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Sendung am 8. Dezember
Kollege Roboter
Die Roboter kommen. Vernetzt sind sie, unermüdlich und schlau. Sie werden die Arbeitswelt umkrempeln. So wie einst die Feldarbeit der Industrie weichen musste und diese später der Dienstleistungsgesellschaft. Das muss nicht schlecht sein.
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Rückblick
Sendung vom 1. Dezember
Der Nordkorea-Konflikt
Das Risiko für einen militärischen Konflikt mit Nordkorea war noch nie so groß. Die Vereinten Nationen haben darauf mit weiteren Wirtschaftssanktionen gegen das Land reagiert.
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In Spanien war die Arbeitslosigkeit junger Menschen schon vor der Krise hoch. Jetzt haben viele die letzte Hoffnung verloren. © ap Lupe
In Spanien war die Arbeitslosigkeit junger Menschen schon vor der Krise hoch. Jetzt haben viele die letzte Hoffnung verloren.
Die verlorene Generation
Europas Jugend von Eurokrise besonders betroffen
Dass die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa besonders hoch ist, ist nichts Neues. Wie schlimm es tatsächlich um Europas Jugend steht, hat eine Studie der Bertelsmann Stiftung untersucht. Das Ergebnis ist ernüchternd.
Viele Jugendliche in Europa sind unzufrieden. Etwa jeder fünfte Europäer in der Altersgruppe unter 25 sucht oft seit Jahren vergeblich nach Arbeit. Gefährlich: Europäische Jugendliche ohne Arbeit geraten schnell in "eine Spirale aus Frust und Verzweiflung", so Opel-Chef Neumann. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in manchen Ländern verstärkt die innereuropäische Migration. Experten sprechen bereits von einer "verlorenen Generation" oder von einem "29. EU-Staat" bestehend aus jungen Arbeitslosen.

Die Kluft wächst
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache, denn viele der 20- bis 24-jährigen EU-Bürger befinden sich in einer prekären Situation. 5,4 Mio. junge Europäer sind weder in Ausbildung noch in Beschäftigung. 7,5 Mio. Europäer im Alter zwischen 15 und 24 sind arbeitslos, viele von ihnen schon über einen längeren Zeitraum. Das sind 22% aller Menschen zwischen 15 und 24 in Europa.

Die Kluft zwischen den Generationen wuchs seit der Finanzkrise 2008 erheblich an: Seitdem sind europaweit zusätzlich 1,2 Mio. Jugendliche von Armut und sozialem Ausschluss bedroht. Während sich die soziale Ausgrenzung von 65jährigen von 24,4% auf 17,8% verringerte, hat sich der Anteil der von sozialer Ausgrenzung bedrohten unter 18jährigen von 26,4% auf 27,9% erhöht. Das sind rund 26 Mio. Menschen. Zum Vergleich: 2014 galten rund ein Viertel aller EU-Bürger als von Armut und sozialem Ausschluss bedroht. Insgesamt wären das 122 Mio. Menschen. Vor allem die Kinder und jungen Erwachsenen in Südeuropa sind von der prekären Situation betroffen.

Finanzkrise machte alles schlimmer
Sicher ist, dass die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise Mitschuld an der Arbeitslosigkeit vieler junger Menschen tragen. Viele Unternehmen zögern beim Einstellen neuer Mitarbeiter. Die EU versucht darauf zu reagieren - durch die Gründung eines europäischen Sozialfonds: Dieser stellt seit 2013 jährlich 10 Mrd. Euro für die Umsetzung einer sogenannten "Jugendgaranti" bereit, die jedem Jugendlichen unter 25 Jahren innerhalb von vier Monaten eine Arbeit, ein Praktikum oder eine Ausbildung zusichern soll.

Jedoch greift die Initiative nicht - selten werden die vorhandenen Beträge ausgeschöpft, da die EU erst verteilt, wenn Strukturpläne vorliegen. Nichtsdestotrotz hat die EU damit ein wichtiges Problem erkannt: Langfristiges Rumhängen der Jugendlichen und zu viel Zeit ohne Beschäftigung ist demotivierend und kommt zudem die Länder teurer zu stehen, als wenn sie einen Ausbildungsplatz bereitstellten. Eine Studie von Eurofond berechnete einen jährlichen Produktivitätsverlust von 153 Mrd. Euro durch arbeitslose Jugendliche. Die Kinder und Jugendlichen sind die unumstrittenen Verlierer der Krise.

Südeuropa besonders betroffen
Der 2015 erschienene "Social Justice Index" der Bertelsmann Stiftung (siehe Infografik rechts), der die Gerechtigkeitsverhältnisse in Europa ausgewertet hat, verdeutlicht die Spaltung zwischen Nord- und Südeuropa. Der Index fand heraus, dass es in den skandinavischen Ländern Schweden und Dänemark am gerechtesten zugeht. Ganz hinten tummeln sich mit Griechenland, Rumänien und Bulgarien südosteuropäische Staaten.

