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Vorschau
Sendung am 20. Oktober
Knappe Medikamente
Antibiotika, Impfstoffe oder Krebsmedikamente - Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind immer häufiger. Viele Medikamentenhersteller sind von einzelnen Zulieferern abhängig.
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Rückblick
Sendung vom 6. Oktober
Schöne neue Landwirtschaft?
Der Kauf des Gentechnikspezialisten Monsanto ist für die Bayer AG ein zweischneidiges Schwert: schlechte Reputation gegen gute Gewinne. Trotzdem: Der Mega-Deal könnte die Zukunft der Landwirtschaft erheblich verändern.
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Zartgrüne Absichtserklärungen sind Markenzeichen einer langen Reihe von Klimagipfeln. Wenn es jedoch ans Eingemachte geht, gewinnt meist die Kohle. © dpa Lupe
Zartgrüne Absichtserklärungen sind Markenzeichen einer langen Reihe von Klimagipfeln. Wenn es jedoch ans Eingemachte geht, gewinnt meist die Kohle.
Vorsicht Greenwashing
Klimagipfel muss mehr liefern als warme Worte
"Kohlendioxidemissionen müssen kostenpflichtig werden", sagt Umweltökonom Lutz Wicke im Vorabinterview mit makro-Moderatorin Eva Schmidt. Der Klimagipfel in Paris müsse verbindliche Ziele vereinbaren. Sonst droht eine neues Kyoto.
Dem Terror zum Trotz beginnt Ende November in Paris die Weltklimakonferenz der Vereinten Nationen. Dabei gab es auch ohne die Anschläge schon genug Probleme im Vorfeld. Viele zweifeln daran, dass es in Paris zu verbindlichen Vereinbarungen kommen wird. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit dem Umweltökonomen Lutz Wicke darüber, was vom Klimagipfel zu erwarten ist.

makro: China setzt auf grüne Energie, hören wir seit Jahren, von der "Energiewende Fernost" war sogar schon die Rede. Doch nun wurde bekannt, dass China jahrelang seine Klimabilanz gefälscht hat. Ist die sogenannte "Energiewende Fernost" ein Potemkinsches Dorf?

Lutz Wicke: Richtig: China setzt auch auf die Erneuerbaren. Aber das reicht in keiner Weise! China verhält sich wie die allermeisten Entwicklungs- und Schwellenländer: Kohle ist weltweit der billigste Rohstoff zur Stromerzeugung. Und die Erdatmosphäre kann als kostenlose Klimamülldeponie belastet werden. Deshalb hat es weltweit einen unglaublichen Kohlekraftwerksboom gegeben. Diese Kraftwerke allein werden zu drei Viertel dafür sorgen, dass das Zwei-Grad-Ziel schon ab 2040 nicht mehr "gehalten" werden kann. Und China lädt sich dabei eine gewaltige Klimaschuld auf - darüber darf aber keinesfalls die noch viel größere Klimaschuld der Industriestaaten seit ca. 1860 vergessen werden!

makro: Sie fordern eine neue Klimapolitik. Wie soll die Ihrer Meinung nach aussehen?

Lutz Wicke: In der Tat brauchen wir eine neue Klimapolitik: Die kostenlose Klimamülldeponie, die auch nach Paris munter weiterbetrieben wird, muss geschlossen werden! Kohlendioxidemissionen müssen kostenpflichtig werden. Alle müssen viel stärkere ökonomische Anreize erhalten, sich klimafreundlich zu verhalten. Wir müssen schleunigst und ganz konkret ein wirklich wirksames "Beyond Paris" vorbereiten. Politik und Wissenschaft müssen - endlich - ihre eindeutig festgelegten Pflichten "Verhinderung gefährlicher Störungen des Weltklimasystems" erfüllen.

makro: Sie sind pessimistisch im Hinblick auf den Gipfel von Paris. Was müsste denn Ihrer Meinung nach geschehen, damit der Gipfel tatsächlich etwas zum Klimaschutz beitragen würde?

