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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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In den USA entstehen Kraftwerke, die so groß sind, dass man sie aus dem All erkennen kann. Hier: die Topaz Solar Farm (siehe auch Infokasten rechts). © NASA Earth Observatory image by Jesse Allen Lupe
In den USA entstehen Solarkraftwerke, die so groß sind, dass man sie aus dem All erkennen kann. Hier die Topaz Solar Farm (siehe auch Infokasten rechts).
Solar-Vorreiter USA
Photovoltaik erlebt ihren Durchbruch
Nichts ist stärker als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Im Südwesten der USA ist das die Photovoltaik. Hohe Wirkungsgrade moderner Solarzellen kombiniert mit viel Sonne erzeugen billigen Strom.
Der Solarmarkt in den USA hebt ab. So wurden in der ersten Hälfte des Jahres 2015 ein erneuter Rekord aufgestellt: Solaranlagen mit einer Kapazität von 2.722 Megawatt (MW) wurden installiert. Und der Boom geht weiter: Für den Zeitraum zwischen Juli 2015 und Dezember 2016 wird erwartet, dass auf dem US-Markt zusätzliche Photovoltaikanlagen von 18 Gigawatt errichtet werden.

Der Solaranteil am Strom in den USA wurde in den letzten Jahren verzwanzigfacht (siehe Graphik "Neuinstallationen in den USA"). Gründe hierfür sind vor allem die gefallenen Preise für Solaranlagen - dank immensem technischen Fortschritts.

Vorreiter Kalifornien
Dass die USA langfristig auf sauberen Strom umsteigen werden, lässt sich kaum noch verhindern. Machte man in der Vergangenheit durch die Nichtbeteiligung am Kyoto-Protokoll noch Negativschlagzeilen, bekennen sich die USA heute klar zu weniger CO2-Ausstoß. Noch sind sie der Pro-Kopf-Klimasünder Nummer Eins in der Welt, doch entpuppt sich besonders der Südwesten des Landes als idealer Solarstandort.

Zentrum der Solarstromproduktion der USA ist der Bundesstaat Kalifornien. 49% aller Solarmodule sind dort installiert - nicht verwunderlich, schließlich brennt in Kalifornien an 300 Tagen im Jahr die Sonne hernieder. Dort steht mit der Ende 2014 fertiggestellten Topaz Solar Farm auch die größte Photovoltaikanlage der Welt. Sie hat eine Nennleistung von 550 MW (siehe Infokasten "Topaz Solar Farm").

Unterstützung durch Politik und Bevölkerung
Sowohl aus der Bevölkerung als auch von der US-Regierung gibt es Unterstützung für grünen Strom: So bietet die Regierung Steuererleichterungen für Haushalte mit Ökostrom. Auch staatliche Bürgschaften für Energie-Forschungsprojekte bringen die Technologie weiter.

Allen voran hat sich US-Energieminister Ernest Moniz dem Klimawandel verschrieben: Für ihn ist Deutschland das Vorbild bei der Entwicklung von erneuerbaren Energien - vor allem bei Solar und Wind. Auch die Amerikaner denken langsam um: Inzwischen glauben 76%, dass der Klimawandel Realität sei.

Spürbar wird dieser Sinneswandel im Volk bei der öffentlichen Förderung von Projekten, wie dem Start-Up "Solar Roadways". Durch Crowdfunding konnten für das Projekt, das Straßen zu Solaranlagen macht, 2 Mio. Dollar mobilisiert werden (Stand: Juni 2014). Auch das US-Verkehrsministerium unterstützte das Start-Up mit 850.000 Dollar.

Die Rolle Obamas
Eine Schlüsselrolle spielt, neben dem einflussreichen Klimaaktivisten und Ex-Präsidentschaftskandidaten Al Gore, US-Präsident Barack Obama. Proklamierte er in seiner ersten Präsidentschaftskampagne, die unter dem inzwischen ikonographischen Titel "Change" stand, auch einen Klimawandel für die USA, vergaß er danach schnell seine eigenen Klimaideale.

© USFWS - Sarah Swenty, cc-by-sa-2 Lupe
Der Bau der Topaz Solar Farm dauerte drei Jahre.
Jetzt, da sich Obamas Amtszeit dem Ende zuneigt, greift er seine alten Wahlversprechen wieder auf: Obama macht mobil. Auch durch ein Video auf Facebook, mit dem er seinen Landsleuten zur Verantwortung mahnte. Unter dem Hashtag "#actonclimate" bezieht er all jene mit ein, die vielleicht dringend mal über ihren eigene Ökobilanz nachdenken sollten. Denn der amerikanische CO2-Ausstoß ist mit 7,8t pro Kopf und Jahr der höchste der Welt. Im Vergleich: Jeder Deutsche produziert 3,8t.

