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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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Der Atomdeal mit dem Iran eröffnet einen ganz neuen Blick. Der Paria des Mittleren Ostens könnte wieder Teil der Staatengemeinschaft werden. © colourbox.de Video
Der Atomdeal mit dem Iran eröffnet einen ganz neuen Blick. Der Paria des Mittleren Ostens könnte wieder Teil der Staatengemeinschaft werden.
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Neue Perspektive
Irans Annäherung an den Westen
Irans Präsident Hassan Rohani will sich um die Wirtschaft kümmern und geht auf den Westen zu. Hat Ratio im Gottesstaat jetzt Vorrang vor Ideologie? makro fragt Iran-Kenner Adnan Tabatabai. Reine Nächstenliebe ist es jedenfalls nicht.
12 Jahre dauerte der Atomstreit mit Iran. Im Juli ist es gelungen, diesen beizulegen. Ein Ende der westlichen Sanktionen ist damit zum Greifen nah. Iran ist ein Land im Wandel: "Wir befinden uns jetzt in einem Übergangsprozess und es wird sich halt zeigen, ob Iran wirklich vom Schurken zum Partner wird", meint Iran-Experte Adnan Tabatabai im Interview.

makro: Herr Tabatabai, für die deutsche Industrie scheint das schon entschieden zu sein. Unternehmensvertreter geben sich gegenwärtig im Iran die Türklinke in die Hand. Doch wann fallen die Sanktionen?

Adnan Tabatabai: Man hat für diesen sogenannten "Implementation day", an dem die Sanktionen aufgehoben werden sollen, kein Datum genannt. Damit man diesen Prozess nicht so terminiert, dass man plötzlich merkt, es sollte eigentlich der erste Februar werden, und der wird es dann nicht. Und dann ist es schon wieder ein Scheitern. Man hat es offen gelassen, wenn von der internationalen Atomenergiebehörde grünes Licht kommt. Dann steht der Aufhebung der Sanktionen, die mit dem Atomabkommen zusammenhängen, letztlich nichts mehr im Wege. Und das würde sich wahrscheinlich bis März ziehen.

makro: Wird man Iran dann auch politisch wieder auf Augenhöhe begegnen?

Adnan Tabatabai: Ich glaube, das iranisch-europäische Verhältnis hat vor allem darunter gelitten, dass seitens der Amerikaner sehr starker Druck auf Europa ausgeübt worden ist. Vor allem auf den Finanzsektor, die Geschäfte mit dem Iran zurückzufahren. Das merkt man ja auch an den ranghohen Diplomaten, die schon vor Ort gewesen sind. Ich denke, der Prozess der iranischen-europäischen Normalisierung geht sehr schnell voran.

Was das iranisch-amerikanische Verhältnis angeht, da darf man weiterhin skeptische sein. Da gibt es noch genug Differenzen. Aber zumindest hat man es mal geschafft, sich zu einem Politikum zusammenzusetzen und vernünftige Gespräche miteinander zu führen.

makro: Der Schlüssel zum "neuen" Iran scheint Präsident Hassan Rohani zu sein. Er hatte im Wahlkampf das Ende von Atomstreit und Sanktionen versprochen. Ist er nun zum Erfolg verdammt?

Adnan Tabatabai: Hassan Rohani ist jemand, der aus dem Kern des iranischen Sicherheitsapparates kommt und der vieles, was die iranische Politik ausmacht, aus der Perspektive der nationalen Sicherheit sieht. Wenn er sagt, wir müssen die Wirtschaft ankurbeln, wenn er sagt, wir müssen das politische Klima etwas entspannen, dann sagt er das vor allem aus der Überzeugung heraus, dass gravierende wirtschaftliche Probleme oder ein zu repressives wirtschaftliches Klima zu nationaler Unsicherheit führen. Deshalb ist seine Argumentationslinie: Wir müssen uns um die wirtschaftlichen Verhältnisse kümmern, um eben die Lebensverhältnisse so zu verbessern.

makro: Mit dieser Haltung steht er aber doch im offenen Widerspruch zu vielen konservativen Kräften im Iran.

Adnan Tabatabai: Natürlich gibt es Teile des politischen Establishments, die einen sehr repressiven Kontext bevorzugen, die sehr viel staatliche Präsenz auch an den Unis und in den Medien bevorzugen. Die die ideologische Durchsetzung dessen, wofür die islamische Republik ihrer Meinung nach steht, überall gewährleistet haben wollen. Die weniger die Stärkung von gesellschaftlichen Akteuren, Nicht-Regierungsorganisationen, privaten Unternehmern haben wollen, sondern die alles in staatlicher Hand sehen wollen.

Dass sind zum einen Leute, die ideologisch denken. Aber natürlich auch Leute, die sich über die letzten Jahre wirtschaftlich in ganz tolle Positionen manövriert haben und die mehr Wettbewerb in der Wirtschaft als Gefahr für sich selbst und ihr lukratives Geschäft sehen. Gegen diese Leute muss sich die Regierung Rohani natürlich durchsetzen.

makro: Die von Ihnen beschrieben Sorgen um die eigenen wirtschaftlichen Interessen führen zu massiver Korruption in Iran. Wie will man dagegen vorgehen?

