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Vorschau
Sendung am 27. Oktober
Umbau der Alpen
Der Klimawandel bedroht den Wintersport. Viele Skigebiete in den Alpen sind nicht mehr schneesicher. Geröll- und Verkehrslawinen sowie die massive Verstädterung zeigen die Schattenseiten des Massentourismus.
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Rückblick
Sendung vom 13. Oktober
Sucht nach Soja
Die Sojabohne hat Wachstumsraten wie kaum eine andere Nutzpflanze der Welt. Sie steckt in Schokolade, Treibstoffen und im Futter für die Tiermast. Doch der weltweite Soja-Boom hat gravierende Folgen für Mensch und Umwelt.
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Auf europäischer Ebene ist die EZB die einzige wirklich handlungsfähige Institution. Das ist zugleich Fluch und Segen. © ap Lupe
Auf europäischer Ebene ist die EZB die einzige wirklich handlungsfähige Institution. Das ist zugleich Fluch und Segen.
Sparer auf Sparflamme
EZB hält Europa zusammen - und den Sparer klein
"Die Erbengeneration schaut in die Röhre", sagt Vermögensverwalter Georg von Wallwitz zur EZB-Politik. Das sei aber gar nicht so schlimm. Warum verrät er makro-Moderatorin Eva Schmidt im Vorabinterview.
Die meisten Bundesbürger legen weiter ihr Geld auf die hohe Kante, obwohl die Rendite gleich null ist. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank dauert nun schon seit Jahren an, obwohl sie nur vorübergehend Wachstumsimpulse liefern sollte. makro-Moderatorin Eva Schmidt sprach mit dem Vermögensverwalter Georg von Wallwitz über die Rolle des Sparers in der EZB-Politik.

makro: Die EZB hält an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Was heißt das auf Dauer für die Sparernation Deutschland?

Georg von Wallwitz: Das heißt, dass die Erbengeneration in die Röhre schaut. Diejenigen, die Erspartes haben, das ist in der Regel die ältere Generation, die wird einen guten Teil ihrer Ersparnisse auch aufbrauchen. Einfach deshalb, weil sie nicht mehr von den Zinsen leben kann. Das heißt, sie wird von der Substanz leben. Und die Erbengeneration wird ein weniger leichtes Leben haben, als sie sich das vielleicht Mal vorgestellt hat.

Aber es ist nicht etwa so, dass das Land deswegen untergeht. Im Gegenteil, es ist für ein Land selten gut, wenn ein zu großer Teil der Bevölkerung nur von Ersparnissen lebt. Letztlich ist der Sparer mit der Politik der EZB ganz gut bedient. Würde sie die Zinsen hochsetzen, wären die Konsequenzen ähnlich wie in den USA während der Weltwirtschaftskrise zu Anfang der 1930er-Jahre. Und das würde einen noch viel größeren Wohlstandsverlust bedeuten.

makro: Das heißt aber, wir müssen uns damit abfinden, dass unser Vermögen schrumpft und damit unser Wohlstand?

Georg von Wallwitz: Das Guthaben der Sparer wird schrumpfen, aber man muss es nicht ganz so negativ sehen, wie es jetzt auf dem Papier aussieht. Denn auf der anderen Seite haben wir kaum noch eine Inflation, und das kommt den Sparern sehr entgegen. Es ist der reale Zins, auf den es ankommt.

Das Geld verliert im Unterschied zu früheren Zeiten kaum noch an Kaufkraft. Übrigens bemisst sich der Wohlstand eines Landes nicht nach der Höhe der Sparkonten, sondern nach der produktiven Leistung, nach der Fähigkeit sinnvolle Waren und Dienstleistungen zu produzieren. Und da sieht es in Deutschland ganz gut aus.

makro: Sprechen wir über die Verteilung des Wohlstands. Der französische Ökonom Piketty behauptet: Reiche werden reicher, Arme bleiben arm. Geht diese Entwicklung so weiter?

Georg von Wallwitz: Die Entwicklung wird getragen von Trends, die noch eine Weile weiter gehen werden und die auch schon eine ganze Weile lang laufen. Diese Trends sind erstens die Globalisierung, die dazu geführt hat, dass die lokale Arbeiterschaft weniger Verhandlungsmacht hat. Die Firmen können sagen: Dann lass ich eben woanders fertigen.

Zweitens ist da die Computerisierung, Technisierung, Automatisierung. Das ist jener Trend, der dazu führt, dass wenige gute Programmierer oder Ingenieure Maschinen bauen, die die Arbeit tun, die früher viele Arbeiter und Angestellte getan haben. So dass man heute nur noch wenige hochqualifizierte Leute braucht, die dafür aber sehr hoch bezahlt sind. Und drittens führt die Globalisierung der Finanzen dazu, dass wir einen Steuerwettbewerb haben. Die Firmen und damit die wohlhabenden Leute zahlen tendenziell immer weniger Steuern. Und das führt auch zu Ungleichheit.

