wird abgezockt
Freitag, 27. November 2015,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Afrika-Senung
© reutersAfrika wird abgezockt
Freihandelsabkommen sollen Entwicklungsländern den Zugang zu den Märkten der Industrieländer öffnen. Im Falle Afrikas scheint aber genau das Gegenteil der Fall zu sein.
Zur Person
© Werner BartschProf. Robert Kappel
Der Entwicklungsökonom Prof. Robert Kappel beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Wirtschaft und Politik afrikanischer Staaten. Er war unter anderem Präsident des Hamburger Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA) und Professor an den Universitäten Hamburg und Leipzig.
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Investitionen in Afrika
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(makro, 25.09.2015)
Afrika
© apWege aus der Armutsfalle
Halbierung der extremen Armut und des Hungers lautete das wohl wichtigste Milleniumsziel, das die Vereinten Nationen im Jahr 2000 verabschiedeten. Doch viele Länder Afrikas haben es verfehlt.
(makro, 25.09.2015)
Schwerpunkt
Afrika
Publikation
Interviews mit Robert Kappel