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Vorschau
Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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An guten Standorten, wo es stark und beständig bläst, gibt es kaum eine günstigere Stromquelle als den Wind. © Vestas Wind Systems Lupe
An guten Standorten, wo es stark und beständig bläst, gibt es kaum eine günstigere Stromquelle als den Wind.
Wo Gegenwind gut ist
Windkraft - nicht populär, aber günstig
Noch nie wurden weltweit so viele Windräder aufgestellt wie 2015 - mehr als in Deutschland insgesamt in Betrieb sind. Investoren schätzen die niedrigen Betriebskosten. Ein Nachteil aber bleibt.
Der Ausbau regenerativer Energien gewinnt weltweit an Fahrt. Getragen wird er vor allem von Photovoltaik und Windkraft. Grund sind technologischer Fortschritt, Fertigung in großen Stückzahlen und der damit einhergehende fallende Preis des erzeugten Stroms.

Es spricht viel dafür, dass aus der Photovoltaik aus heutiger Sicht technologisch noch mehr herauszukitzeln sein wird als aus der Windkraft. An Standorten mit hoher Sonneneinstrahlung verspricht die Photovoltaik unschlagbar günstige Preise. Windkraft hingegen hat den Vorteil, auch in nördlichen Breiten einsetzbar zu sein. Technologisch ist sie zudem schon sehr ausgereift und an vielen Standorten mit fossilen Energieträgern konkurrenzfähig.

Rasanter Ausbau
Bereits heute, Stand Ende 2014, sind weltweit Windräder mit einer Kapazität von 370 Gigawatt (GW) installiert. Damit kann laut World Wind Energy Assosiation (WWEA) knapp 4% des weltweiten Strombedarfs gedeckt werden. Das klingt zunächst nicht furchtbar beeindruckend. Berücksichtigt man jedoch die jährlichen Wachstumsraten, ist es das sehr wohl (siehe Infografik "Windkraft: Kapazität weltweit").

Seit sich die Technologie rechnet, d.h. an guten Standorten ohne Subventionierung konkurrenzfähig ist, wird der weitere Ausbau zum Selbstläufer. Der Branchenverband WWEA rechnet bis zum Jahr 2050 mit einer weltweit installierten Kapazität von 4.000 bis 16.000 GW. Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet man 10.000 GW. Das ist das Fünfundzwanzigfache der heutigen Kapazität.

Die Tücken
Zwei Einschränkungen seien hier angemerkt. Zum einen sieht die WWEA die Windkraft naturgemäß durch die rosarote Brille der eigenen Interessen. Projektionen über einen so langen Zeitraum sind daher mit Vorsicht zu genießen.

Zum anderen entspricht die installierte Kapazität nicht der real erzeugten Energie. Sie beschreibt nur die Nennleistung unter optimalen Bedingungen. Die sind, je nach Standort, mehr oder weniger häufig erfüllt. Man kalkuliert in der Praxis mit einer erbrachten Leistung von 20% des Nennwerts. Dies bleibt der entscheidende Nachteil, mit dem die Technologie leben muss.

V112-3,0-MW-Windrad des dänischen Weltmarktführers Vestas. Das Modell hat einen Rotordurchmesser von 112 m. Über 55.000 Turbinen der 3-MW-Klasse hat Vestas weltweit verkauft. © Vestas Wind SystemsLupe
Für den Windpark Lemnhult in Schweden wurden ebenfalls 3,0-MW-Turbinen des Typs V112 verwendet. Sie sind für Starkwindstandorte geeignet. Für Leichtwindstandorte werden Windräder mit 126 m oder gar 136 m Rotordurchmesser verwendet. © Vestas Wind SystemsLupe

Investitionen steigen
Die Investitionen in erneuerbare Energien steigen rasant. Dazu zwei Zahlen: Im Jahr 2004 wurden weltweit 40 Mrd. Dollar in den Sektor gesteckt, 2011 waren es 279 Mrd. Dollar. Bei der neu installierten Kapazität haben Photovoltaik und Windkraft die Nase vorn. Die Investitionen in saubere Energie sind heute höher als jene in ihre schmutzigen Schwestern.

Hierbei spielt die Kostenverteilung über die Laufzeit eine wichtige Rolle. Windparks - ebenso wie Solaranlagen - sind in der Errichtung teuer, im weiteren Betrieb über die avisierte Laufzeit billig (Wartungskosten). Die hohen Baukosten werden jedoch durch das günstige Zinsumfeld maßgeblich verringert. Ein konventionelles Kohlekraftwerk ist im Bau günstiger, im laufenden Betrieb aber teurer, da über die gesamte Laufzeit Kohle gekauft werden muss.

Branche hat Öko-Nische längst verlassen
In diesen Kontext passt die Nachricht, dass nun auch die amerikanische Großbank Citigroup die Finanzierung von Kohleminen - Kohle ist immer noch die wichtigste Stromquelle - zurückfahren wird. Zuvor hatten bereits Bank of America und Crédit Agricole diesen Schritt verkündet. Sie wollen ein zu großes Kreditexposure in die Förderung eines Energieträgers vermeiden, der in Zukunft an Bedeutung verlieren wird.

Wichtig hierbei ist, dass es sich nicht um die ideologisch motivierte Entscheidung von Gutmenschen handelt, sondern um die nüchterne Kalkulation von Investoren und Kreditgebern (siehe Infokasten "Windkraft: Kostenvergleich"). Die Chance-Risiko-Abschätzung neigt sich zugunsten erneuerbarer Energien.