Obama hat ehrgeizige Ziele: Der CO2-Ausstoß soll bis 2025 um 26% unter das Niveau von 2005 gedrückt werden. Kraftwerke sollen bis 2030 ihren Ausstoß um 32% im Vergleich zu 2005 verringern. Ein Szenario, das zwangsläufig die Stilllegung hunderter Kohlekraftwerke erfordert. Obama will nach seinem Klimaschutz-Vorstoß nun auch Ökostrom stärker fördern: Ein 11 Mrd. Dollar schweres Bürgschaftsprogramm unterstützt Firmen bei der Finanzierung ihrer Projekte.

Strafzölle gegen China
Genau wie aus Deutschland erheben Solarfirmen in den USA Dumpingverwürfe gegen ihre chinesische Konkurrenz. Viele westliche Produzenten von Solarmodulen sind in die Pleite gerutscht, weil Kunden verstärkt auf billige chinesische Solarpanels setzen. In der Folge hat die Außenhandelsbehörde der USA Ausgleichszölle auf Solarzellen aus China erhoben, um amerikanische Unternehmen zu schützen. Genau wie in Europa liegt der Strafzoll bei 11,8% des Preises.

Allerdings sind solche Strafmaßnahmen in der globalisierten Welt ein relativ stumpfes Schwert, da die Produkte oft einfach über Drittländer wie Malaysia, Taiwan oder die Philippinen ohne das Branding "China" geliefert werden. Da durch die Einführung der Zölle die Preise für Solarmodule eher steigen, wird der weitere Ausbau der Photovoltaik eher etwas gebremst.

Sendedaten
makro
Saubere Energie für unser Klima
Freitag, 20. November 2015,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Energie-Sendung
© mevSaubere Energie für unser Klima
Weg von Kohle, Öl und Gas - Der weltweite Energiehunger muß mit alternativen Energien gestillt werden. Die UN-Klima-Konferenz in Paris soll endlich den Durchbruch bringen.
Topaz Solar Farm
© USFWS - Sarah Swenty, cc-by-sa-2Die Topaz Solar Farm im Süden Kaliforniens hat eine Kapazität von 550 MW. Der Bau begann bereits 2011. Im November 2014 wurde die Anlage fertig. Bei Fertigstellung handelte es sich um die größte Photovoltaikanlage der Welt. Sie belegt eine Fläche von 25 km2.

Verwendet wurden Cadmium-Tellurid-Solarzellen des US-Unternehmens FirstSolar. FirstSolar ist - neben SunPower - Marktführer bei solaren Großkraftwerken. Beide Firmen stehen für den Löwenanteil im sogenannten "Utility"-Sektor (siehe Infokasten "Neuinstallationen in den USA" unten).
Interaktive Karte
© SEIAMajor Solar Projects
Die Solar Energy Industries Association (SEIA), der Branchenverband der US-Solarindustrie, hat auf einer interaktiven Karte die wichtigsten Solarprojekte aufbereitet.
Neuinstallationen in den USA
© SEIA,GTMDer US-Solarboom ist in vollem Gange. Die Graphik zeigt die neu installierte Kapazität pro Quartal über die letzten Jahre. Es wird unterschieden in "Residential" (Privathaushalte), "Non-Residential" (Unternehmen) und "Utility" (Energieversorger).

Die Energieversorger stehen für mehr als die Hälfte der neu installierten Kapazität. Das hat zwei Gründe: Erstens gibt es in vielen US-Bundesstaaten regulatorische Vorgaben zur Quote grünen Stroms. Zweitens ist Solarstrom umso billiger, je größer die Kraftwerke.

Der Markt bei Privathaushalten zieht erst jetzt an. Erstens sind die Solarmodule erst heute so effizient, dass sie auf der kleinen Fläche des eigenen Dachs eine halbwegs wirtschaftliche Nutzung ermöglichen. Zweitens bieten gestützt durch staatliche Subventionen Unternehmen wie SolarCity ein Geschäftsmodell, dass perfekt auf Privatkunden ausgerichtet ist.

Der "Non-Residential"-Sektor beschreibt Unternehmen, die einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen wollen. Dazu zählen Konzerne wie Google oder Apple, aber auch Handelsketten wie Walmart, die mit ihren Verkaufs- oder Lagerhallen große Flächen belegen. Aufs Dach kommen dann Solarzellen.