Adnan Tabatabai: Das Thema Korruption ist ein ganz großes in der Islamischen Republik. Die Regierung Rohani ist seit dem Amtsantritt vor zwei Jahren sehr bemüht, Korruptionsfälle aus der jüngeren Vergangenheit aufzudecken. Der Revolutionsführer hat mal gesagt, dass die Lösung der wirtschaftlichen Probleme des Iran nicht in Genf, Lausanne oder New York gefunden wird, sondern die Lösung muss zuhause beim Missmanagement und der Korruption gesucht werden.

Das Entscheidende aus meiner Sicht ist, dass nicht nur einzelne Korruptionsfälle bei einzelnen Akteuren aufgedeckt werden, sondern dass jeder Akteur, der korrupt ist, zur Rechenschaft gezogen wird. Solange das nicht entschieden angegangen wird, wird sich dieses Phänomen auch nicht entscheidend bessern.

makro: Ein noch größeres Problem sieht die Weltbank in der hohen Arbeitslosigkeit vor allem unter den Jugendlichen in Iran. Welche Chancen sehen sie da?

Adnan Tabatabai: Es ist eine der größten Herausforderungen für diese Regierung, den Arbeitsmarkt responsiver zu gestalten. Einerseits gibt man damit an, dass man so viele gut Ausgebildete hat. Andererseits kann man die nur sehr schwierig in vernünftige Jobs integrieren. Viele von denen fahren dann Taxis, um irgendein Gehalt zu haben.

Insofern wird es eine riesige Herausforderung, den Arbeitsmarkt so zu gestalten, dass die Jungen Jobs bekommen. Da verspricht man sich viel von der Tourismusbranche. Dort braucht man viele Leute, die viele Fremdsprachen beherrschen und ausländische Gäste betreuen können. Das könnte ein potentieller Arbeitsmarkt sein.

makro: Wie schätzen sie die Chancen ein, dass Iran unter Präsident Rohani wieder zum Partner der Weltgemeinschaft werden kann?

Adnan Tabatabai: Ich bin davon überzeugt, dass der Weg, den Präsident Rohani eingeschlagen hat, ein nachhaltiger sein wird. Dieses Nuklearabkommen ist in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht so bedeutend für Iran, dass das die Position Präsident Rohanis gefestigt haben wird. Die Spannungen und manche Rückschläge, die es jetzt gibt, halte ich für normal auf diesem Weg dorthin.

Überall da, wo Veränderungen eingeleitet werden, gibt es eben Widerstände. Ich glaube, dass sich die Situation bis zur Implementierung des Nuklearabkommens und den Parlamentswahlen im Februar 2016 ein bisschen entspannt. Und dann - mit etwas mehr Ruhe - die Politik, die Präsident Hassan Rohani eingeführt hat, vorwärts getrieben werden kann.

Das Interview führte Katrin Sandmann.

Wirtschaftsdokumentation
© reutersIran - Das große Versprechen
Durch die Brille der Weltwirtschaft ist der Iran nach dem erfolgreichen Atom-Deal ein einziges, großes Versprechen: Nach der langen Isolation gibt es einen enormen Bedarf an Investitionen.
Zur Person
Adnan Tabatabai
Tabatabai ist Geschäftsführer des Bonner Forschungszentrums CARPO (Center for Applied Research in Partnership with the Orient) und berät seit 2009 Bundestagsabgeordnete, das Auswärtige Amt, politische Stiftungen sowie Autoren und Journalisten zu politischen Fragen rund um den Iran. Zudem ist er Lehrbeauftragter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zur sozial- und politikwissenschaftlichen Betrachtung der Region des Nahen und Mittleren Ostens.
Interview
Video"Der Iran hat ein Imageproblem"
Autorin Katrin Sandmann war bei der Frankfurter Buchmesse zu Gast am 3sat-Stand. Im Gespräch mit makro-Moderatorin Eva Schmidt berichtet die erfahrene Journalistin von ihren Eindrücken und Dreharbeiten im Iran.
Iran: Politik I
Das Atomabkommen
Dem Iran ist es in zähen Verhandlungen gelungen, am 14. Juli 2015 einen Atom-Deal mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates, der EU und Deutschland auszuhandeln. Die zwölf Jahre dauernde internationale Krise scheint damit vorerst beigelegt, das Ende der westlichen Sanktionen gegen den Iran greifbar nahe.
(makro, 25.08.2015)
Iran: Politik II
Im Iran geht wieder was
Das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ist nah. Deutsche Unternehmen wünschen sich eine Neuauflage der einst guten Handelsbeziehungen, die ihnen Milliarden einbringen könnte.
(makro, 25.08.2015)