Lutz Wicke: Salopp gesagt: Viel ist nicht mehr "zu löten", um den - nach Kyoto - zweiten Klimaflop von Paris zu verhindern. Seit 4 Jahren hat sich die Weltklimapolitik auf das fast wirkungslose freiwillige Beitragsverfahren festgelegt (INDC). Zwar ist das Paris Protokoll nötig. Trotz aller jubelnder Vorweg-Klimapropaganda vor der weltweit übertragenen 20.000-Personen-Klima-Show in Paris mit allen Politstars dieser Welt: Ankündigungen über freiwillige, jederzeit widerrufbare Beiträge sind substanzlos und helfen dem Klima so gut wie gar nicht. Aber einiges Positive ist in Paris doch noch möglich: Die Entwicklungsländer sollten tatsächlich ausreichende Ausgleichszahlungen für Klimaschäden im Programm "Loss and Damage" erhalten. Der grüne Klimafonds sollte es ihnen ermöglichen, sich besser an den zerstörerischen Klimawandel anzupassen.

Und ganz konkret und last but not least: Die Paris Konferenz sollte den Beschluss der G7 in Elmau aufnehmen: Die großen Industriestaaten beschlossen, arme Länder und Einzelpersonen mit Hilfe von Makro- und Mikro-Klimaversicherungen gegen Wetterkatastrophen abzusichern. Bislang sind so etwa 100 Millionen Menschen in Afrika und der Karibik abgesichert. Noch viel mehr als die angestrebten plus 400 Millionen Menschen müssen sich mit bezahlbaren Versicherungen gegen Klimaschäden schützen können. Deutschland spielt hier mit dem BMZ und der Münchener Rück eine wirklich entscheidende Rolle.

makro: Deutschland mit seiner Energiewende gilt als Vorreiter grüner Energie. Wie schätzen Sie denn insgesamt die deutsche Klimabilanz ein?

Lutz Wicke: Deutschlands eigene Klimabilanz liegt weltweit mit an der Spitze. Und wir haben - mit hohen Subventionen durch die Strombezieher - die Photovoltaik weltweit gewaltig vorangebracht. Aber unsere eigenen CO2-Minderungen nutzen so gut wie null: Das, was wir mit Wind-, Bio- und Solarenergie einsparen, wird europaweit 'dank' des Europäischen Emissionshandelssystem mehr emittiert. Sorry: Diese unbequeme Wahrheit will niemand hören. Lasst uns lieber (arme) Stromkunden schröpfen!?

Sendedaten
makro
Saubere Energie für unser Klima
Freitag, 20. November 2015,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Energie-Sendung
© reutersSaubere Energie für unser Klima
Weg von Kohle, Öl und Gas - Der weltweite Energiehunger muß mit alternativen Energien gestillt werden. Die UN-Klima-Konferenz in Paris soll endlich den Durchbruch bringen.
Zur Person
Prof. Lutz Wicke
Prof. Lutz Wicke ist Direktor des Instituts für Umweltmanagement an der Wirtschaftshochschule ESCP Europe Berlin. Dort und an der TU Berlin lehrte er Umweltökonomie, war Umwelt-Staatssekretär in Berlin und Wissenschaftlicher Direktor am Umweltbundesamt. Seit 1989 befasst sich Lutz Wicke intensiv mit konkreter Klimapolitik. Zuletzt erschien sein Buch "Die Energiewende-Wende: Mehr Klimaschutz, aber sozial- und wirtschaftsverträglich".
Windkraft
© apWo Gegenwind gut ist
Noch nie wurden weltweit so viele Windräder aufgestellt wie 2015 - mehr als in Deutschland insgesamt in Betrieb sind. Investoren schätzen die niedrigen Betriebskosten. Ein Nachteil aber bleibt.
nano spezial: Klimagipfel
Entscheidung in Paris
Die Konferenz von Paris soll im Dezember 2015 ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll liefern - mit verbindlichen Zusagen zum Klimaschutz.
Schwerpunkt
Umwelt - Nachhaltigkeit - Greentech