Das sind drei Tendenzen, die wir schon eine Weile haben und deren Ende nur in einem Fall absehbar ist: Die Politik kann letztlich nur beim Steuerwettbewerb etwas machen - und in diese Richtung bewegt sie sich auch. Langsam, aber sicher.

makro: Kommen wir nochmals auf die niedrigen Zinsen zu sprechen, die ja eine Reaktion auf die hohe Verschuldung vieler Euro-Staaten sind. Eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung dieser Verschuldungskrise tragen die Banken. Es ist in der Zwischenzeit viel geschehen, um die Banken zu regulieren. Wie sicher ist unser Finanzsystem heute?

Georg von Wallwitz: Nach der Finanzkrise hat man gesagt: Das Finanzsystem ist zu komplex, es muss also alles einfacher werden. Und hat dann aber versucht, Komplexität mit Komplexität zu bekämpfen. Das ist so, wie wenn man Feuer mit Feuer bekämpft. Das ist nicht immer zielführend. Die Regulierung ist jetzt so, dass kein Mensch mehr versteht, wie Bankbilanzen zu bewerten sind. Und ein System, was keiner mehr versteht, von dem weiß auch keiner, ob es stabil ist.

makro: Und was heißt das für den Sparer? Das Geld besser nicht zur Bank tragen?

Georg von Wallwitz: Für den Sparer hat sich an dem grundsätzlichen Vorgehen nichts geändert: Er sollte dort anlegen, wo er die Chancen und Risiken versteht und sich nicht durch obskure Renditeversprechen in Finanzanlagen locken lassen, die bei genauem Hinsehen illusorisch sind. Er wird aber akzeptieren müssen, dass die Renditen heute niedriger sind als vor 10 oder 20 Jahren. Es gibt keinen Königsweg zu hohen Zinsen bei niedrigen Risiken.

Es gelten also die alten Faustregeln: Das Geld, welches man in den nächsten fünf bis sieben Jahren benötigt, hält man in möglichst konservativen Anleihen - auch wenn es da derzeit keinen Zins gibt. Und Geld, das man lange Zeit nicht benötigt und auf das man zur Not auch ganz verzichten kann, investiert man in Aktien. Und bei den derzeit sehr niedrigen Kreditzinsen sind Immobilien außerhalb der überhitzten Zentren wie München sicher auch eine Überlegung - so lange die Lage gut und die Tilgungsrate der Schulden hoch ist.

Sendedaten
makro
Tabuzone €uropa
Freitag, 30. Oktober 2015, 21.00 Uhr
Thema der Sendung
© reutersTabuzone €uropa
Einer für alle und alle für einen. Mit diesem Solidaritätsgelöbnis sollte die EU funktionieren. Doch Finanzkrise und Flüchtlingsdrama zeigen, wie uneins die Länder Europas sind.
Zur Person
Georg von Wallwitz
Der Vermögensverwalter Georg von Wallwitz ist Mathematiker und promovierter Philosoph. Seit 1998 arbeitet er im Fondsmanagement, zunächst bei der DWS in Frankfurt und seit 2004 selbständig als Mitinhaber einer Vermögensverwaltung in München. Auch als Buchautor hat er sich einen Namen gemacht. Zuletzt erschien "Mr. Smith und das Paradies - Die Erfindung des Wohlstands" bei Berenberg.
Europa: Reden Sie mit!
© apGeorg von Wallwitz sagt: An einer Transferunion - mithin an mehr Solidarität in Europa - führe kein Weg vorbei. Diskutieren Sie mit!
Währung
Der unerklärte Krieg
Sie sprechen nicht offen darüber. Aber sie tun es. Notenbanken rund um den Globus schwächen gezielt ihre Währung, um der Wirtschaft kurzfristige Vorteile zu verschaffen. Am Ende werden alle verlieren.
(makro, 07.04.2015)
US-Zinsentscheidung
Das Zittern der Fed
Es ist die wichtigste Entscheidung der US-Notenbank seit 2008. Wann wird Fed-Chefin Janet Yellen ihre Nullzinspolitik beenden? Eigentlich hätte sie den Leitzins längst erhöhen müssen. Sie hat es nie gewagt. Auch jetzt nicht. Aus Angst vor den Geistern, die sie rief.
(makro, 17.09.2015)
Wirtschaftsdokumentation
EZB - Die neue Macht am Main
Mit dem Einzug in ihre neue Zentrale erweitert die EZB ihre Aufgaben. Sie übernimmt die Aufsicht über Europas Banken. Und betreibt immer direkter Wirtschaftspolitik. Man könnte sagen: Die EZB wird amerikanisch.
(makro, 31.10.2014)
Mediathek
VideoInterview zur Geldanlage
Walter Tissen und Georg von Wallwitz raten trotz des kräftigen Anstiegs und in Ermangelung von Alternativen zu deutschen oder europäischen Aktien. In Amerika, so Wallwitz, seien Aktien schon zu teuer.
(makro, 17.04.2015)