Subventionen geben immer noch den Ausschlag
Trotz der preislichen Attraktivität regenerativer Energien hat das regulatorische Umfeld nach wie vor großen Einfluss auf die Investitionen. Will sagen: Wenn Kraftwerksbetreiber Subventionen abgreifen können, tun sie das. Zeichnet sich ein Ende oder ein Zurückfahren dieser Subventionen ab, gibt es einen regelrechten Run - kurz vor Schluss wird noch soviel Kapazität errichtet wie möglich. Man spricht von Vorzieheffekten. Danach ist erstmal Ebbe.

So geschehen in den USA vor dem Auslaufen von Steuervergünstigungen Ende 2012. Ähnliches passierte in Deutschland mit der Änderung des Erneuerbare Energien Gesetztes (EEG), also einer Kürzung von Subventionen, Ende 2014. Die Windbranche erwartet daher für den deutschen Markt in den nächsten ein bis zwei Jahren eine eher flaue Entwicklung.

China maschiert voran
Ein sehr ehrgeiziges Ziel in der Nutzung der Windenergie hat China. Der größte CO2-Sünder der Welt ist bereits heute unangefochtener Spitzenreiter in der Windkraft - sowohl in der installierten Gesamtkapazität als auch beim jährlichen Zubau (siehe Infokasten "Windkraft in China"). Bis zum Jahr 2020 soll die Kapazität rund 200 GW Nennleistung erreichen. Das entspricht bei einer Auslastung von 20% immerhin etwa 40 Atommeilern.

Das Gute daran: Die Ziele sind insofern realistisch, als dass der jährliche Zubau nicht höher sein muss als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Skeptisch bezüglich des praktischen Nutzens macht jedoch ein anderer Aspekt. Die meisten Windparks entstehen im Norden und Westen des Riesenreiches. Die großen Abnehmer sitzen jedoch im Osten, Süden und den industriellen Zentren in der Mitte des Landes. D.h. ohne leistungsfähige Hochspannungstrassen kommt der saubere Strom nicht dorthin, wo er gebraucht wird.

Trotz der großen Fortschritte stand die Windenergie 2014 laut Chinese Wind Energy Association nur für 2,6% des produzierten Stroms (siehe auch Infokasten "Chinas Strommix"). Da ist noch viel Luft nach oben.

Sendedaten
makro
Saubere Energie für unser Klima
Freitag, 20. November 2015,
21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag 6.15 Uhr
Alles zur Energie-Sendung
© mevSaubere Energie für unser Klima
Weg von Kohle, Öl und Gas - Der weltweite Energiehunger muß mit alternativen Energien gestillt werden. Die UN-Klima-Konferenz in Paris soll endlich den Durchbruch bringen.
Windkraft: Kapazität weltweit
LupeSpielte die Windkraft im Jahr 2000 praktisch noch gar keine Rolle, hat das exponentielle Wachstum der Branche die Situation gründlich geändert. Allein im Jahr 2015 werden etwa 57 GW Nennkapazität neu errichtet.
Top10 der Windkraft
© WWEALupeWindkraftvorreiter Deutschland belegt mit einer installierten Gesamtkapazität von 42 GW im internationalen Ranking immer noch Platz 3. Im Rückspiegel zeigt sich bereits Indien, das mit einer neuen Förderpolitik früher oder später an Deutschland vorbeiziehen wird.

Die als Klimasünder gescholtenen USA erleben einen starken Ausbau, da es dort sehr günstige Standorte gibt, insbesondere übrigens im Ölstaat Texas. Unangefochtener Spitzenreiter ist und bleibt China. 2015 entsteht knapp 40% der neuen Windkraftkapazität im Reich der Mitte.
Windkraft: Kostenvergleich
© Vestas Wind SystemsLupeDer Windanlagenbauer Vestas, Marktführer der Branche, hat in seinem aktuellen Jahresbericht die Gesamtkosten (Levelised cost of energy) von Wind, Gas und Kohle in verschiedenen Weltregionen (AMER - America; EMEA - Europe, Middle East, Africa; APAC - Asia Pacific) miteinander verglichen.

Gas ist, wegen der gegenwärtig sehr niedrigen Preise (Stichwort Fracking) mit Wind konkurrenzfähig. Kohlestrom ist meist noch billiger und daher Hauptkonkurrent sauberer Energie. Doch selbst unter rein kalkulatorischer Betrachtung haben fossile Energieträger einen gravierenden Nachteil: Ihr Preis in 10 oder 20 Jahren ist nicht prognostizierbar. Daher entscheiden sich Kraftwerksbetreiber immer häufiger für Windkraft oder Photovoltaik. Hier fallen keinen unkalkulierbaren Brennstoffkosten an.
Windkraft in China
© WWEALupeSeit 2004 wird in China der Ausbau der Windkraft gefördert. Sowohl die jährlichen Zuwachsraten als auch die installierte Gesamtkapazität sprechen Bände. Auch versuchen chinesische Hersteller von Windturbinen auf dem Weltmarkt fußzufassen. Dort treffen sie jedoch auf starke Konkurrenz.
Chinas Strommix
© WWEALupeDer Anteil sauber erzeugten Stroms in China wird klar von Wasserkraft dominiert. Die ist grundlastfähig und hat eine gute CO2-Bilanz, sonst aber allerhand Nachteile für Mensch und Umwelt. Es sei hier nur der umstrittene Drei-Schluchten-Staudamm erwähnt. Windkraft und Photovoltaik wachsen zwar rasant, jedoch von einer sehr niedrigen Basis.