Der Index spiegelt sehr gut die europäische Arbeitsrealität wieder, in welcher vor allem die südeuropäischen Staaten Spanien, Griechenland, Portugal und Italien als Problemfälle gelten. In Portugal und Italien suchten beispielsweise im Jahr 2014 40% der Bevölkerung einen Job. Als Folgen der heftigen Sparprogramme gelten in Griechenland bereits 36% der Bevölkerung als arm beziehungsweise als armutsgefährdet. In Spanien trifft dies auf 29%, in Portugal auf knapp 28% zu. In Italien stieg die Armutsgefährdung in den letzten Jahren von 22 auf 32%.

Jugend ohne Perspektive
Die Situation ist jedoch im gesamten südeuropäischen Raum brisant: Das Armutsrisiko für Jugendliche liegt dort durchweg bei über 30%. In Personenzahlen fasst sich die Armutsgefährdung in den vier Beispielländern Spanien, Griechenland, Italien und Portugal wie folgt zusammen: Seit 2007 stieg die Anzahl der von Armut oder sozialer Ausgrenzung Bedrohten von 6,4 auf 7,6 Mio.

Das gravierendste Problem ist jedoch die Jugendarbeitslosigkeit: In Griechenland sind 50%, in Italien 44% der Menschen unter 25 arbeitslos. Gründe für diese schockierende Entwicklung sind Strukturprobleme im Süden, mangelnde Ausbildungsplätze, mangelnde Infrastruktur sowie mangelnde Investitionen. Erschwerend hinzu kommt die Sparpolitik.

Auswanderung in den reichen Norden
In Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit bei circa 50% liegt, führte diese Entwicklung schon zu zahlreichen Protesten. Zudem gab es in den letzten Jahren eine Emigrationswelle von vielen Jugendlichen, die den Glauben daran verloren haben, im Heimatland einen Job zu finden. Die EU-Kommission traut Spanien jedoch einen Aufschwung zu: Die Wirtschaftsleistung (BIP) soll zukünftig um 2,3% wachsen und die allgemeine Arbeitslosenquote von 24,3% auf 22,5% sinken.

Eine weitere Problemregion sind die Balkanländer. In Ländern wie Bulgarien oder Rumänien, die erst 2007 der EU beitraten, gibt es schon zahlreiche Auswanderungswillige: In Bulgarien sind es 43%, in Rumänien 40% der Jugendlichen, die das Land verlassen wollen. Die meisten vertrauen der jeweiligen Regierungspolitik nicht oder sind unzufrieden mit den geringen Verdiensten. Das EU-Land Ungarn weist eine ähnlich hohe Jugendarbeitslosigkeit (41%) auf wie die vier Südeuropäer.

Einen Kontrast dazu stellen die Zahlen aus Deutschland dar. Hier liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 7,1%. Unter 10% liegt sie auch in den Niederlanden und Österreich. Ein Wermutstropfen ist die Tatsache, dass in Deutschland immer noch die soziale Herkunft über Berufschancen entscheidet und Kinder aus wohlhabenden Haushalten deutlich bessere Bildungschancen haben. Im Social Justice Index liegt Deutschland nur auf Platz 7.

Bertelsmann-Studie mahnt Reformen an
Man kann drei Gründe für die Verschärfung der Entwicklung zwischen Jung und Alt nennen: Hohe Verschuldung, fehlende Zukunftsinvestitionen sowie alternde Gesellschaften. Wenn man verhindern will, dass hier eine gesamteuropäische verlorene Generation heranwächst, muss man sich besonders die Überalterung der Gesellschaft vor Augen halten.

In der Studie der Bertelsmann Stiftung wird zu einer Rentenreform geraten. Grund: Die Rente mit 63 geht auf Kosten der jungen Generation. Renten und Altersbezüge sind nicht so stark geschrumpft wie die Einkommen der jüngeren Bevölkerung. Zudem wäre es wünschenswert, dass Weiterbildungsprogramme für Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte angeboten werden. Vor allem in Südeuropa muss zudem viel investiert werden.

Sendedaten
makro
Tabuzone €uropa
Freitag, 30. Oktober 2015, 21.00 Uhr
Thema der Sendung
© reutersTabuzone €uropa
Einer für alle und alle für einen. Mit diesem Solidaritätsgelöbnis sollte die EU funktionieren. Doch Finanzkrise und Flüchtlingsdrama zeigen, wie uneins die Länder Europas sind.
Europa: Reden Sie mit!
© apGeorg von Wallwitz sagt: An einer Transferunion - mithin an mehr Solidarität in Europa - führe kein Weg vorbei. Diskutieren Sie mit!
Schwerpunkt
Europa
Infografik
© Bertelsmann StiftungLupeSocial Justice Index
Die Bertelsmann Stiftung hat auch in diesem Jahr den "Social Justice Index" für die Länder Europas ermittelt und mit den Werten aus den Vorjahren verglichen. Nicht verwunderlich: Die skandinavischen Länder landen ganz oben, Europas Sorgenkinder unten.

Mit dem Social Justice Index untersucht die Bertelsmann Stiftung jährlich anhand von 35 Kriterien die Teilhabechancen in den 28 EU-Mitgliedstaaten. Hierbei werden sechs verschiedene Dimensionen sozialer Gerechtigkeit betrachtet: Armut, Bildung, Arbeitsmarkt, Gesundheit, Generationengerechtigkeit sowie gesellschaftlicher Zusammenhalt und Nicht-Diskriminierung.