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Die Entwicklung von Prothesen hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. © dpa Lupe
Die Entwicklung von Prothesen hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht.
Krieg und Forschung
US Army - der wichtigste Prothetik-Kunde
Es klingt unschön, aber: Kriege sind ein riesiger Markt. Auch für die Prothetik. Das weltweit führende Unternehmen kommt aus Deutschland. Der wichtigste Kunde ist - unfreiwillig - die US-Army.
Das weltweit führende Unternehmen im Bereich Prothetik, Otto Bock Health Care aus Duderstadt bei Göttingen, erkannte das wirtschaftliche Potential der Prothetik zur Nachkriegszeit. Gegründet im Jahr 1919, ein Jahr nach dem Ende des ersten "modernen" Vernichtungskriegs, dem ersten Weltkrieg, versorgte der Familienbetrieb die deutschen Kriegsheimkehrer mit Prothesen.

Das Land, das heute besonders viele Veteranen zu versorgen hat, sind die USA. Sie operieren militärisch an zahlreichen Orten weltweit und sehen sich besonders wegen der verlustreichen Kämpfe im Irak und Afghanistan im Versorgungsnotstand. Durch die moderne Medizin gibt es weniger Tote, dafür mehr Soldaten, die schwer lädiert noch überleben. Diese benötigen oft Prothesen und intensive Behandlungen.

Die Fakten
90% der US-Soldaten, die im Irak und in Afghanistan verwundet wurden, überleben trotz teils schwerster Verletzungen und müssen daher behandelt werden. Das "U.S. Department of Veteran Affairs" spricht davon, dass der Anteil an Veteranen, die auf Prothesen oder sonstige sensorische Hilfen angewiesen sind, seit dem Jahr 2000 um mehr als 70% gestiegen ist. Allein unter den Rückkehrern aus den Kriegen im Irak und Afghanistan werden 6% der Soldaten langfristig Prothesen benötigen.

Das Department versorgt jedoch nicht nur Soldaten die im Krieg Gliedmaßen verloren: Auch altgediente Veteranen, die sich beispielsweise wegen einer Diabeteserkrankung einer Amputation unterziehen müssen, werden versorgt. Einem Zehntel der 44.800 noch lebenden Kriegsveteranen in den USA fehlt ein Stück eines Armes. Armamputierte machen 22% aller Prothesenträger aus.

Der Markt
In den letzten zwanzig Jahren erreichte die Prothetik neue wirtschaftliche Dimensionen. Es fließen Millionenbeträge. Neben dem Sport ist die Versorgung verwundeter Soldaten der Schlüsselmarkt. Bereits ein Jahr nach Firmengründung waren Herrs innovative Ideen dem US Department of Veterans Affairs eine Finanzspritze von 7,2 Millionen US-Dollar wert.

Das Ziel: Die Prothetikforschung vorantreiben, um verletzten Veteranen den Weg zurück in die Gesellschaft zu ermöglichen. Doch: Die Prothesen kosten den Staat viel Geld. Immer wieder ist die Rede davon, dass das Sozialsystem der USA überfordert sei mit den zahlreichen verwundeten Kriegsrückkehren und deren Wiedereingliederung in die Gesellschaft.

Teure Entwicklung
Während der Aufbau von Institutionen für verletzte Kriegsveteranen eher schleppend vorangeht, ist die technische Prothesenentwicklung umso schneller - und das liegt auch an enormen Finanzspritzen. Die "Defense Advanced Research Projects Agency", die seit 2008 gemeinsam mit dem Department of Veteran Affairs an dem Projekt "Revolutionizing Prosthetic" arbeitet, leistete in den letzten Jahren Bahnbrechendes: Das im Mai 2014 erstmals produzierte "DEKA Arm System" gilt als Schritt nach vorne im schwierigen und noch etwas imperfekten Segment der Armprothesen.

Die neue Prothese konnte dank einer Finanzspritze der DARPA in Höhe von 40 Millionen Dollar entwickelt werden. Die Partnerschaft der DARPA mit dem Department of Veteran Affairs erweist sich als finanziell sinnvoll: So erhielt man 2012 von "Prosthetic and Sensory Aids Service" der Veteran Affairs 70,2 Millionen Dollar für die Entwicklung von künstlichen Beinen. Diese Beträge sind sinnvoll eingesetzt: Die Möglichkeit des Wiedereintritts von Veteranen in die Gesellschaft muss gegeben sein - und das funktioniert eben besonders gut, wenn man wieder vermeintlich alltägliche Dinge wie greifen, laufen oder schreiben kann.

Das Walter Reed Army Medical Center
Dass Prothesen eine enorme Chance darstellen können, Weiss auch Chuck Scoville, Direktor des Amputationsprogramms am Walter Reed Army Medical Center, einem Veteranenkrankenhaus in Washington. Scoville sagt deutlich: "Das wäre früher undenkbar gewesen". Nicht nur die Waffentechnik, auch die Prothesentechnik hat sich weiterentwickelt: "Kriegsverletzungen haben die Entwicklung von Prothesen vorangetrieben. Heute stellen wir Produkte her, die den Anforderungen von Soldaten gerecht werden", so Scoville.

Zurück an die Front
Dass Prothesen sogar für Soldaten einen Wiedereintritt ins Heer ermöglichen können, beweist der Soldat George Perez. Nach einem halben Jahr im Militärkrankenhaus ist er nämlich wieder zurück an der Front - mit Prothese. Er bestand den Eignungstest für Rekruten und wurde der erste amputierte Soldat der 82. Infanteriedivision, der mit einem Fallschirm gesprungen ist.

Von der Versicherung erhielt Perez 100.000 Dollar sowie drei künstliche Beine. Jedes von ihnen kostete 65.000 Dollar. 2007 wurde ein knappes Dutzend amputierter Veteranen für kriegstauglich befunden. Viele wollen das Comeback als Krieger. Viele wollen es, und viele können es. Dank der Entwicklungen in der Prothetik.

Sendedaten
Freitag, 23. Oktober 2015, 21.00 Uhr
Wiederholung Sonntag, 6.15 Uhr
Thema der Sendung
© reutersRoboter auf dem Vormarsch
Pressen, schweißen und lackieren - In der Autoindustrie haben Roboter die Bandarbeiter längst ersetzt. In Zukunft könnten sie noch sehr viel mehr Menschen ihren Job streitig machen.
"Centre for the Intrepid"
Ein Ort, der nicht nur zum Zweck der Rehabilitation, sondern auch zur eben erwähnten Wiedereingliederung der verletzten Soldaten in die Gesellschaft fungiert, ist das sogenannte "Centre for the Intrepid" ("Zentrum für die Unerschrockenen"). In diesem 2007 eröffneten Zentrum im texanischen San Antonio können Veteranen in Gruppen lernen, mit ihrer Amputation umzugehen, betreiben gemeinsam Sport und werden dauerhaft von Ärzten betreut. Es liegt direkt neben dem Brook Army Medical Center. Das Proto-Projekt konnte nur durch Spenden von Privatiers ermöglich werden: Insgesamt wurden gar die kompletten Kosten von 45 Millionen Dollar gestiftet. Bis heute ist es in seiner Art einzigartig in den USA.
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